FAZ 01.06.2026
17:23 Uhr

Autobahngebühr in Italien: Wer lange im Stau steht, kann die Maut zurückfordern


Italiens Autobahnen sind teuer. Auch Ausländer sollen Maut erstattet bekommen, wenn sie wegen Baustellen viel Zeit verlieren – doch an der Abwicklung gibt es viel Kritik.

Autobahngebühr in Italien: Wer lange im Stau steht, kann die Maut zurückfordern

In Italien können Autofahrer seit Montag eine teilweise oder vollständige Rückerstattung der Maut auf gebührenpflichtigen Autobahnen beantragen, wenn sie wegen Baustellen lange im Stau stehen. Automobilklubs und Verbraucherorganisationen kritisieren das System aber als umständlich und unübersichtlich. Die Erstattung können nicht nur Fahrer mit italienischen Kennzeichen, sondern grundsätzlich alle Nutzer der mautpflichtigen Autobahnen beantragen, auch Besucher und Touristen aus dem Ausland. Die Entschädigung muss über die App Muovy Cashback, in der alle Betreiber von Italiens privaten Autobahnen zusammengeschlossen sind, oder auf der entsprechenden Website beantragt werden. Eine teilweise Rückerstattung der Maut soll bereits gewährt werden, wenn die Fahrt auf einer Strecke von knapp hundert Kilometern zehn Minuten länger dauert als üblich. Bei längeren Strecken muss die Verzögerung größer sein. Bei mehr als zwei Stunden zusätzlicher Reisezeit wird in der Regel die gesamte Maut zurückerstattet. Eine Erstattung wird aber erst dann geleistet, wenn der Betrag einen Euro übersteigt. Komplette Erstattung bei Verzögerung von einer Stunde Die größte Betreibergesellschaft Autostrade per l'Italia gibt in einer Beispielrechnung an, dass 75 Prozent der Maut zurückerstattet werden, wenn die Fahrt auf einer 90 Kilometer langen Strecke 40 Minuten länger dauert als gewöhnlich. Bei einer Verzögerung von einer Stunde auf der Strecke wird demnach die komplette Maut erstattet. Keine Erstattung gibt es, wenn es sich um sogenannte Notfallbaustellen handelt, bei Unfällen oder bei wetterbedingten Störungen. Für eine rasche Abwicklung ist die Registrierung in der App mit einer italienischen Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erforderlich. Diese Nummern werden auch an Ausländer vergeben, es ist aber ein erheblicher Aufwand erforderlich. Unterstützung bietet unter anderem die Deutsche Botschaft in Rom oder die Italienische Botschaft in Berlin an. Erstattung zu kompliziert Der ADAC kritisiert, dass Italien zu den Ländern mit den höchsten Autobahngebühren in Europa zähle und dass das System zur Erstattung der Maut kompliziert sei. Das neue System soll bis Dezember vollständig einsatzbereit sein. Die Neuregelung wurde von der Mitte-rechts-Koalition in Rom beschlossen und von Verkehrsminister Matteo Salvini als „Wendepunkt“ für die Durchsetzung der Rechte von Autofahrern gepriesen. Italiens Verbraucherschutzverband äußerte Zweifel an der Praktikabilität des Erstattungsmechanismus. Zudem argwöhnen die Verbraucherschützer, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen über höhere Gebühren an die Autofahrer weitergeben könnten. Rund 6000 Kilometer des italienischen Autobahnnetzes von insgesamt 7000 Kilometern werden von privaten Konzessionsgesellschaften betrieben. Die Berechnung der Maut erfolgt individuell, pro Fahrzeug und gemäß Fahrzeugklasse, bei Zahlstationen an Ein- und Ausfahrten sowie an Mautstellen vor Stadt- und Ringautobahnen von Metropolen, die nicht zahlungspflichtig sind. Für Autos sind in Italien durchschnittlich rund sieben Cent pro Kilometer fällig. Die Abrechnung über Mautstationen gewährleistet – anders als ein pauschales Vignettensystem – zwar eine individuelle Berechnung der Straßenbenutzungsgebühr je gefahrenen Kilometer. Zu Stoßzeiten und im Urlaubsverkehr kann es aber vor den Mautstationen zu langen Staus kommen. Für die einfache Fahrt vom Brenner bis nach Rom sind für Personenkraftwagen rund 55 Euro fällig, bis Neapel fallen weitere knapp 20 Euro an.