FAZ 11.09.2026
21:39 Uhr

(+) Dankesrede zum Lenz-Preis: Die Gnade von Schiffen


Was widerfuhr einem 1926 geborenen Deutschen? Siegfried Lenz hat die für seinen Jahrgang typischen schrecklichen Erfahrungen machen müssen. Und doch ist ihm einiges erspart geblieben. Und nicht alles hat er erzählt.

(+) Dankesrede zum Lenz-Preis: Die Gnade von Schiffen

Man kann es zu der Zeit noch nicht wissen, aber es ist eines der gefährlichsten Jahre überhaupt, um in Deutschland geboren zu werden, 1926, und auch der Ort hat es in sich, Lyck, nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, von der damaligen polnischen Grenze, in Ostpreußen, Masuren, Königsberg ist nicht weit. Sieben Jahre alt 1933 und gerade in die Schule gekommen, und zu jung, um zu begreifen oder auch nur begreifen zu können, was sie einem da in den Kopf setzten, und dann geht es allein mit der Arithmetik so weiter: dreizehn Jahre alt 1939, und was macht ein Dreizehnjähriger 1939 an der Grenze zu Polen? Achtzehn Jahre alt 1944, und mein Gott, wie ist es, 1944 zuerst noch siebzehn, dann achtzehn Jahre alt zu sein und ein Deutscher und plötzlich einberufen und Parteimitglied, und Polen war zuerst weit nach Osten verschoben, und Polen gab es dann nicht mehr, und die nächste Grenze war die Grenze mit der Sowjetunion, und es war Krieg?

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