FAZ 25.09.2026
06:13 Uhr

Gipfel in Washington: Ein State Dinner nach Xis Geschmack


Ein Gipfel reich an Gesten, ohne Bewegung in der Sache. Trump schmeichelt und Chinas Staatschef sagt: Wir können den Wettbewerb ruhig erwähnen.

Gipfel in Washington: Ein State Dinner nach Xis Geschmack

Wie schon beim Staatsbankett mit Barack Obama 2015 trug Chinas Staats- und Parteichef wieder seinen Zhongshan-Anzug, auch als Mao-Anzug bekannt. Aber anders als früher betonte Xi Jinping in seiner Tischrede noch einmal besonders die Spätzeit des kommunistischen Staatsgründers, als Xi sagte, China und die USA befänden sich heute wie damals an einer „historischen Wegscheide“ wie 1972, als Richard Nixon erstmals Peking besuchte und die strategische Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen schuf. So betonte Xi eine Erneuerung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen, wiewohl nach Pekings Bedingungen der „strategischen Stabilität“. Dazu passend könnten sich die jeweiligen Ziele „Make America Great Again“ und der „großen Wiederauferstehung der chinesischen Nation“ doch „hervorragend ergänzen“, sagte Xi. Das allerdings zunehmend jedoch zu den Bedingungen Pekings – und zulasten der amerikanischen Verbündeten. Vor diesem Hintergrund erinnerte Xi an den gemeinsamen Kampf im Zweiten Weltkrieg gegen Japan: „Eine solche in Blut und Feuer geschmiedete Freundschaft wird sicher über Generationen hinweg Bestand haben.“ Trump ergänzte Freitagfrüh, Amerika und China seien „nie besser miteinander ausgekommen“. Der erste und wesentliche Gipfeltag in Washington zwischen den beiden Staatschefs der mächtigsten Länder der Erde brachte soweit bekannt keine substantiellen Ergebnisse zutage. Peking bekam die erhoffte Behandlung auf Augenhöhe. Und mehr: Noch nie hatte ein US-Präsident sein chinesisches Gegenüber persönlich vom Rollfeld abgeholt. Trump schien eine gute persönliche Beziehung wichtig zu Xi, dessen Avancen der Chinese lächelnd, aber kaum gleichwertig erwiderte. „Müssen Wettbewerb nicht unerwähnt lassen“ Anders als früher spricht Xi mittlerweile offen und selbstbewusst vom Konkurrenzkampf mit den USA. Und daran wird sich dem Staatschef zufolge auch nichts mehr ändern. „Wir müssen den Wettbewerb nicht unerwähnt lassen“, sagte Xi in Washington, „aber unser Wettbewerb sollte fair sein und in Grenzen bleiben“. Kurz vor dem Gipfel hatten sich Amerika und China auf eine Verlängerung des sogenannten Handelsfriedens auf nur zwei Monate geeinigt, den Trump und Xi vergangenen November im koreanischen Busan auf zunächst ein Jahr geschlossen hatten. Damit reicht die Vereinbarung, das China im Wesentlichen weiterhin Seltene Erden liefert und die USA auf einige Exportkontrollen im Chip-Bereich verzichten, jetzt erstmal gerade so weit bis kurz nach den amerikanischen Zwischenwahlen. China hatte eine Verlängerung für die gesamte Regierungszeit Donald Trumps angestrebt. Die Amerikaner hingegen wissen, dass Peking nicht alle Seltenen Erden geliefert hat wie versprochen. Sie wollen auch erst sehen, ob China nach der Sojabohnen-Ernte im Winter wirklich die vereinbarten Mengen abnimmt. Xi Jinping dagegen warnte in Washington vor einem „Nullsummen-Gladiatorenkampf“. Kaum Annäherung bei Künstlicher Intelligenz Laut den am Freitag herausgegebenen Verlautbarungen der chinesischen Seite drängte Xi die USA auch darauf, „an der richtigen Position festzuhalten, sich gegen die Unabhängigkeit Taiwans auszusprechen“. Das wäre eine Änderung der bisherigen amerikanischen Position. Trump äußerte sich zu dem Thema zunächst einmal nicht. Gesprochen wurde auch über die Kriege in der Ukraine und Iran, ebenfalls über die Kontrolle über Künstliche Intelligenz. Aber weder Trump noch Xi deuteten eine Änderung der Positionen an. Da die Gespräche der beiden zu allen Themen auf insgesamt weniger als drei Stunden angesetzt waren und konsekutiv übersetzt wurde, blieb schon aus Zeitgründen wenig Raum für substantielle Veränderungen. Die offiziellen Stellungnahmen gingen nicht näher auf die von Finanzminister Scott Bessent ins Spiel gebrachte „KI-Hotline“ zur Warnung in Notfällen ein. „Wir haben sowohl die Fähigkeit als auch die Verantwortung, KI zum Wohle der Allgemeinheit zu entwickeln und zu steuern sowie sicherzustellen, dass die KI-Entwicklung stets unter menschlicher Kontrolle bleibt und dem Wohlergehen der Menschen dient“, wurde Xi zitiert. Das blieb vage. Beide Seiten treiben ihren Konkurrenzkampf um die KI-Vorherrschaft weiter unabhängig voneinander voran. Trump nannte KI ein „großes Thema“, doch wollten er und Xi „die Dinge genau so belassen, wie sie sind“. Xi Jinping nahm überhaupt keine Unternehmer und entsprechend auch keine Vertreter von KI-Firmen mit nach Washington. Unklar blieb zunächst, ob das auf Betreiben Washingtons geschah, das bereits einige chinesische Internetfirmen wegen Nähe zur Volksbefreiungsarmee sanktioniert hat. Auf amerikanischer Seite dagegen saß der OpenAI-Chef Sam Altman mit am Bankett – nicht jedoch der Anthropic-Chef Dario Amodei, der öffentlich vor der Bedrohung von KI-Systemen warnte, eine Reduzierung der Modellfähigkeiten vorschlug und gleichzeitig China höchst kritisch gegenübersteht. Trump wollte keine Misstöne. Es gab Hummer in Tomatensoße und Peking-Ente. Für Freitag werden keine weiteren substantiellen Gespräche mehr erwartet. Vormittags sind Xi und seine Frau Peng Liyuan noch einmal gemeinsam zum Teetrinken ins Weiße Haus eingeladen. Dann geht es gemeinsam mit Donald und Melania Trump ins Nationalarchiv. Mittags schon sollte Xi wieder zurück nach Peking fliegen.