Der Senat der Goethe-Uni hat über einen möglichen Standortwechsel des Dr. Senckenbergischen Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin in Frankfurt, eine Auslagerung der Bibliothek und die seit Jahren vakante Professur diskutiert. Beantragt hatte dies die Demokratische Liste. Sie wollte erreichen, dass der Senat und der kommissarische Institutsleiter Michael Sachs besser in Überlegungen der Goethe-Uni, der Uni Mainz und der Dr. Senckenbergischen Stiftung zur Zukunft des Instituts eingebunden werden. Beschlüsse wurden am Mittwoch nicht gefasst. Offensichtlich gibt es unterschiedliche Ideen für die Neuordnung von Fach und Institut. So steht einerseits ein noch nicht näher definiertes Angebot der Stiftung im Raum, eine Stiftungsprofessur für Geschichte und Ethik zu finanzieren, wie Institutsleiter Sachs mitteilte. Auch liefen Verhandlungen mit dem Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin in Mainz, Norbert Paul, über eine Verlagerung der Professur. Andererseits hätten Präsidium und Unibibliothek Vorbereitungen getroffen, die Institutsbibliothek, die mit mehr als 75.000 Bänden zu den größten Spezialbibliotheken für Medizingeschichte und Ethik in Deutschland zählt, an bisher unbekannte Standorte zu verlagern. Käme es dazu, würde dies die wissenschaftliche Arbeit des Instituts erschweren, meint Sachs. „Besondere Verantwortung angesichts der NS-Vergangenheit“ Eine Schließung des Instituts war in der jüngsten Senatssitzung kein Thema mehr. Der Prodekan des Fachbereichs hob vielmehr hervor, das Fach stärken zu wollen. So gab es den Vorschlag, das Institut in einem denkmalgeschützten Gebäude auf dem Medizincampus unterzubringen. Institutsleiter Sachs verwies hingegen darauf, dass es weniger um die Standortfrage als um eine entsprechende Forschungsprofessur in Frankfurt gehe. Die Frankfurter Medizinfakultät trage angesichts ihrer NS-Vergangenheit eine besondere Verantwortung, so der Tenor mehrerer Redner im Senat. Das 1935 gegründete Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene wurde von Otmar von Verschuer geleitet, dessen Assistent der spätere Auschwitz-Arzt Josef Mengele war. Zugeschaltet zur Sitzung war Richard Lowy aus Vancouver, Sohn eines Überlebenden der Zwillingsforschungen Mengeles in Auschwitz. Lowy hatte zuvor in einem Leserbrief an die F.A.Z. die Bedeutung des Instituts hervorgehoben. Auch Dieter Wesp, Vorsitzender des Fördervereins des Fritz-Bauer-Instituts, sprach sich gegen die Auflösung aus. Damit vergrößert sich die Zahl lokaler und internationaler Unterstützer des Instituts. Zu seinen Fürsprechern gehören die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen und die beiden zuständigen Fachgesellschaften, der Fachverband Medizingeschichte und die Akademie für Ethik in der Medizin sowie Wolf-Dietrich von Verschuer, ein Cousin des Rassenideologen. Eine große Mehrheit des Senats hatte sich schon Ende Mai für den Erhalt des Instituts ausgesprochen.
