Ob das Thema Eigentum vom Tisch ist, fragte eine Journalistin mit dänischem Akzent Donald Trump nach der Unterzeichnung des Abkommens über Grönland. Schließlich hatte der US-Präsident im Frühjahr wiederholt gesagt, die USA müssten Grönland besitzen. Trump stand nach der Unterzeichnung am Dienstag in New York mit Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, Grönlands Regierungschef Frederik Nielsen und den beiden Außenministern Marco Rubio und Lars Løkke Rasmussen vor der Presse. Rasmussen warf mehrmals einen bangen Blick auf Trump. Aber der reagierte nicht auf die Frage. „In dem Abkommen ist das Thema Besitz definitiv vom Tisch“, sagt dazu Mikkel Runge Olesen, der am Dänischen Institut für internationale Studien zu den transatlantischen Beziehungen forscht. „Aber ob Trump nicht in einem halben Jahr zu dem Thema zurückkommen wird, weiß keiner.“ Trump hatte wiederholt gedroht, Grönland besitzen zu wollen, dafür schloss er auch militärische Mittel nicht aus. Dänemarks Regierung beharrte auf der roten Linie der Souveränität des Königreichs, zu dem Grönland gehört, und schickte bewaffnete Soldaten, um die Insel notfalls gegen den engsten Verbündeten zu verteidigen. Die NATO stürzte damals in eine schwere Krise. Zweifel, ob der Erleichterung zu trauen ist Aus dänischer Sicht ist das Abkommen nun ein erstaunlich positives Ende einer langen Zeit des Bangens, die das kleine Königreich erschütterte. Die Reaktionen schwanken zwischen enormer Erleichterung und Zweifel, ob dieser Erleichterung wirklich zu trauen ist. Von einem „diplomatischen Meisterwerk“ schrieb die Zeitung „Politiken“. Wenn sich herausstelle, dass die Vereinbarung das Papier wert sei, auf dem sie geschrieben ist, sei „außenpolitische Geschichte“ geschrieben worden, schrieb die Zeitung „Berlingske“. Frederiksens Regierung vermied nach der Unterzeichnung jedes Wort des Triumphs. „Alle haben etwas bekommen, ohne dass eigentlich jemand etwas gegeben hat“, sagte Außenminister Rasmussen. Ein Glas Bier immerhin erlaubte man sich gemeinsam mit der grönländischen Delegation über den Dächern von New York. Frederiksen und Nielsen meint man auf den Fotos die Erleichterung anzusehen. Im Abkommen zeigt sich schon in der langen Präambel, dass dänische und grönländische Interessen gewahrt wurden. So wird Grönlands Recht auf Selbstbestimmung festgehalten, ebenso die Souveränität und territoriale Integrität des dänischen Königreichs sowie die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Grönländer. Festgehalten wird auch das gemeinsame Interesse, den USA den militärisch notwendigen Zugang zu gewähren, um das NATO-Gebiet zu verteidigen, inklusive des Aufbaus eines „Golden Dome“ genannten Raketenschirms. Aber das war schon immer im dänischen Interesse. Offenkundig auf China gemünzt Konkret einigte man sich darauf, dass die USA ihre bestehende militärische Präsenz (Pituffik Space Base) ausbauen können, sowie zusätzliche militärische Präsenzen in Narsarsuaq (wo sie früher schon eine hatten) und in Mestersvig aufbauen. In Mestersvig betreiben die Dänen bisher die von Trump einst verunglimpfte Sirius-Schlittenpatrouille. Auch können die USA – nach gegenseitiger Zustimmung – weitere Basen eröffnen. Zudem wird festgehalten, dass die USA freien Zugang und Bewegungsfreiheit in Grönland erhalten. All das wäre allerdings auch schon nach dem bestehenden Verteidigungsabkommen von 1951 möglich gewesen. Neu ist, dass nun festgehalten wird, dass nur NATO-Staaten bemannte oder nichtbemannte Militäreinrichtungen auf Grönland betreiben können. Alles andere war bisher faktisch ausgeschlossen, aber nicht formell festgehalten worden. Festgehalten wird auch, dass Grönland in der NATO bleiben wird, sollte es unabhängig werden. Außerdem, dass kein Investor aus Staaten, die nicht NATO-Mitglied, NATO-Partner oder EU-Mitglied sind, Kontrolle oder signifikanten Einfluss in sensiblen Sektoren erhalten wird. Das ist offenkundig auf China gemünzt. Die Volksrepublik hatte einst versucht, in Grönland zu investieren, das unterband aber die grönländische Regierung auf amerikanischen Druck hin. Ein amerikanisches Veto über bestimmte Investitionen gibt es aber, anders als zunächst berichtet, nicht. Doch können gemeinsam Ausnahmen des Verbots von Investitionen vereinbart werden. „Eine Festschreibung des Status quo“ „Abgesehen von den beiden neuen Militärstützpunkten ist das Abkommen eine Festschreibung des Status quo“, sagt dazu Peter Viggo Jakobsen von der Dänischen Verteidigungshochschule. „Das Paradoxe daran ist, dass Trump höflich hätte fragen können und einen solchen Deal ohne Probleme hätte erzielen können.“ China und Russland werde es untersagt, Militärstützpunkte und Schürfrechte zu erwerben sowie in Grönland zu investieren. Dass der NATO eine größere Rolle zukomme, stehe im Einklang mit den Manövern, die zuletzt eingeleitet worden seien. „Kurz gesagt: Im Norden nichts Neues“, so Jakobsen. Das Abkommen zementiere durchaus Dinge, die zwar realpolitisch feststanden, sich aber hätten ändern können, meint hingegen der Forscher Olesen. So sei zwar klar gewesen, dass unter den gegenwärtigen Umständen kein Land außer den USA und Dänemark Militärbasen auf Grönland betreibt, vertraglich fixiert worden sei das aber bisher nicht. Vor allem die Vereinbarungen über Investitionen sieht Olesen als echten Gewinn für die USA. Denn auch wenn zuletzt faktisch ausgeschlossen gewesen sei, dass China in Grönland investiere, hätte sich das mit der zunehmenden Bedeutung der Arktis und dem Fortschreiten des Klimawandels ändern können. Das Abkommen nun habe vermutlich auch noch in vielen Jahrzehnten Bestand. Die USA gewännen durch das Abkommen also durchaus etwas, meint Olesen. „Aber das war die Krise nicht wert.“ Deren Kosten seien für die USA enorm. Das Vorgehen Trumps habe die dänisch-amerikanischen Beziehungen langfristig beschädigt, auch noch lange nach einem Ausscheiden Trumps. Zudem sei Grönland dadurch näher an die EU gerückt; die EU habe sich gegen die USA aufgelehnt. All das lasse sich nicht mehr zurückdrehen. Olesen nimmt an, dass das Abkommen durchaus von Dauer sein könnte. Schließlich sei Trump ein Opportunist – und habe im Januar eine deutliche Niederlage erlitten, als viele EU-Staaten Dänemark in seinem Widerstand unterstützt hätten und als Dänemark deutlich gemacht habe, dass es bereit sei, Grönland zu verteidigen.
