FAZ 28.07.2026
13:35 Uhr

Deutschland-Liveblog: Polizei findet IS-Bekennervideo auf Abdul Ballouts Handy


Mutmaßlicher Attentäter legt Treueschwur ab +++ 31 Afghanen abgeschoben +++ Wegner für härteres Vorgehen gegen Gefährder +++ Gericht verteidigt sich gegen Vorwürfe im Fall Ballout +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Deutschland-Liveblog: Polizei findet IS-Bekennervideo auf Abdul Ballouts Handy

CSD in Hamburg: Polizei erhöht Zahl der EinsatzkräfteDie Hamburger Polizei erhöht für den Christopher Street Day (CSD) am Samstag in der Hansestadt die Zahl der Einsatzkräfte. Die Polizei werde vor, während und nach der Demonstration für die Teilnehmenden „sehr präsent und ansprechbar sein“, teilten die Hamburger Innenbehörde und die Polizei auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) gemeinsam mit. Zugleich informierten sie, für die Veranstaltungen rund um den Hamburger CSD bestünden derzeit „keine konkreten Gefährdungshinweise“.Die Sicherheitsmaßnahmen für den CSD befänden sich „bereits auf einem sehr hohen Niveau“, die Polizei greife auf ihr „bewährtes Einsatzkonzept“ zurück, informierte Daniel Schaefer, Pressesprecher der Innenbehörde, in der gemeinsamen Antwort von Behörde und Polizei. „Gerade der Streckenschutz und technische Sperren zum Überfahrschutz sind dabei wichtige Elemente“, sagte er. Gemeinsam „mit den ausgesprochen erfahrenen Veranstaltern“ und dem zuständigen Bezirksamt Hamburg-Mitte gehe es darum, „ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten“. Zu dem CSD würden rund 250.000 Teilnehmende erwartet.

Laut einem Bericht der „Zeit“ reicht das familiäre Umfeld des mutmaßlichen Berliner Attentäters Abdul Ballout bis ins dschihadistische Milieu. Eine Tante soll demnach mit einem prominenten Islamisten verheiratet gewesen sein, zwei Cousins sollen später für den IS gekämpft haben.

Dobrindt verteidigt Abschiebung von nicht straffällig gewordenem Afghanen Nachdem in der Nacht erstmals wieder ein Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet ist, bei dem auch ein nicht straffällig gewordener Afghane zurückgeführt wurde, kritisieren die Grünen den Bundesinnenminister. „Es ist unverantwortlich, dass Alexander Dobrindt inzwischen selbst Menschen nach Afghanistan abschiebt, die sich hier überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen haben“, erklärte der innenpolitische Fraktionssprecher Marcel Emmerich. „In Afghanistan herrscht eine radikal-islamistische Terrororganisation. Sie entrechtet Frauen und Mädchen, unterdrückt die Bevölkerung und verfolgt politische Gegner bis in den Tod.\"Dass Dobrindt einen „Deal“ für Abschiebungen geschlossen habe, stärke die Taliban, „macht uns erpressbar und schwächt Deutschlands eigene Sicherheit“, erklärte Emmerich. „Die Bundesregierung geht mit dieser Afghanistanpolitik einen gefährlichen Irrweg.“Dobrindt verteidigte den Kurs: „Wir haben in den vergangenen Wochen die Bundesländer darauf hingewiesen, dass Abschiebungen von ausreisepflichtigen Personen nach Afghanistan auch zukünftig möglich sein werden“, sagte er am Rande einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Bad Staffelstein. Ziel sei es „mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante diese Migrationswende durchführen“. Er betonte, er habe in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er gemäß dem Koalitionsvertrag zwar mit den Abschiebungen von Straftätern nach Afghanistan beginnen werde, aber „ausreisepflichtige Personen auch für Abschiebungen in Frage kommen, wenn es keine Integrationsleistungen in Deutschland gibt“. 

Merz erwartet Akzeptanz seiner Personalrochade Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Dienstag ein Ende der Unruhe in seiner Partei gefordert, die rund um seine personellen Umbauten in den vergangenen Tagen entstanden ist. Gegenüber der Presse verwies Merz bei einem Besuch in Dublin darauf, dass an diesem Mittwoch eine Kabinettssitzung stattfinde, anschließend Minister entlassen und neue ernannt würden und schließlich in der Fraktionssitzung ein neuer Vorsitzender gewählt werde. „Ich gehe fest davon aus, dass nach der Fraktionssitzung am morgigen Tag alle Entscheidungen nicht nur getroffen, sondern auch akzeptiert sind“, sagte Merz. Vor allem in den Landesverbänden war zuletzt erhebliche Unruhe entstanden. Kritik hatte sich unter anderem am Umgang mit dem bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder entzündet. Im CDU-Präsidium hatte sich nach Teilnehmerangaben der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder über den Umgang mit seinem Bruder beschwert. In der anschließenden und größeren Vorstandssitzung gab es weitere kritische Äußerungen aus den Ländern, auch über allgemeine Glaubwürdigkeitsprobleme der CDU wurde geklagt. Ein CDU-Abgeordneter sagte der F.A.Z.: „Der Kanzler agiert, als wäre er unangreifbar. Das ist eine totale Fehleinschätzung. Er weiß offensichtlich nicht, wie dünn das Eis in der Fraktion ist.“ 

Merz verlangt von Brüssel drastische EinsparungenBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Einsparungen von „mehreren hundert Milliarden Euro“ im Entwurf der EU-Kommission für den mehrjährigen Finanzrahmen der Gemeinschaft gefordert. Das sagte er bei einem Besuch in Irland am Dienstag. Das Land hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne und arbeitet an einem Kompromissvorschlag. Die EU-Kommission hatte für den Haushalt der Jahre 2028 bis 2034 1,984 Billionen Euro gefordert. Merz machte in Dublin deutlich, dass Kürzungen „zwingend“ seien. Die vorgeschlagenen 2500 zusätzlichen Stellen für die EU lehnte er ebenso ab, das sei nicht akzeptabel. 

Dobrindt: 31 Afghanen abgeschobenDeutschland hat nach Angaben von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) 31 vor allem Kriminelle aus Afghanistan per Flugzeug in ihr Heimatland abgeschoben. Es habe sich um „überwiegend schwerste und schwere Straftäter, die mit Tötungsdelikten, Vergewaltigungen, Gewalttaten auffällig waren“, gehandelt, sagte Dobrindt am Rande der Sommerklausur der CSU-Landesgruppe im fränkischen Kloster Banz. Eine Person sei an Bord gewesen, bei der es sich nicht um einen verurteilten Straftäter handele. Auch diese Person sei aber zwingend ausreisepflichtig gewesen. Sie habe versucht, Unterschlupf in einem anderen europäischen Land zu suchen, sei dann aber nach Deutschland zurückgekehrt.„Wir haben in den vergangenen Wochen die Bundesländer darauf hingewiesen, dass Abschiebungen von ausreisepflichtigen Personen nach Afghanistan auch zukünftig möglich sein werden, wenn wir es nicht ausschließlich mit schwersten Straftätern zu tun haben“, sagte Dobrindt.Die Bundesregierung verfolge konsequent die von ihr eingeschlagene Migrationspolitik. Die Migrationswende werde „mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante“ vorangetrieben. Die von den Taliban geführte Regierung in Afghanistan sei verpflichtet, die Menschen in ihrem Heimatland aufzunehmen. „Das ist die Vereinbarung, die getroffen ist mit den Verantwortlichen in Afghanistan.“ 

Bundeszentrale für politische Bildung wieder ohne Präsident Nur fünf Monate nach seiner Berufung gibt Sönke Rix das Amt des Präsidenten der in Bonn angesiedelten Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zum 31. Juli auf. „Die Initiative für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ging von Herrn Rix aus“, hieß es aus dem zuständigen Bundesinnenministerium (BMI) auf Anfrage der F.A.Z. „Im gegenseitigen Einvernehmen haben beide Seiten vereinbart, die persönlichen Hintergründe der Entscheidung vertraulich zu behandeln.“ Bereits bei der jüngsten Leiterkonferenz der Zentralen für politische Bildung aus Bund und Ländern im Juni in Bonn hatte sich Rix krankheitsbedingt entschuldigen lassen müssen. Wann Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) dem Bundeskabinett einen neuen Präsidenten vorschlagen wird, konnte das BMI nicht mitteilen. Rix bedankte sich auf Instagram bei seinen Kollegen. 

Anschlag auf Verdi-Demo im vergangenen Jahr: Anklage fordert lebenslange HaftIm Mordprozess nach einem Anschlag auf eine Demonstration in München hat die Bundesanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Dies würde eine Freilassung auf Bewährung nach 15 Jahren Haft erheblich erschweren. „Die Tathandlung war, man muss es so deutlich sagen, auf die Vernichtung von Menschenleben angelegt“, sagte einer der beiden Anklagevertreter vor dem Oberlandesgericht München.„Es besteht kein Zweifel daran, dass der Angeklagte das Auto bewusst in die Menschenmenge gesteuert hat“, ergänzte er in dem rund zweistündigen Plädoyer. Bei der Attacke auf einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi waren im Februar 2025 eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter getötet und zahlreiche Menschen teils lebensgefährlich verletzt worden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 25 Jahre alten Afghanen deshalb unter anderem zweifachen Mord, versuchten Mord in 22 Fällen sowie – überwiegend gefährliche – Körperverletzung in 22 Fällen vor. Die Bundesanwaltschaft geht von einem religiös motivierten politischen Anschlag aus. Wie meine Kollegin Othmara Glas recherchiert hat, ist der Anschlag in München einer von insgesamt 16 islamistisch motivierten Anschlägen in Deutschland. Lesen Sie hier eine Chronologie der vergangenen Jahre: 

Wegner fordert härteres Vorgehen gegen islamistische Gefährder Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner fordert nach dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) ein schärferes Vorgehen gegen islamistische Gefährder und neue Ermittlungsinstrumente. Polizei und Verfassungsschutz brauchten weitere Möglichkeiten, um solche Personen noch besser in den Blick nehmen zu können, sagte der CDU-Politiker nach einer Senatssitzung.„Wir müssen dafür sorgen, dass diese Gefährder zu jeder Zeit unter Kontrolle sind“, so Wegner. „Es wird schlicht nicht möglich sein, diese Gefährder 24/7 zu kontrollieren – zumindest nicht über Polizistinnen und Polizisten.“ Um einen Gefährder rund um die Uhr zu begleiten, seien etwa 30 Polizistinnen und Polizisten nötig. „Das wird nicht funktionieren.\"Nötig seien daher neue Formen der Kontrolle mit dem Ziel, derartige Taten wie in Berlin zu verhindern. Diskutiert werden müsse etwa über Fußfesseln. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich am Montag ebenfalls unter anderem für einen verstärkten Einsatz von elektronischen Fußfesseln bei Gefährdern ausgesprochen. 

AfD-Politiker nicht zur OB-Wahl in Wilhelmshaven zugelassen Der AfD-Politiker Thorsten Moriße darf nicht bei der Oberbürgermeisterwahl in Wilhelmshaven antreten. Der Wahlausschuss lehnte seine Kandidatur ab, wie ein Vertreter der Stadt der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Nach Angaben Morißes fiel die Entscheidung einstimmig.Nach Medienberichten begründete der Wahlausschuss die Ablehnung mit Zweifeln an Morißes Verfassungstreue. Berücksichtigt worden seien unter anderem Äußerungen auf Facebook sowie seine führende Funktion in der AfD. Aus Morißes Sicht sind die beanstandeten Aussagen aber von der Meinungsfreiheit gedeckt.Der Landtagsabgeordnete kündigte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur rechtliche Schritte und ein Eilverfahren an. Er kritisierte, dass er vor der Sitzung keine Unterlagen des Innenministeriums erhalten habe. Die Vorwürfe seien ihm nur zusammengefasst vorgelesen worden. 

Manuel Hagel: „Wir müssen raus aus der Naivität“ Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel hat nach dem Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) eine viel schärfere Gangart gegen Islamisten und Gefährder gefordert. „Wir müssen raus aus der Naivität“, sagte der CDU-Politiker in Stuttgart. Die Bedrohungslage durch Extremisten sei größer als jemals zuvor. Allein in Baden-Württemberg würden der salafistischen Szene rund 1.350 Personen zugerechnet, die Hälfte davon sei gewaltbereit. Hagel sprach zudem von einer niedrigen zweistelligen Zahl an Gefährdern im Südwesten – die stünden aber unter sehr enger und scharfer Beobachtung.Mitleidsbekundungen reichten nicht mehr, sagte Hagel. Alles, was man rechtlich nachschärfen könne, müsse auf den Prüfstand gestellt werden. „Wir müssen die Zügel anziehen.“ So sprach sich der Innenminister etwa aus, dass sich Sympathiebekundungen und Werbung für terroristische Vereinigungen nicht nur auf das Aufenthaltsrecht auswirkten, sondern auch im Strafrecht Niederschlag fänden. Bei schweren Straftaten müsse bei jungen Menschen zudem häufiger das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen. Die Radikalisierung von Jugendlichen in sozialen Medien sei zudem ein riesiges Problem. 

Ministerpräsident Schulze bringt Olympiasiegerin als Sportministerin ins SpielSachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat die Präsidentin des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, Silke Renk-Langer, als Nachfolgerin der bisherigen Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) im Bundeskanzleramt vorgeschlagen. Schenderlein wechselt als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium.„Mein Wunsch wäre es und meine Empfehlung auch, dass man dort jemanden aus dem Breitensport nimmt“, sagte Schulze am Rande eines Termins in Magdeburg. Die ehemalige deutsche Leichtathletin, Olympiasiegerin und gebürtige Sachsen-Anhalterin sei aus seiner Sicht eine Kandidatin, die auch in Ostdeutschland auf Zustimmung stoßen würde.Nach Schulzes Angaben ist über die Nachfolge Schenderleins noch nicht entschieden worden. Renk-Langer gewann 1992 olympisches Gold im Speerwurf. Sollte die Bundesregierung noch auf der Suche nach einer Besetzung sein, wäre Renk-Langer aus seiner Sicht „mit Sicherheit auch eine gute Möglichkeit“.

Özdemir kritisiert muslimische Verbände Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat sich unzufrieden über die Stellungnahmen muslimischer Verbände zum Terroranschlag auf den Berliner CSD geäußert. Weder hätten die Verbände die Schwulen- und Queerfeindlichkeit des mutmaßlichen Täters benannt, noch hätten sie den Bezug des Terroristen zum Islam erwähnt, kritisierte Özdemir am Dienstag in Stuttgart. Er fordere die Dachverbände „sehr energisch auf, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“. Wenn Schwulenfeindlichkeit bei den Verbänden nicht angegangen werde, mache man es Verbrechern leichter, dort ihre Leute zu rekrutieren.Bei der Einschätzung des Terrors dürfe es keinen „Kulturrabatt“ geben, betonte der Ministerpräsident. Wenn es Gesetzeslücken gebe, müssten diese geschlossen werden. Zunächst seien aber die geltenden Gesetze umzusetzen. Die muslimischen Verbände müssten im Einsatz gegen islamistischen Terror mit anpacken, forderte Özdemir.

FDP: Grundgesetzänderung hält Islamisten nicht von Taten abFDP-Generalsekretär Martin Hagen hat die SPD-Forderung nach einer Verankerung eines Diskriminierungsverbots wegen sexueller Identität im Grundgesetz als Scheinlösung zurückgewiesen. „Die Vorstellung, Islamisten ließen sich durch eine Grundgesetzänderung von ihren Taten abhalten, ist geradezu absurd“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin und forderte stattdessen: „Unser Rechtsstaat muss den Islamisten die Zähne zeigen.“Hagen reagierte damit auf die Ankündigung der SPD-Spitze, sich nach dem blutigen Anschlag am Rande des Christopher Street Days in Berlin verstärkt für ein Diskriminierungsverbot wegen sexueller Identität im Grundgesetz einzusetzen.„Wenn es um den Schutz queerer Menschen geht, braucht es keine wohlfeile Symbolpolitik, sondern handfeste Maßnahmen“, sagte Hagen. Er verlangte: „Gefährder überwachen und wenn möglich abschieben, extremistische Moscheen schließen, Vereinsverbote konsequent umsetzen, islamistische Influencer ins Visier nehmen, Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden verbessern und bei Einbürgerungen genauer hinsehen.\"