FAZ 11.05.2026
17:17 Uhr

Drei Kinder weggesperrt: Freiheitsstrafen für deutsche Eltern im „Horrorhaus“-Prozess in Oviedo


Fast vier Jahre lang hatten deutsche Eltern ihre drei Kinder in der nordspanischen Stadt Oviedo eingesperrt. Am Montag wurden sie verurteilt – und vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freigesprochen.

Drei Kinder weggesperrt: Freiheitsstrafen für deutsche Eltern im „Horrorhaus“-Prozess in Oviedo

Ein Gericht in Oviedo hat im „Horrorhaus“-Prozess ein deutsches Ehepaar zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die Deutschen, die seit April 2025 in Haft sind, hatten ihre drei Kinder fast vier Jahre lang in ihrem verwahrlosten Wohnhaus am Rand der nordspanischen Stadt eingesperrt. Beide wurden nun wegen wiederholter psychischer Gewalt jeweils zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Dazu kommen weitere sechs Monate wegen Vernachlässigung. Zudem müssen sie eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Euro für jedes Kind zahlen. Darüber hinaus ist ihnen drei Jahre und vier Monate lang jeglicher Kontakt zu den Kindern untersagt, zu deren Aufenthaltsorten sie mehr als 300 Meter Abstand halten müssen. Das Urteil fiel deutlich milder aus als erwartet, denn sie wurden vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freigesprochen, der eine härtere Strafe zur Folge gehabt hätte. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich einen Freiheitsentzug von jeweils 25 Jahren und vier Monaten sowie eine Kontaktsperre von zehn Jahren gefordert. Die Eltern hatten vor Gericht beteuert, dass sie nur „das Beste“ für die Kinder gewollt und geglaubt hätten, kein Verbrechen zu begehen, indem sie sie von der Außenwelt isolierten, um eine Infektion zu vermeiden. Die Anwälte sagten, sie hätten eine „unüberwindbare Angst“ vor Covid gehabt. Das Urteil wurde nicht veröffentlicht, um die Privatsphäre der Familie zu schützen. Die Eltern, ein 54 Jahre alter Deutscher und seine 49 Jahre alte Frau mit deutscher und amerikanischer Staatsangehörigkeit, hatten die beiden Zwillinge, die 2025 acht Jahre alt waren, und ihren zehn Jahre alten Bruder zwischen Dezember 2021 und April 2025 in dem Haus ohne jeden Kontakt zur Außenwelt eingesperrt. Sie durften nicht einmal in den Garten. Die Eltern hatten offenbar auch dann noch große Angst vor einer Corona-Infektion, als die Pandemie vorüber war. Laut der Polizei hatten die Kinder zum Teil dreifache Schutzmasken auf Mund und Nase. Die Kinder gingen in Spanien nie in die Schule Die Kinder, die nur Englisch sprachen, gingen in Spanien nie in die Schule, die Zwillinge waren deshalb Analphabeten. Sie wurden medizinisch nicht versorgt, gingen gebückt mit O-Beinen, hatten Schwierigkeiten beim Treppensteigen und trugen Windeln und verdreckte Schlafanzüge. Sie schliefen in Wiegen oder sehr kleinen Betten, die von Müll und dem Kot einer krebskranken Katze umgeben waren. Der Vater, der im Homeoffice als Personalberater gearbeitet haben soll, hatte sich 2022 bei den spanischen Behörden angemeldet, nicht jedoch den Rest der Familie, die 2021 von Deutschland nach Oviedo gezogen war. Eine Nachbarin hatte aus der Ferne Kinderstimmen gehört, ohne je Kinder zu sehen. Sie machte die Polizei darauf aufmerksam, die dann Ende April 2025 während des großen Stromausfalls einschritt. Seitdem leben die Kinder in einer betreuten Einrichtung, da sich keine näheren Verwandten fanden, die sie aufnehmen konnten.