FAZ 05.10.2026
16:35 Uhr

DFB-Team: Für Klopp ist jetzt Schluss mit lustig


Das Casting des Fußball-Bundestrainers mit 43 Profis ist vorbei. Vor der nächsten Partie im November wird erkennbar sein, ob die besonderen Spieler zu seinem Spielplan passen.

DFB-Team: Für Klopp ist jetzt Schluss mit lustig

Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Paraguay ausgeschieden ist, hat sie nicht nur schlecht gespielt. Sie hat ihrem Publikum das Gefühl gegeben, dass da ein Trainer ist, der nicht weiß, wer spielen soll, und ein Team, das nicht weiß, wie es spielen soll. Und weil Trainer und Team das nicht gewusst zu haben schienen, hat die Nationalmannschaft nicht nur schlecht gespielt, sondern auch nichts ausgestrahlt. Sie hatte keinen Vibe. Die WM deckte auf, dass dem deutschen Fußball auf wichtige Fragen gute Antworten gefehlt haben. Am Tag nach dem Spiel gegen Paraguay sagte Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, deswegen, dass sein Verband „nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“ könne und stattdessen „darüber sprechen“ müsse, was die Gründe gewesen seien. Mit der schnellen Verpflichtung von Jürgen Klopp ist dann aber eine neue Tagesordnung eingekehrt, weil in der öffentlichen Diskussion die Antwort auf jede Frage auf einmal Jürgen Klopp lautete. Witzchen auf Kosten des Kapitäns Der Fußballversteher Klopp verstand sofort, dass es für eine Verbandsmannschaft wichtiger als für eine Vereinsmannschaft ist, einen Vibe zu haben, weil sie zwar ein größeres Publikum hat, aber für die Gunst dieses Publikums auch mehr zeigen muss. Er zeigt das dann schon mal auf seine Art, mit seiner Gestik und Mimik, mit seinen Witzen und Witzchen, manche sogar auf Kosten seines Kapitäns. Man muss diesen Klopp-Vibe nicht fühlen, weil man in ihm die Inszenierung der Authentizität sehen kann. Aber es gibt genug, die das trotzdem tun. Und der Fußballtrainer Klopp? Er sagte, als er seinen Kader für die ersten vier Spiele vorgestellt hatte: „Es ist nicht wichtig, wer spielt, sondern wie man spielt.“ Im dritten und vor allem im vierten Spiel ist sichtbar geworden, wie das Wie aussehen kann. Wenn seine Mannschaft weiter auf dem Gegenpressing aufbaut, das sie am Sonntag in Griechenland spielte, kann etwas entstehen. Doch der Vereinstrainer Klopp hat in Liverpool etwas gelernt, das der Verbandstrainer Klopp nicht vergessen sollte. Es ist schon wichtig, wer spielt, weil manch besonderer Moment sonst nicht entstehen kann. Und so wird eine der entscheidenden Fragen sein, ob seine besonderen Spieler so spielen können, wie er das will. Wenn sich die Nationalmannschaft im November das nächste Mal trifft, wird Klopp seinen Kader von 44 auf etwa 24 Spieler verkleinern. Und wenn er das nächste Mal spricht, wird er deswegen nicht nur Witze und Witzchen machen können, sondern Entscheidungen verkünden müssen. Sind beispielsweise die Ü-30-Spieler Jonathan Tah und Serge Gnabry noch besser als ihre Herausforderer? Selbst wenn sie noch besser sein sollten: Passen sie auch besser zu dem Fußball, den er spielen will? Und was ist mit dem Kapitän, was ist mit Joshua Kimmich? Das sind Fragen, auf die der Bundestrainer Antworten finden muss. Erst danach wird sich zeigen, ob er nicht nur den Vibe, sondern auch den Fußball shiften kann.