FAZ 13.05.2026
07:00 Uhr

Hessischer Technologiekonzern: Autokrise belastet Bilanz von Schunk


Umsatz und Gewinn des hessischen Werkstoff- und Maschinenbauspezialisten Schunk sind 2025 zurückgegangen. Auch die Belegschaft in Deutschland ist geschrumpft.

Hessischer Technologiekonzern: Autokrise belastet Bilanz von Schunk

Die Krise in der Autobranche hat dem mittelhessischen Technologiekonzern Schunk den ersten Umsatzrückgang seit Ausbruch der Corona-Pandemie beschert. Der Umsatz der auf Werkstofftechnik und Maschinenbau spezialisierten Schunk Group sank um sechs Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Manolopoulos, am Dienstag am Unternehmenssitz in Heuchelheim mitteilte. Wegen der sinkenden Kundennachfrage habe Schunk Produktionskapazitäten abgebaut, die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland sank, in Vollzeitstellen umgerechnet, von rund 5070 auf 4850. Das traf im vergangenen Jahr vor allem den Hauptsitz in Heuchelheim, im nahen Reiskirchen und in Balingen in Baden-Württemberg ist der Stellenabbau noch nicht abgeschlossen. Dort produziert die Tochtergesellschaft Weiss Technik unter anderem Prüfkammern, in denen die Wirkung extremer Temperaturen auf Autos und Motoren getestet wird. In Heuchelheim wiederum werden unter anderem Sintermetallteile für Motoren hergestellt. Indirekt schadete der Rückgang der Autoproduktion in Europa aber auch den Geschäften von Schunk mit Chip-Herstellern, wie Manolopoulos erläuterte. Denn ein Teil der Kunden aus dieser Branche stellt Halbleiter für Fahrzeug-Elektronik her. Die von KI-Anwendungen getriebene Nachfrage nach Logik- und Speicherchips steige zwar, dies könne aber „die Schwächen in anderen Teilmärkten nicht kompensieren“. Auch der Gewinn sei daher gesunken, sagte Manolopoulos. Zu seiner Höhe äußert sich das Stiftungsunternehmen grundsätzlich nicht. Im Unternehmensregister ist der Konzernabschluss für 2025 noch nicht veröffentlicht, der Bericht für 2024 weist einen Jahresüberschuss von rund 105 Millionen Euro auf. Wachstumschancen sieht der Konzernchef im Verteidigungsgeschäft. Schunk produziert schon seit vielen Jahren Keramikplatten für schusssichere Westen und auch Klimageräte für Auslandseinsätze europäischer Soldaten, etwa für Feldlager in Afrika. „In den letzten vier Jahren haben sich die Stückzahlen bei Körperschutzplatten und Klimageräten verfünffacht“, sagte Manolopoulos. Zuversichtlich stimme ihn außerdem, trotz eines fortgesetzten Umsatzrückgangs im ersten Quartal dieses Jahres, dass der Auftragseingang im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um sieben Prozent gestiegen sei. „Die Aufträge, die hier reinkommen, sind unsere Umsätze von morgen.“