FAZ 01.10.2026
07:28 Uhr

Benzin und Diesel: Tankrabatt startet mit schnell fallenden Preisen


Schon rund um Mitternacht fallen die Benzinpreise stark. E10 ist am frühen Morgen teilweise für weniger als zwei Euro pro Liter zu haben.

Benzin und Diesel: Tankrabatt startet mit schnell fallenden Preisen

Der Tankrabatt hat zum Start vielerorts für stark fallende Spritpreise gesorgt. Schon um Mitternacht herum wurden Benzin und Diesel abrupt billiger. Auf dem Spritpreisportal Tankerkönig sackten die ermittelten deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23.41 Uhr und 0.41 Uhr um rund zehn bis elf Cent ab. Auch am frühen Morgen ergab sich etwa diese Preisdifferenz zum gleichen Zeitpunkt am Mittwoch. Vielerorts wurde Superbenzin der günstigeren Sorte E10 für weniger als zwei Euro angeboten, wie aus dem Portal des ADAC hervorgeht. Hier gibt es allerdings regionale Unterschiede. In München, Stuttgart oder Leipzig gab es sehr viele solcher Angebote. In Berlin waren es zahlreiche, in Hamburg dagegen nur wenige, und in Köln wurden am Morgen keine Tankstellen unter zwei Euro angezeigt. Die bundesweiten Durchschnittspreise bei Tankerkönig lagen allerdings deutlich über zwei Euro. 16,7 Cent pro Liter Steuerrabatt Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Wie stark dieser an die Verbraucher weitergegeben wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Es gibt keine direkte Verpflichtung der Tankstellen, die Preise zu senken. Zudem sind Berechnungen dazu komplex. Die Preise waren schon am Dienstag und Mittwoch gefallen. Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die derzeit sehrhohen Spritpreise auf den Weg gebracht. Der September war der mit Abstand teuerste Tankmonat bisher. Das hatte sich auch in der allgemeinen Inflation niedergeschlagen. Maßnahme wenig zielgenau Die Maßnahme sorgt unter Ökonomen für viel Kritik. „Dass viele Autofahrer die hohen Spritpreise als große Belastung empfinden, ist nachvollziehbar“, teilte etwa der Chef des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, mit. „Der Tankrabatt ist darauf jedoch nicht die richtige Antwort.“ Er bewirke eine Umverteilung zugunsten der Vielfahrer mit großen Autos. „Darunter sind viele, die sich die hohen Preise leisten können und bei denen es nicht zu rechtfertigen ist, dass zu ihren Gunsten Lasten umverteilt werden“, betonte Fuest. Wenn die Politik bestimmte Gruppen entlasten wolle, etwa Berufspendler mit langen Arbeitswegen, sollte sie das mit zielgenaueren Instrumenten tun, etwa mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale. Hinzu komme, dass der Tankrabatt nur eine begrenzte Wirkung habe. „Bei 1000 Kilometern im Monat und sechs Litern Verbrauch spart man zehn Euro pro Monat.“ Gesamtwirtschaftlich entstünden aber mit 2,5 Milliarden Euro spürbare Kosten. Dieses Geld könne besser eingesetzt werden, teilte Fuest weiter mit. Ähnlich äußerte sich Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Am meisten profitieren diejenigen, die viel und mit großen Autos fahren – in der Regel Haushalte mit höheren Einkommen“, sagte Duso. „Haushalte ohne Auto erhalten keine Entlastung und müssen die Maßnahme mitfinanzieren.“ In Zeiten der Knappheit erfüllten hohe Preise zudem eine Funktion, ergänzte Duso. Sie signalisierten Verbrauchern, sparsamer zu fahren und den Raffinerien, mehr zu produzieren. „Wenn man entlasten will, dann direkt und zielgenau, nicht über den Preis.“