FAZ 26.09.2026
14:08 Uhr

Deutsche Weinkönigin: Frankfurterin Lena Roie verpasst die Krone


Lena Roie muss sich bei der Wahl der Deutschen Weinmajestät geschlagen geben. Die geplante Anschubhilfe durchs Volksfest ging ins Leere. Die neue Weinkönigin kommt aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut.

Deutsche Weinkönigin: Frankfurterin Lena Roie verpasst die Krone

Auf der Dippemess war alles vorbereitet: Ein Wahlaufruf für Lena Roie leuchtete vom Riesenrad auf dem Frankfurter Festplatz herab: „Jetzt für Lena abstimmen“, forderte der Schaustellerverband Frankfurt Rhein-Main die am Abend weit über 10.000 Besucher des größten Frankfurter Volksfests auf. Ähnliche Botschaften wurden auf allen Volksfesten und Deutschland und sogar in einigen europäischen Nachbarländern ausgesandt. Die Schaustellerfamilie wie auch die Zirkuswelt zeigten bemerkenswerte Unterstützung für eine der ihren. Allein: Für Lena Roie konnte man zu diesem Zeitpunkt am Freitagabend gegen halb zehn gar nicht mehr abstimmen bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin, die in jenen Minuten im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße und auf fünf Regionalsendern der ARD über die Bühne ging. Die Rheingauer Weinkönigin des Jahres 2025 stand da schon nicht mehr zur Wahl. Die Jury hatte die 32 Jahre alte Roie nach dem Halbfinale wie auch die Pfälzer Kandidatin aussortiert, das Finale der besten drei und die Publikumsabstimmung, auf die der QR-Code am Riesenrad hinwies, blieb anderen Bewerberinnen vorbehalten. Am Ende siegte Paula Löber aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut, sie darf nun ein Jahr lang als Deutsche Weinmajestät für Rebensaft aus den 13 deutschen Weinanbaugebieten werben. „Natürlich hätte ich gerne eine Krone mit nach Hause genommen, aber es war eine große Ehre in diesem Feld mit so tollen Konkurrentinnen überhaupt dabei sein zu dürfen“, sagte Roie. In der Vorwoche hatte sie die Vorausscheidung überstanden und zog ins Finale der besten fünf ein. „Die anderen waren eben noch ein bisschen besser, das passt schon.“ Damit ist der Traum von der Krone zu Ende, den Roie als erste Frankfurterin träumen durfte. Die Schaustellerin, die selbst einen Weinstand mit dem Namen „Wine in the City“ auf zahlreichen Volksfesten betreibt und deshalb auf die Unterstützung der Volksfestfamilie bauen konnte, hatte über die Wahl zur Frankfurter Weinkönigin den Weg zur Rheingauer Krone gefunden. Grundlage für diese Regentschaft ist der 1,3 Hektar kleine Weinberg am Frankfurter Lohrberg als kleinster Teil des Rheingaus. Während ihrer Zeit als Königin setzte sie ungewöhnliche Akzente, weil sie weniger klassisch aus dem ländlich geprägten Teil des Rheingaus und einem kleinen Weingut kommt, sondern eben als Frankfurterin und Schaustellerin für den Weinkonsum in der Großstadt steht. Sie verstand es als ihre Mission, den Rheingau und Frankfurt näher zueinander zu bringen, wie sie in einem F.A.Z.-Interview kürzlich sagte. Zudem hat sie ihre besonderen Erfahrungen mit einem Weinstand auf Volksfesten eingebracht. Während die meisten anderen Kandidatinnen als Angestellte größerer Unternehmen kandidierten, war Roie die einzige Bewerberin in eigener wirtschaftlicher Verantwortung. Ein solches Gesamtpaket ist selten bei einer Majestätenwahl. Blindverkostung gelungen Bei der gemeinsam vom Südwestrundfunk und dem Weinbauverband organisierten Veranstaltung in Neustadt an der Weinstraße präsentierte sich Roie souverän, bei der Blindverkostung gelang ihr gar ein Galaauftritt, obwohl sie in den Tagen vor dem Wettbewerb mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, die auch ihren Geruchs- und Geschmackssinn trübte. Trotzdem erkannte sie den Silvaner aus Franken souverän. Sie erklärte zudem auf Nachfrage des Moderators Holger Wienpahl das Herausschmecken eines Heuaromas fachkundig unter anderem mit der „retronasalen Funktion des Geruchssinns“. Der lautstarke Rheingau-Fanclub bejubelte diesen Auftritt wie auch die späteren Showteile, bei denen Roie im Quintett mit ihren Konkurrentinnen Aufgaben wie ein Weinflaschenöffnen bewältigen oder aber für eine andere Anbauregion als die eigene eine kurze Werberede halten musste. Die Jury aus rund 70 Weinexperten, Politikern, Journalisten oder früheren Majestäten wählte dennoch die Konkurrenz aus Rheinhessen, Saale-Unstrut und Württemberg in das Finale. Nur die Kandidatinnen aus diesen Regionen kamen in die Abstimmung unter den Fernsehzuschauern, die sich letztlich für Paula I. entschieden. Die 29 Jahre alte Frau aus Sachsen-Anhalt folgt auf Anna Zenz von der Mosel und wird in den kommenden Monaten von der Rheinhessin Kathrin Knierim und der Württembergerin Nathalie Schäfer als Weinprinzessinnen in ihrer Arbeit unterstützt. Gemeinsam sollen sie rund 14.000 Weinbaubetriebe in Deutschland repräsentieren. Die Wahl gibt es seit 1949. Der Rheingau wartet seit der Krönung der später als Moderatorin und Autorin tätigen Ulrike Neradt im Jahr 1972 vergeblich auf einen nächsten Wahlerfolg. Für Roie endet damit die Zeit als Königin. Wie üblich wurden bereits vor der nationalen Wahl die Kronen in den 13 deutschen Weinanbaugebieten neu vergeben. Dem Amt bleibt sie mit ihrem Weinstand treu, der beispielsweise beim Frankfurter Weihnachtsmarkt Rheingauer Wein anbieten wird. Am Samstag ging das Leben erst mal im großen Tempo weiter. Roie saß auf der Dippemess im Kassenhäuschen und steuerte das Hochgeschwindigkeitsfahrgeschäft Disco Express, das ihr Zwillingsbruder betreibt. „Das ist ganz getreu meinem Motto, mit dem ich auch um die Königinnenkrone geworben habe: Das Karussell dreht sich weiter“, sagte Roie. Dementsprechend lässt sie auch auf sich zukommen, inwiefern sie sich mit den gesammelten Erfahrungen als Rheingauer Königin künftig womöglich weiter in der Weinvermarktung engagieren will.