Noch vor wenigen Tagen ächzte Deutschland unter Temperaturen von 30 Grad und mehr. Die anhaltende Dürre macht der Schifffahrt auf dem Rhein zu schaffen, und die Waldbrände in der Eifel und im Hohen Venn halten nicht nur umliegende Bewohner und Feuerwehrleute auf Trab. Was dabei fast in Vergessenheit gerät: In sechs Wochen beginnt hierzulande die nächste Heizperiode – und auf die wirkt das Land erstaunlich schlecht vorbereitet. Trotz zuletzt wieder steigender Wärmepumpenverkäufe wird in Deutschland immer noch mehr als die Hälfte aller Wohnungen mit Gas beheizt. Und die Versorgung mit dem fossilen Energieträger steht diesmal auf so wackeligen Füßen, dass sich mancher an die Energiekrise im Sommer 2022 erinnert fühlt. Mehr Gas aus Norwegen Als die Preise im August jenes Jahres plötzlich auf 240 Euro je Megawattstunde stiegen, waren die Gasspeicher immerhin zu knapp 80 Prozent gefüllt – heute sind sie es nur zur Hälfte. Angesichts dieser beunruhigenden Zahlen wüsste man gern, wie die Bundesregierung sicherstellen will, dass Deutschland gut durch den Winter kommt. Die Einführung einer strategischen Reserve plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) schließlich erst für die darauffolgende Heizperiode. Natürlich ist die Situation nicht ganz vergleichbar mit der damaligen Energiekrise, weil inzwischen viel mehr Gas aus Norwegen sowie über die Flüssiggasterminals in Europa ankommt. Und in den kommenden Jahren werden die Vereinigten Staaten noch viel mehr Flüssiggas auf dem Weltmarkt platzieren. Doch die dazu notwendigen Exportkapazitäten müssen erst einmal gebaut werden. Kurzfristig ist seit dem Irankrieg die Konkurrenz zwischen Europa und Asien durch die fehlenden Mengen aus Qatar deutlich größer geworden. Das treibt die Preise und lässt sie auch deutlich stärker schwanken. Sollte der kommende Winter außergewöhnlich kalt werden, ein LNG-Terminal ausfallen oder eine Leitung angegriffen werden, könnte es in Europa knapp werden mit der Versorgung. Gleiches gilt übrigens, sollte der amerikanische Präsident auf die Idee kommen, die Lieferungen in die EU zu drosseln. Es wäre nicht das erste Mal, dass er sie zu erpressen versucht. Und es wäre besser, die EU wäre für solch einen Fall gerüstet, auch wenn er heute unwahrscheinlich erscheinen mag.
