FAZ 18.08.2026
19:01 Uhr

Drohnenabwehr: Hier reicht das Deutschlandtempo nicht


Das neue Zentrum für Drohnensicherheit ist eine sinnvolle Einrichtung. Eine endlose Föderalismusdebatte verträgt das Thema aber nicht.

Drohnenabwehr: Hier reicht das Deutschlandtempo nicht

Ein Zentrum, das sich mit den technologischen Aspekten von Drohnen beschäftigt, ist in Deutschland sicher nicht fehl am Platze. Kein Sicherheitsthema hat die deutsche Politik so verschlafen, teilweise wurde die Beschäftigung damit sogar aktiv hintertrieben. Das neue Zentrum in Sachsen-Anhalt soll sich mit der Nutzung, Erkennung und Abwehr von Drohnen befassen. Wie viel da in Deutschland allein bei den beiden letzten Punkten noch zu tun ist, hat gerade erst der Vorfall auf dem Leipziger Flughafen gezeigt. Man kann nur hoffen, dass das neue Zentrum einen Beitrag dazu leistet, dass das Land auf diesem Feld endlich Anschluss an die rasch voranschreitende internationale Entwicklung findet. Wer ist auf dem Flughafen zuständig? Wenig ermutigend ist allerdings die politische Begleitmusik der vergangenen Tage. In einem Bundesstaat lässt sich trefflich und immer wieder über Zuständigkeiten debattieren, aber ähnlich wie bei der Waldbrandbekämpfung blickt das Publikum hier ratlos auf die verantwortlichen Akteure: Die einen verlangen eine Zentralisierung, die anderen sehen keinen Reformbedarf. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen: Man kann nicht von Berlin aus jede gefährliche Drohne erkennen oder gar abschießen; auf einem Flughafen sollte aber nur einer dafür zuständig sein (möglichst nicht der Busfahrer). Und vor allem müssen diese Dinge jetzt schnell geregelt werden. Die Drohnenabwehr gehört zu den Themen, in denen das übliche Deutschlandtempo zu langsam ist, nicht nur wegen des Kriegs in der Ukraine.