FAZ 14.03.2026
02:44 Uhr

Deutschland-Liveblog: Kaum Härtefall-Visa nach Aussetzung des Familiennachzugs


Im Sommer wurde der Familiennachzug zu Menschen mit eingeschränktem Schutzstatus gestoppt +++ Umfrage: CDU und SPD in Rheinland-Pfalz fast gleichauf +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

Deutschland-Liveblog: Kaum Härtefall-Visa nach Aussetzung des Familiennachzugs

Özdemir sieht große Erwartungen an künftige KoalitionäreNach seinem Sieg bei der Landtagswahl sieht Grünen-Politiker Cem Özdemir angesichts der wirtschaftlichen Lage in Baden-Württemberg klare Erwartungen der Wähler an die Parteien, die nun eine Koalition bilden müssen. „Die Einschläge kommen näher mit Porsche, mit Bosch. Da sind sich alle bewusst: Da sind große Erwartungen an uns gerichtet“, sagte Özdemir der Deutschen Presse-Agentur nach einer Sitzung des Landesvorstands seiner Partei in Stuttgart. Man müsse nun miteinander reden und das Land verlässlich regieren.Auf die Frage, wann er sich das erste Mal mit seinem CDU-Kontrahenten Manuel Hagel treffen wolle und ob er bereits ein Gesprächsangebot unterbreitet habe, sagte Özdemir nur: „Das machen wir nicht öffentlich, das machen wir alles intern.» 

Neues Altersvorsorgedepot: Klingbeil will Kosten begrenzenBundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zeigt sich kurz vor einer Anhörung im Bundestag zur Reform der privaten Altersvorsorge offen für eine Debatte über die Deckelung der Kosten für Sparer. „Wir wollen die Kosten klar begrenzen: Für das Standardprodukt gibt es einen Kostendeckel – wo der exakt ansetzt, da bin ich in den anstehenden Beratungen im Parlament offen für eine gute Lösung“, sagte Klingbeil der „Welt am Sonntag“. Die geplante Reform der Bundesregierung sieht vor allem ein Altersvorsorgedepot vor, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht und damit rentabler sein soll als die bisherige Riester-Rente. Geplant ist ein Standardprodukt, mit dem zwei Fonds bespart werden können. Dafür sollen Sparer Zuschüsse aus Steuergeldern erhalten. Die Kostenobergrenze für Verbraucher soll bei jährlich 1,5 Prozent der Sparsumme liegen. Kritiker halten den Kostendeckel für viel zu hoch angesetzt. Die Anhörung im Bundestag ist für Montag, den 16. März, geplant.

Grünen-Fraktion empört über Fracking-IdeeDie Grünen-Fraktion übt harsche Kritik am Vorstoß eines Beratergremiums von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), Gasförderung per Fracking ernsthaft zu erwägen. Der Vorschlag sei „extrem unverantwortlich für Mensch, Umwelt und Klima“, sagte Fraktionsvize Julia Verlinden der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Solche Vorschläge führen uns immer tiefer in den Sumpf aus Lobbyinteressen, Klimaschäden und teurer fossiler Energie.\"

Schwesig: Schneller eine Entscheidung zu Social-Media-VerbotMecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig pocht in der Debatte über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche auf eine schnelle Entscheidung der Bundesregierung - möglichst noch vor dem Sommer. „Ich verstehe nicht, warum man die Kommission bis zum Sommer beraten lassen und erst dann aktiv werden will“, sagte die SPD-Politikerin der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Ich würde mir wünschen, dass wir schneller zu Entscheidungen kommen.“Die Debatte über Verbote und Beschränkungen läuft auch in Deutschland immer stärker, seit Australien im Dezember als erstes Land ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission mit 18 Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis soll bis zum Sommer Empfehlungen für besseren Kinder- und Jugendschutz im Netz vorlegen. Teile der Ergebnisse will das Gremium nun früher veröffentlichen.

Entscheidung über Bildung einer neuen Brandenburger Regierung am SamstagSPD und CDU entscheiden über die gemeinsame Koalition in Brandenburg: Bei der SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke stimmt am Samstag ein Landesparteitag (11.00 Uhr) in Potsdam über den Koalitionsvertrag ab. Der CDU-Landesvorstand berät parallel in der Landeshauptstadt und verkündet das Ergebnis einer Mitgliederbefragung. Beide Parteien hoffen auf Zustimmung. Die CDU will zugleich bekanntgeben, wer die Minister für Bildung und für Wirtschaft werden. Als Innenminister und Vize-Ministerpräsident gilt CDU-Landeschef Jan Redmann als gesetzt. 

CDU knapp vor SPD bei Umfrage in Rheinland-PfalzGut eine Woche vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz bleibt das Rennen einer weiteren Umfrage zufolge zwischen der regierenden SPD und der oppositionellen CDU eng. Auch in einem ZDF-„Politbarometer Extra“ liegt die CDU von Spitzenkandidat Gordon Schnieder mit 28 Prozent knapp vor der SPD von Ministerpräsident Alexander Schweitzer mit 26 Prozent. Eine am gestrigen Abend veröffentlichte ARD-Vorwahlumfrage hatte einen knappen Vorsprung der CDU gegenüber der SPD von 29 zu 28 Prozent ergeben. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die SPD mit 35,7 Prozent noch weit vor der CDU mit 27,7 Prozent gelegen. Drittstärkste Kraft ist laut „Politbarometer“ die AfD mit 19 Prozent. Die Partei würde damit ihren Stimmenanteil von 2021 (8,3 Prozent) mehr als verdoppeln. Die Grünen kommen in der ZDF-Befragung auf 9 Prozent (2021: 9,3). 

CDU und SPD legen zu – und bleiben in Rheinland-Pfalz gleichauf Zehn Tage vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz liegen CDU und SPD weiterhin gleichauf. Das geht aus einer am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage von Infratest Dimap hervor. Beide Parteien legen jeweils einen Prozentpunkt zu; die CDU kommt auf 29 Prozent, die SPD auf 28 Prozent. Auf den dritten Platz kommt danach die AfD mit unveränderten 19 Prozent. Die Grünen verlieren im Vergleich zum Februar einen Punkt und kommen auf acht Prozent. Die Linke käme laut der Erhebung mit fünf Prozent knapp in den Landtag, die Freien Wähler würden den Einzug mit 4,5 Prozent knapp verpassen. Die FDP wird weiterhin nicht eigens ausgewiesen, erreicht also einen Wert von unter drei Prozentpunkten. Die persönlichen Zustimmungswerte der beiden Kandidaten steigen an: 38 Prozent der Rheinland-Pfälzer würden laut der Erhebung im Auftrag des SWR im Falle einer Direktwahl für Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) stimmen, 21 Prozent für CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder. 

Merz: Investitionen in BKA seien Reaktion auf „viel zu lange ungesteuerte Migration“Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beklagt eine wachsende Unsicherheit vieler Menschen, die „oftmals nicht nur ein Gefühl“ sei. Merz nannte den Höchststand politischer Kriminalität und die Zahl der jugendlichen und nichtdeutschen Tatverdächtigen „besorgniserregend“. Der Kanzler sprach anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Bundeskriminalamtes (BKA) am Mittwochnachmittag in Wiesbaden. „Nie waren Anforderungen an das BKA und an alle unsere Sicherheitsbehörden so hoch wie heute“, sagte Merz. Seine Bundesregierung habe die Sicherheit zum Hauptanliegen gemacht. Merz lobte den ebenfalls anwesenden Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mehrmals für seine Arbeit und hob den Stellenaufwuchs der vergangenen Jahre beim BKA hervor, 1,8 Milliarden Euro flössen heute in die Behörde. Dieser immense fiskalische Kraftakt sei auch eine Reaktion darauf, dass man „viel zu lange ungesteuerte Migration zugelassen“ habe. 

Ermittler sollen mehr Befugnisse in der Datenanalyse bekommenDas Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei sollen zusätzliche Ermittlungsbefugnisse im digitalen Raum erhalten. Das sehen drei Gesetzentwürfe vor, auf die sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) verständigt haben. Kern der geplanten Reformen ist die Möglichkeit zur automatisierten Datenanalyse und zum Abgleich biometrischer Daten, etwa Fotos, mit öffentlich zugänglichen Daten aus dem Internet. Das soll helfen, Menschen zu identifizieren. Der Abgleich soll es laut Entwurf auch erleichtern, gesuchte Personen zu lokalisieren sowie Zusammenhänge zwischen Tat und Täter zu erkennen. „Insbesondere für komplexe Ermittlungen in den Bereichen Terrorismus, schwerer und organisierter Kriminalität ist die automatisierte Datenanalyse als Ermittlungsinstrument notwendig“, heißt es im „Entwurf des Gesetzes zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse in der Polizeiarbeit“. „Mit automatisierter Datenanalyse können BKA und Bundespolizei große Datenmengen durchforsten, Muster erkennen und versteckte Verbindungen sichtbar machen: Ein wichtiger Hebel im Kampf gegen Terrorismus und schwere Kriminalität“, begründete Dobrindt das Vorhaben. Der biometrische Internetabgleich helfe, Täter im Netz aufzuspüren und Gesichter Namen zuzuordnen.Künstliche Intelligenz und andere digitale Werkzeuge könnten bei der Verfolgung von Straftaten wichtige Dienste leisten, sagte Hubig. Gleichzeitig gelte: „Nicht alles, was technisch möglich ist, ist in einem Rechtsstaat zulässig.“ Klar sei auch, dass Entscheidungen im Strafverfahren immer nur von Menschen getroffen werden dürften, nicht von KI-Agenten. Auch für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist die Erlaubnis vorgesehen, Fotos mit Bildern, die im Internet öffentlich verfügbar sind, abzugleichen. Das soll allerdings nur für biometrische Daten von Ausländern gelten, die keinen gültigen Pass vorweisen können. 

Ermittlungen gegen AfD-Kommunalpolitikerin wegen VolksverhetzungWegen eines antisemitischen Beitrags ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine Brandenburger AfD-Kommunalpolitikerin. „Wir ermitteln gegen Lindemann wegen Volksverhetzung“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus. Darüber hinaus könne er nichts sagen.Die Politikerin Peggy Lindemann hatte den Beitrag in den sozialen Medien geteilt – und sich nach Kritik dafür entschuldigt. In dem Kurzvideo wird NS-Diktator Adolf Hitler indirekt verteidigt, auch eine judenfeindliche Karikatur aus der Nazi-Wochenzeitung „Der Stürmer“ ist zu sehen. Sie löschte den Beitrag und sprach von einem Fehler. Lindemann ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung (SVV) Schwedt/Oder und im Kreistag Uckermark. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Andreas Büttner, forderte Konsequenzen und stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige. Büttner forderte ihren Rücktritt von ihren bekleideten politischen Ämtern.

Steinmeier kritisiert „selbst verordnete Untergangsstimmung\"Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Reformen angemahnt und sich gegen die pessimistische Stimmung in Deutschland gewandt. „Die Realität ist, dass wir uns schon viel zu lange in einer Stagnationsphase bewegen“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“. Nötig sei eine „ernsthafte, aufrichtige Reformarbeit – in den Bereichen, die auf der Hand liegen, insbesondere eine Reform des Wirtschafts- und Steuerrechts, des Sozialstaates und der Abbau von bürokratischen Hindernissen“. Auf den Einwand, die Parteien der Mitte wirkten so, als könnten sie Blockaden nur ganz schwer, wenn überhaupt, lösen, sagte Steinmeier: „Sie müssen es tun. Dafür sind sie gewählt.“ In Deutschland gebe es genügend Erfahrung damit, kritische Situationen zu überstehen.„Mich besorgt unser Kleinmut und die selbst verordnete Untergangsstimmung“, sagte Steinmeier weiter. „Deshalb sage ich ganz bewusst: Ich bin stolz auf unser Land! Es ist nicht selbstverständlich, dass wir inmitten dieses Weltgewitters von Krieg, Unrecht und Schurkenstücken unseren Anstand, unsere innere Stärke und unseren moralischen Kompass behalten haben.“

Sorge vor Fluchtbewegung aus Iran Angesichts des Irankriegs wächst in der deutschen Politik die Sorge vor einer möglichen größeren Fluchtbewegung. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, sagte dem „Handelsblatt“, er hoffe, dass die Prognosen des EU-Migrationskommissars Magnus Brunner „verlässlich und belastbar“ seien. Dieser erwarte derzeit keine massenhafte Fluchtbewegung. Europa müsse aber auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet sein. „Entscheidend ist nicht Alarmismus, sondern Vorbereitung und europäische Handlungsfähigkeit.“Auch der CSU-Innenpolitiker Siegfried Walch drang auf einen strikten Schutz der deutschen Grenzen und lückenlose Kontrollen. „Die Sicherheit in Deutschland muss zu jeder Zeit oberste Priorität haben“, sagte Walch der Zeitung. Er forderte eine Abwicklung von Asylverfahren direkt an den EU-Außengrenzen, um zu verhindern, dass Unterstützer der iranischen Führung unter dem Deckmantel des Asylrechts einreisen.Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte, die aktuelle Situation sei nicht mit 2015 vergleichbar, weil die Vorbereitungen heute besser seien. Damals kam fast eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. „Aber es ist dennoch wichtig, Vorbereitungen zu treffen, um unübersichtliche Situationen, wo es geht, zu vermeiden“, so Mihalic gegenüber der Zeitung.Die Grünen-Politikerin forderte die Bundesregierung auf, enge Absprachen mit den angrenzenden Staaten und der Türkei zu treffen. Auch die USA und Israel sollten einbezogen werden, „wenn es darum geht, den humanitären Problemen zu begegnen“.

Laut Medienbericht Schutzquote für Iraner leicht gestiegenEtwa jeder vierte Asylbewerber aus Iran durfte zuletzt in Deutschland bleiben. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Ein Sprecher sagte demnach, im Januar und Februar 2026 habe das Bundesamt über 891 Asylverfahren iranischer Staatsangehöriger entschieden. „Die Gesamtschutzquote betrug 27,6 Prozent.“Im Jahr 2025 lag die Gesamtschutzquote niedriger, bei 22,8 Prozent – entschieden worden war über 11.626 Anträge. Der Bamf-Sprecher betonte laut RND, aktuell sei noch nicht feststellbar, wie sich die Entwicklung in Iran und der Region auf die Entscheidungspraxis auswirken werde.Die Gesamtschutzquote ergibt sich aus der Zahl der Asylanerkennungen, Gewährung von Flüchtlingsschutz und der Feststellung eines Abschiebeverbots im Verhältnis zur Gesamtzahl der Asylentscheidungen.  

Politiker von CDU und SPD wollen raschen Start der Spritpreis-BremsePolitiker von CDU und SPD fordern Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, das geplante Modell zur Begrenzung des Benzinpreisanstiegs bereits in der nächsten Woche einzuführen. Reiche hatte angekündigt, dass Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag die Spritpreise anheben dürfen. Sie will das Modell so rasch wie möglich einführen. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Armand Zorn, sagte „Bild“: «Jetzt muss diese Einmal-täglich-Regel schnell umgesetzt werden. Wenn möglich, schon in der kommenden Woche. Wir als SPD-Fraktion stehen jedenfalls bereit.“ In Richtung der Unionsfraktion sagte Zorn: „Falls das Wirtschaftsministerium das nicht per Verordnung regeln kann, würden unsere Abgeordneten einer gesetzlichen Änderung sofort zustimmen.“