FAZ 17.08.2026
07:13 Uhr

Ceuta Und die Migranten: Rabat kennt die Druckmittel – genau wie Putin


In Ceuta blieb es am Wochenende ruhig. Aber Migranten bleiben eine politische Waffe – und damit ein wunder Punkt der EU.

Ceuta Und die Migranten: Rabat kennt die Druckmittel – genau wie Putin

Dass es am Wochenende nicht noch einmal zu einem Massenansturm auf Ceuta kam, ist eine gute Nachricht. Spanien und Marokko waren mit vielen Sicherheitskräften vor Ort und verhinderten, dass Migranten ihr Leben bei dem Versuch aufs Spiel setzten, die spanische Exklave zu erreichen. Dutzende Menschen waren nach offiziellen Angaben Ende Juli genau dabei ertrunken. Die Bewohner Ceutas können nach dem Wochenende aufatmen – zumal die Folgen des jüngsten Ansturms dort weiterhin spürbar sind. Immer noch halten sich in der spanischen Exklave viele unbegleitete Minderjährige auf, deren Zukunft ungewiss ist. Im Netz kursieren weiter Falschmeldungen über Ceuta Es ist aber auch eine gute Nachricht für die spanische Regierung unter Pedro Sánchez, die wegen der Ereignisse Ende Juli nicht nur in der EU unter Druck geraten war, sondern auch innenpolitisch. Die Botschaft des Wochenendes soll nun sein: Wir haben alles unter Kontrolle. Dass die europäischen Staaten sich in der Migrationspolitik handlungsfähig zeigen, ist wichtig, gerade in Zeiten zunehmender Falschmeldungen. Seit Ceuta werden im Netz Ängste davor geschürt, dass sich derartige Vorgänge jederzeit wiederholen könnten und dass die europäischen Staaten ihre Grenzen nicht mehr unter Kontrolle hätten. Und es gibt auch längst bestehende Ängste. Ängste, die in den Landtagswahlen im September eine Rolle spielen dürften, gerade vor dem Hintergrund der Lage an der deutschen Grenze im Jahr 2015. Ceuta zeigt aber auch, dass die Europäer bei ihren Anstrengungen in der Migrationspolitik weiter abhängig sind von anderen Staaten. Migranten sind und bleiben ein politisches Druckmittel. Das weiß die Regierung in Rabat ebenso gut, wie Erdoğan, Putin oder sein Helfershelfer Lukaschenko es wissen.