Sag mal, „Bild“-Zeitung: Die Titelschlagzeile „Lothar neuer ,Bild‘-Experte“ nebst Matthäus-Foto – meinst Du nicht, dass das Deine Leser in Verwirrung stürzt? Gut, er ist jetzt auch Dein Mann für die Champions League, aber einen älteren „Bild“-Experten als Matthäus dürfte es kaum geben. Was meldest Du als Nächstes auf Deiner Titelseite? „Jens Riewa neuer ,Tagesschau‘-Sprecher“? „Papst jetzt in der katholischen Kirche“? Eine wirkliche Neuigkeit ist die von den beiden selbst verkündete, harmonische Trennung des munteren Medienpärchens Annemarie und Wayne Carpendale. Auf ihren – getrennten – Instagram-Kanälen driften die Narrative allerdings auseinander. „Wir sind glücklich. Wir leben unter einem Dach. Wir sind eine family. Wir sind nicht mehr zusammen“, heißt es bei ihm – und bei ihr im letzten Satz: „Wir sind gerade nicht zusammen.“ Hoffen wir, dass sie sich jetzt nicht doch zerstreiten. Harmonie zwischen der Königsfamilie und den Rückkehrern Harry und Meghan dürfte es so schnell nicht geben. „Keine zwei Wochen zurück, schon Mega-Eklat mit dem Palast“, schreibt „Bild“ und lässt den Kalauer „Meghan-Eklat“ liegen. „In einem offiziellen Schreiben stellte der Palast unmissverständlich klar, dass Harry und Meghan trotz ihres Umzugs nach Großbritannien weiterhin Privatpersonen bleiben. Die beiden sind nach wie vor keine arbeitenden Royals“, lesen wir und verstehen gar nicht, warum das Paar sich so aufregt. Royal bleiben und nicht arbeiten müssen, klingt eigentlich verlockend. Es soll in der Arbeitswelt ja auch nicht arbeitende Bürokollegen geben, die sich über ihr Dasein nicht beklagen. Ein Mross kippt nicht. Oder doch? Lautstark über das Ende seiner ARD-Show „Immer wieder sonntags“ beklagt hat sich Stefan Mross, seine Rede laut „Bild“ aber mit den Worten beschlossen: „Stefan Mross ist ein Stehaufmännchen, der wird niemals im Leben kippen.“ Streng genommen kippen Stehaufmännchen permanent, sonst könnten sie ja nicht wieder aufstehen. Ihr „Ballermann-Comeback“ hat, wie „Die neue Frau“ schreibt, Claudia Jung gefeiert, die dort früher nicht nur schöne Zeiten erlebte: „Da trat die Schlagersängerin nachts um 2 Uhr vor Betrunkenen auf.“ Nun hat Jung schon um 14 Uhr gesungen, und es sei „eine Begegnung auf Augenhöhe gewesen“. Um 14 Uhr, nehmen wir an, konnten all die Ballermann-Besoffskis nämlich noch stehen. „Er kann kaum noch stehen, jeder Schritt macht ihm zu schaffen“, schreibt „Die Aktuelle“ über keinen Mallorca-Urlauber, sondern über den in Hessen beheimateten Großvater von Helene Fischers Ehemann Thomas Seitel. In überaus schlechter Erinnerung haben wir, wie „Die Aktuelle“ und andere Blödblätter immer wieder bei Boris Beckers zunehmend hinfälliger Mutter klingelten, um der arglosen Seniorin ein paar Zitate abzuringen; ein böses Spiel, das man auch mit Florian Silbereisens Vater treibt. Nun also hat „Die Aktuelle“ den 98 Jahre alten Seitel-Großvater „besucht, um sich nach ihm zu erkundigen“, wie sie es ausdrückt, hat ihn an seiner Haustür fotografiert und daraus die Titelstory fabriziert: „Helene Fischer – Exklusiv – Ihre Kinder haben ein Wunder vollbracht! So schenken sie ihrem Ur-Opa neue Kraft“. Wir wünschen dem alten Herrn, dass, wo ihm schon jeder Schritt zu schaffen macht, „Die Aktuelle“ ihm weitere „Besuche“ erspart. Groß ist unsere Hoffnung nicht. 15 Bier und acht Schnäpse Beängstigend fit ist mit seinen 91 Jahren Dieter Hallervorden, auch wenn selbst er nun etwas kürzertritt. Früher, erzählt er der „Aktuellen“, habe er bei einem fröhlichen Abend unterwegs „15 Bier und acht Schnäpse getrunken“, das mache er heute nicht mehr. Obwohl: „Na ja, es sind vielleicht trotzdem fünf alkoholische Getränke und fünf bis sieben Zigaretten.“ Ob es am Abend der Wahlschlappe der von ihm unterstützten sachsen-anhaltinischen CDU ausnahmsweise doch wieder mal 15 Bier und acht Schnäpse waren? Maritime Bilder bemüht in „Bunte“ Schauspieler Antoine Monot bei der Beschreibung seiner Frau: „Stefanie ist mein Anker, Boot und Motor zugleich.“ Wir sind sicher, da geht noch mehr: Was ist mit Segel, Ruder, Kombüse, Rettungsring, Dingi, Fockschot und Jüttbaum? Noch schwelgerische Worte findet Popstar Katy Perry für Justin Trudeau.„,Ich wollte immer eine epische, legendäre Liebe‘, verriet sie“, lesen wir in „Frau im Spiegel“ – obwohl sie mit dem früheren kanadischen Premier gerade ein Jahr zusammen ist: Vorsichtigere würden da statt von Legende oder Epos höchstens von einer Novelle oder Kurzgeschichte sprechen. Außerdem hat Perry Trudeau als „wirklich sehr herzorientiert“ gepriesen. Klingt komisch, wir haben mal nachgeschaut: „Heart-centered“ lautet das Originalzitat. Die direkte Übersetzung hätte wohl zu medizinisch gewirkt, da hätte man an ein Herzzentrum gedacht. Auf einer Landwirtschaftsmesse schließlich war Uma Thurman unterwegs. „Dort präsentierte die Leinwand-Ikone (,Pulp Fiction‘, ,Kill Bill‘) – Überraschung – ein Kalb“, schreibt „Gala“ über die Neu-Rinderzüchterin und wählt als Überschrift „Star mit Stallgeruch“. Sorry, „Gala“, aber die einzig wahre Überschrift hätte in diesem Fall gelautet: „Kalb Fiction“.
