FAZ 19.05.2026
12:16 Uhr

Hauseinsturz in Görlitz: Sie haben 72 Stunden lang eine Überlebenschance


Nach dem Einsturz eines Gründerzeithauses in Görlitz suchen Einsatzkräfte mit bloßen Händen nach drei Vermissten. Laut Polizei könnte eine Gasexplosion das Unglück verursacht haben.

Hauseinsturz in Görlitz: Sie haben 72 Stunden lang eine Überlebenschance

Nach dem Einsturz eines Wohnhauses in der sächsischen Stadt Görlitz suchen die Einsatzkräfte am Dienstag weiter nach drei vermissten Personen, die unter den Trümmern vermutet werden. Das Gründerzeithaus war am frühen Montagabend gegen 17.30 Uhr eingestürzt, zuvor war nach Angaben von Anwohnern ein lauter Knall zu hören. Als Ursache wird eine Gasexplosion vermutet. Vermisst werden zwei 25 und 26 Jahre alten Frauen aus Rumänien, die als Touristinnen in dem Haus eine Wohnung gemietet hatten, sowie ein 48 Jahre alter deutsch-bulgarischer Mann, der beruflich in Görlitz zu tun hatte. Ihre Rettung habe „absolute Priorität“, sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) am Dienstagmorgen auf einer Pressekonferenz.Die Suche ist schwierig, weil auch am Dienstagmorgen noch Gas ausströmte, was den Einsatz von schwerem Gerät verhinderte. Auch sollten die Vermissten nicht durch einen solchen Einsatz gefährdet werden. Im Einsatz waren rund 140 Helfer aus Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Polizei. Auch fünf Trümmerhunde wurden eingesetzt, sie wurden auf einer Drehleiter auf dem Schuttberg abgesetzt. Die Hunde hatten am Montag an zwei Stellen angeschlagen, am Dienstag schlugen sie an drei Stellen an. Jeder Stein wird per Hand angehoben Ortungsspezialisten des THW waren mit Wärmebildkameras im Einsatz. Nach Angaben des Leiters der Feuerwehr müssen die Helfer jeden Stein und jedes Brett von Hand anheben, um eventuelle Hohlräume zu entdecken, in denen sich Gas angesammelt haben könnte. Der Schieber für die Gasversorgung liegt unter den Trümmern, weshalb das Gas nicht abgestellt werden konnte. Nach Angaben der Polizei liegt die Überlebenschance unter den derzeitigen Temperaturen bei 72 Stunden. Das Haus in der James-Moltke-Straße in der Görlitzer Innenstadt in der Nähe des Bahnhofs gehört der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen. In ihm befinden sich fünf Ferienwohnungen und eine weitere Wohnung. Nach Angaben des Geschäftsführers war die letzte Wohnung 2021/2022 saniert worden, die Heizung wurde im September gewartet. Mann bangt um das Leben seiner Frau und seiner Cousine Ein Mann aus Rumänien hatte mit seiner Ehefrau und seiner Cousine eine Ferienwohnung in dem Haus gemietet. Er verließ es nach eigenen Angaben kurz vor dem Einsturz, um in einem nahen Supermarkt einzukaufen. Als er nach dem lauten Knall zu dem Haus zurückrannte, sah er nur noch die Trümmer. Nun bangt er um das Leben seiner Frau und seiner Cousine. Ursprünglich waren fünf Menschen vermisst worden. Doch zwei Gäste einer Ferienwohnung hatten beim Einsturz noch nicht eingecheckt und sind wohlauf. Zehn angrenzende Häuser waren wegen möglicher Einsturzgefahr in der Nacht evakuiert worden, 54 Bewohner fanden bei Verwandten und Bekannten und in einer alten Jugendherberge eine Unterkunft. Die Häuser sind mittlerweile von Statikern als sicher eingeschätzt worden, doch die Bewohner können wegen der Suche nach den Vermissten noch nicht wieder hinein. Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands, ist wegen seiner historischen Altstadt berühmt. Die Stadt hat 57.000 Einwohner und bildet mit der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt.