Wenn einem bei der Frage nach der heimlichen Indierock-Hauptstadt Deutschlands auch Chemnitz in den Sinn kommt, dürfte dieser Gedanke einiges mit der Familie Kummer zu tun haben. Denn die stellt mit den Brüdern Felix und Till nicht nur den Sänger und den Bassisten der überaus erfolgreichen Band Kraftklub, sondern mit den Schwestern Nina und Lotta auch zwei Drittel des ebenfalls erfolgreichen Trios Blond. Als Kinder eines Musikers - Vater Jan Kummer war Sänger und Elektroniker der DDR-Avantgarde-Band AG.Geige - war das Erlernen eines Instruments quasi Pflicht, erst eine etwas unliebsame, wie Nina und Lotta im Gespräch mit der F.A.Z. gestehen: „Wenn man Gitarre lernt, tut das am Anfang weh. Und ein Erfolgserlebnis gibt es lange auch nicht, weil es erst mal nur scheiße klingt. Aber unsere Eltern haben uns ermutigt weiterzumachen, weil die gemerkt hatten, dass es uns gefällt, vor anderen zu spielen. Und wenn man mit mehreren anfängt, ein Instrument zu lernen, wird es schon spaßiger. Man nimmt sich irgendwelche Songs, die relativ einfach sind, und versucht die nachzuspielen. Das ist irgendwie spielerisch. Und dann ist der Unterschied eigentlich gar nicht mehr groß, ob man im Zimmer nun gemeinsam Lego oder Gitarre spielt.“ Einen frühen Mitstreiter fanden die Schwestern in ihrem Schulfreund Johann Bonitz, mit dem gemeinsam sie im Jahr 2011 ihre Band Blond gründeten und im selben Jahr bei Bonitz' Jugendweihe ihren ersten Auftritt hatten. Anfangs boten sie Cover-Songs von Miley Cyrus bis Gossip, fingen aber schon bald an, eigene Lieder zu schreiben. 2016 veröffentlichten sie eine erste EP, damals noch mit englischen Texten, und gingen auch erstmals auf Tournee. 2018 folgte mit „Spinaci“ dann ihrer erster Song mit einem deutschen Text. Der brachte ihnen gleich die Zuschreibung ein, eine „feministische Band“ zu sein, was das Trio bis heute eher erstaunt. „Wir wurden so schon genannt, bevor wir uns überhaupt mit Feminismus auseinandergesetzt haben. Es reichte schon , das wir zwei Frauen in der Band. Ich schreibe ja hauptsächlich die Texte und wähle da die Perspektive als Frau, doch wenn Johann die Songs singt, sind da wieder andere Perspektiven dabei“, sagt Sängerin und Gitarristin Nina Kummer, die sich aber darüber freut, wenn sich jemand durch die Musik von Blond gestärkt und selbstbewusst fühlt. Bei ihren Konzerten würden sie schon bemerken, dass der weibliche Anteil im Publikum höher ist, „aber keinesfalls so, wie es bei irgendeiner Boy-Band wäre“, lachen die Drei, die sich ihre stetig wachsende Popularität mit einem anderen Umstand erklären: „Wir haben ja den Ruf, dass wir eine sehr gute Live-Band sind“, was Blond derzeit wieder auf einer Tournee durch die deutschen Musikclubs beweisen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Songs des im vergangenen Jahr veröffentlichten Albums „Ich träum doch nur von Liebe“, ihrem insgesamt dritten Longplayer nach dem 2020 erschienenen Debüt „Martini Sprite“ und dem 2023 herausgekommenen „Perlen“. Neben mitreißenden Songs wie „so hot“ oder „Ich wär so gern gelenkiger“, soll es Tanzeinlagen, Outfit-Wechsel und Mitmach-Aktionen geben, außerdem aller Wahrscheinlichkeit wieder einen Flöten-Part, „denn wir haben Flöten dabei“, was in Summe genügend Gründe sein sollten, um zu überprüfen, ob Chemnitz tatsächlich heimliche Hauptstadt-Qualitäten hat. Blond spielen am 9. Mai im Schlachthof Wiesbaden, am 10. Mai im Central in Erfurt, am 24. Juli auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden und am 13. August beim Kulturbrauerei Open-Air in Berlin.
