FAZ 28.05.2026
13:29 Uhr

Bürgermeister-Kandidaten in Kronberg: Auf die Person kommt es an


Seit dem Zweiten Weltkrieg war in Kronberg im Taunus erst ein Mal ein Bürgermeister der CDU im Amt. Das soll jetzt eine Kandidatin ändern. Die CDU-Politikerin tritt gegen den Amtsinhaber von der SPD an.

Bürgermeister-Kandidaten in Kronberg: Auf die Person kommt es an

Seit 36 Jahren ist in Kronberg kein CDU-Bürgermeister mehr im Amt gewesen. Katharina Merklein will das ändern, was wiederum Christoph König verhindern will. Die 59 Jahre alte gebürtige Königsteinerin, die lange in Niedersachsen gelebt hat, kandidiert für die CDU bei der Direktwahl am 6. September gegen den 60 Jahre alten Amtsinhaber. Der Sozialdemokrat König ist seit Januar 2021 Bürgermeister der Kommune mit 19.000 Einwohnern. Königs Vorgänger war der parteilose Klaus Temmen und dessen Vorgänger der SPD-Politiker Wilhelm Kreß. Weil Kreß schon 1990 ins Amt kam, erinnern sich nur noch alteingesessene Kronberger an die Zeiten von Rudolf Möller. So hieß der bislang einzige CDU-Amtsinhaber nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn es nach König geht, wird das auch nach der Wahl so bleiben. In neun der 13 Kommunen des Hochtaunuskreises stellt dagegen die CDU den Bürgermeister – oder, in Königstein und Schmitten, die Bürgermeisterin. In sozialdemokratischer Hand ist das Amt außer in Kronberg nur noch in Oberursel. Dort hat es Königs Parteigenossin Antje Runge inne. Aber der Bürgermeister sagt, das Parteibuch spiele in der vielfältigen Zusammenarbeit der Kollegen im Taunus gar keine so große Rolle. In seiner Heimatstadt tritt er als unabhängiger Kandidat an. Er habe nicht viel darüber nachgedacht, ob er eine zweite Amtszeit anstreben solle, sagt der Bürgermeister. Denn er wolle noch drei große Projekte vollenden. Nummer eins: den Neubau für die Feuerwehr. Nach langer Suche hat die Stadt ein Grundstück gefunden. Am Silvestertag hat sie das Gelände von einem Unternehmen gekauft. Auf das Feuerwehrhaus freut König sich offenkundig doppelt: als Feuerwehrmann und Bürgermeister. „Das ist spannend, das ist schön, da kommt was heraus, was man anfassen kann.“ Die anderen beiden Großprojekte seien, endlich Wohnungen am Bahnhof und am Sportplatz Oberhöchstadt zu bauen und neue Gewerbeflächen zu entwickeln, etwa am Auernberg und am Kronberger Hang. Katharina Merklein nennt zwei Themen, die sie anpacken will, falls sie gewinnt. Zum einen will sie Kronberg sauberer, gepflegter und sicherer machen. Im Kommunalwahlkampf hätten sich Einwohner etwa über Schlaglöcher beschwert, und Frauen hätten nachts Angst, wenn die neuen Lampen im Victoriapark wieder einmal ausfielen. Für die Läden der Innenstadt wünschten sich viele mehr Vielfalt, auch im Tourismus lasse sich mehr machen. „Wir sind ein Juwel, das ein bisschen poliert werden muss.“ Der zweite Plan ähnelt Königs Bestreben, mehr Flächen für Unternehmen zu schaffen: Merklein sagt, Kronberg sei finanziell zwar noch gut aufgestellt, aber die Gewerbesteuereinnahmen gingen zurück. Unternehmen zu halten ist für sie „eine Kommunikationsaufgabe der Bürgermeisterin“. Mit Kommunikation kenne sie sich aus. Merklein arbeitet bei einer Agentur für Vertrieb und Marketing, ist für Kundenbeziehungsmanagement für Lastwagen und Transporter zuständig. In Kronberg arbeitet sie im Homeoffice, denn das Unternehmen sitzt zwischen Bremen und Hamburg. Dort hat Merklein 28 Jahre gewohnt, seit 2023 leben sie und ihr Mann in Kronberg. Politisch aktiv war Merklein dort bisher außer im Kommunalwahlkampf kaum. Über die Nachrückerliste kommt sie nun in die Stadtverordnetenversammlung. Im niedersächsischen Zeven war sie im Samtgemeinderat, hat sich auch auf Bundesebene in der Frauen-Union engagiert. Als die CDU Kronberg einen Kandidaten gesucht habe, habe sie gesagt: „Ich bin bereit, meine Erfahrung ist geeignet.“ Der Vorstand nominierte sie im April, eine Mitgliederversammlung dann im Mai. König hatte schon Anfang Januar angekündigt, wieder anzutreten. Begegnet sind die beiden einander, wie er sagt, übrigens erst einmal auf einem Weihnachtsmarkt. Beide Bewerber setzen darauf, dass eine Direktwahl eine Personenwahl ist. Merklein plant viel Haustür-Wahlkampf. Sie setzt auf das „Gefühl: Mensch,  die mag ich!“ Zwar ist sie in Königstein aufgewachsen und hat eine Optiker-Lehre in Hofheim gemacht. Ihr Mann, den sie mit 16 Jahren beim Tanz in den Mai kennengelernt hat, stammt aus Kelkheim-Fischbach. Aber in Kronberg muss sie sich trotz der Kinobesuche in der Jugend noch bekannt machen. Das muss König nicht. Seit der Geburt in Frankfurt lebte der Sohn einstiger Flüchtlinge aus Pommern und Berlin in Oberhöchstadt, das seit 1972 ein Stadtteil von Kronberg ist. Seit 2019 wohnen er und seine Frau in Kronberg-Süd. Vor der ersten Amtszeit war er Amtsrichter in Königstein und könnte in den Beruf auch wieder zurückkehren. Den Wahlkampf hat er, wie er sagt, vom Wahltag rückwärts genau geplant. Mit Blick auf das Ergebnis sagt er: „Ich mache das hier so gut, wie ich glaube, dass ich es gut machen kann.“ Er setzt darauf, dass der Wähler, „mein Arbeitgeber“, seine Arbeit ebenfalls gut findet und ihn wiederwählt. Beide Kandidaten haben zwei erwachsene Kinder, beide singen gerne. Beim Sport greift Merklein lieber zum Golfschläger, während sich König auf das Fahrrad setzt. Bisher hat niemand sonst eine Kandidatur erklärt. Wer neuer Rathauschef wird, entscheidet sich also voraussichtlich ohne Stichwahl gleich am 6. September, vier Wochen nach den Sommerferien.