Urs Fischer klatschte zufrieden mit seinen Ko-Trainern ab, bevor sich seine Spieler gemeinsam mit den Fans auf die nächste große Aufgabe einstellten. Durchaus gelöst gingen Coach und Profis des FSV Mainz 05 über den Rasen im Bremer Weserstadion – und wer wollte es ihnen verdenken? Mit Big Points im Abstiegskampf hatten sich die Mainzer im Tabellenkeller Luft verschafft und sich gleichzeitig Selbstvertrauen für die historische Chance im Europapokal gezogen. „Man hat gesehen, dass wir bis zum Schluss die Meter gehen. So kann man da unten bestehen“, betonte Torschütze Paul Nebel nach dem 2:0 (1:0) im Kellerduell bei Werder Bremen bei DAZN. „Das war ein super Auswärtsspiel von uns“, ergänzte Verteidiger Phillipp Mwene: „Wir haben eine breite Brust und wissen, dass wir in jedem Spiel eine Chance haben.“ Nebel (6.) mit einem seltenen Kopfballtor und Jae Sung Lee (52.) trafen für den FSV, der sich für sein zweites noch verbliebenes Saisonziel ordentlich Selbstvertrauen holte: Am Donnerstag (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Conference League und bei RTL+) können die Mainzer im Heimspiel gegen Sigma Olmütz aus Tschechien erstmals ins Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs einziehen. Werder hingegen muss nach zuletzt zwei Siegen wieder um den Verbleib in der Bundesliga bangen. Durch die Heimpleite rutschten die Grün-Weißen auf Tabellenrang 15 ab. „Das war heute einfach zu wenig“, monierte Kapitän Marco Friedl. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur einen Zähler, Mainz liegt zwei Punkte vor den Bremern. In den kommenden Wochen stehen für Werder weitere direkte Duelle im Abstiegskampf an. Trotz der jüngsten Erfolge starteten die Bremer, die kurzfristig auf Niklas Stark und Senne Lynen verzichten mussten, schläfrig in die Partie – und wurden sofort bestraft. Der 1,69 Meter große Nebel durfte seinen Flugkopfball aus sechs Metern völlig unbedrängt im Tor versenken. Im Spagat zwischen der historischen Chance in Europa und dem Liga-Abstiegskampf tat die frühe Führung den Mainzern gut. Doch Werder hielt das Spiel offen. Leonardo Bittencourt antwortete beinahe umgehend, traf per Kopf aber nur die Querlatte (8.). Das Team von Daniel Thioune blieb bemüht – doch von Torgefahr war im kühlen Weserstadion nun nichts mehr zu spüren. Bis zur Pause verteidigte Mainz die knappe Führung recht souverän. In der zweiten Hälfte wollten die Gäste das fünfte Pflichtspiel-Remis in Folge unbedingt verhindern – und konterten geschickt. Nach einer tollen Hereingabe von Sheraldo Becker stolperte Lee den Ball unorthodox ins Tor. Werder wirkte nun doch geschockt, auch wenn Justin Njinmah bei seinem Schuss nur Zentimeter fehlten (64.). In der Schlussphase verteidigte Mainz leidenschaftlich, Salim Musah sorgte bei seinem Bundesliga-Debüt für Werder noch einmal für Gefahr (86.).
