FAZ 10.08.2026
15:47 Uhr

Erdinger-Brauerei: Werner Brombach gestorben


Er galt als Pionier, der aus einem kleinen Familienbetrieb aus Oberbayern eine der größten Weißbierbrauereien der Welt formte. Jetzt ist Werner Brombach im Alter von 86 Jahren gestoben.

Erdinger-Brauerei: Werner Brombach gestorben

Der langjährige Chef der Erdinger Brauerei ist tot. Nach Angaben des Unternehmens ist Werner Brombach am Samstag im Alter von 86 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er hinterlässt eine Tochter.  „Bayern trauert um einen Ausnahme-Bierbrauer“, schrieb der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Linkedin. Brombach sei einer der „erfolgreichsten Bierbrauer seiner Zeit“ gewesen und „bis zuletzt ein Patriarch im besten Sinne, der immer ein offenes Ohr für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte“. Tatsächlich konnte Werner Brombach auf ein beachtliches Lebenswerk zurückblicken: Als er nach seinem Brauer-Studium in Weihenstephan im Jahr 1965 in den väterlichen Betrieb einstieg, braute Erdinger erst 40.000 Hektoliter im Jahr. Damals war Weißbier noch ein bayrisches Nischenprodukt, und Brombach trug maßgeblich dazu bei, die Sorte weit über die Grenzen des Freistaats hinaus bekannt zu machen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Brombach 1975 den Chefposten und baute die Weißbier-Brauerei nach und nach aus. Es folgte eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte. 1977 braute Erdinger schon 225.000 Hektoliter, in den Achtziger- und Neunzigerjahren profitierte Erdinger von seiner Spezialisierung auf Weißbier, die obergärige Sorte kam groß in Mode. Brombach hat früh das Potential alkoholfreier Biere erkannt Im Jahr der deutschen Einheit braute Erdinger erstmals mehr als eine Million Hektoliter, heute sind es rund 1,5 Millionen Hektoliter. Seit dem Einstieg von Brombach hat sich der Ausstoß nahezu vervierzigfacht. Brombach – zu dessen Markenzeichen eine riesige Brille mit dicker schwarzer Fassung gehörte – baute seine Brauerei über die Jahre zum Marktführer für Weißbier aus, das außerhalb Bayerns meist Weizenbier genannt wird. Zudem legte Brombach von Anfang an Wert auf den Export, heute werden Erdinger-Flaschen in mehr als 100 Länder auf der ganzen Welt exportiert. Geholfen haben dabei auch hohe Werbeetats – vor allem bekannte Fußballer wie Franz Beckenbauer, Jürgen Klopp, Thomas Müller, die frühere Spitzen-Biathletin Magdalena Neuner und der dreimalige Ironman-Weltmeister Patrick Lange warben für Erdinger. Dabei setzte Brombach immer stark auf Tradition. Gebraut wird bis heute ausschließlich am oberbayrischen Stammsitz in Erding, 30 Kilometer nordöstlich von München. Wenig hielt er von Biermischgetränken, sie „untergraben das Reinheitsgebot“, schimpfte er vor Jahren im F.A.Z.- Unternehmergespräch. Offen war er dagegen früh für alkoholfreie Varianten, seit dem Jahr 2001 bewarb Erdinger sein Alkoholfreies als „isotonischen“ Durstlöscher und Lifestyle-Getränk für Sportler. Er gehörte auch hier zu den Pionieren. Heute liegt der Anteil der alkoholfreien Erdinger-Variante bei knapp 30 Prozent. Übernahmeangebote von Konkurrenten schlug Brombach alle aus. Bis heute blieb die Brauerei auch inmitten der großen Konsolidierungswelle im Biermarkt selbständig. Die Nachfolgefrage ließ Brombach lange offen. Erst im Jahr 2022 hat er sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen, heute führt Stefan Kreisz die Geschäfte. Im vergangenen Jahr überführte Brombach als Alleineigentümer seine Anteile in eine Familienstiftung, die er bis zuletzt als alleiniger Vorstand führte. Laut Medienberichten verbrachte Brombach in den vergangenen Jahren auch viel Zeit auf Hawaii, seinem zweiten Wohnsitz. Der stellvertretende Stiftungsrats-Vorsitzende Walter Berizzi würdigte Brombach nun als „Sympathieträger, der bis zuletzt die Brauerei führte und sich um die Belange seiner Mitarbeiter kümmerte“. Vom Deutschen Brauerbund hieß es, mit Werner Brombach verliere die deutsche Brauwirtschaft „einen ihrer erfolgreichsten Familienunternehmer“, der die Branche über Jahrzehnte „mit Mut, Weitsicht und großer Leidenschaft fürs Brauerhandwerk geprägt“ habe.