FAZ 03.08.2026
08:47 Uhr

Hitze-Liveblog: 10.000 Hektar Wald zerstört – Löschhubschrauberpiloten tot


Kampf gegen Flammen in Griechenland dauert an +++ Niedrigwasser am Rhein: Taskforce gefordert +++ Sächsische Schweiz: Betreten von Waldflächen verboten +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: 10.000 Hektar Wald zerstört – Löschhubschrauberpiloten tot

Auf die Hitze folgen Unwetter„Nach der Hitzewelle ist quasi vor der Hitzewelle“: Auch in der neuen Woche wird es in Deutschland heiß. Ab Dienstag sollten sich die Menschen zudem auf Unwetter einstellen, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. „Denn am morgigen Dienstag schiebt sich die schwül-heiße und gewitterträchtige Luft bis in den Nordosten, wo nachmittags und abends ein hohes Unwetterpotential besteht – nach aktuellem Stand“, heißt es vom DWD. Auch von Südwesten ziehen demnach neue Schauer und kräftige bis schwere Gewitter heran, die örtlich wieder unwetterartig ausfallen könnten. Dann liegen die Temperaturen laut Vorhersage zwischen 30 und 38 Grad. Auch in der Nacht zu Mittwoch könne es teils kräftige Schauer und Gewitter geben. Am Tag verlagere sich das Gewitterrisiko in Richtung Süden und Osten. Die Temperaturen steigen dann auf 30 bis 35 Grad. Sollte es bis Donnerstag nicht ausreichend geregnet haben, „droht eine weitere Verschärfung der regional sowieso schon massiven Trockenheit“, schreibt der Deutsche Wetterdienst. „Auch die Vegetationsbrandgefahr könnte dann noch immer hoch bis extrem hoch ausfallen und den Feuerwehren viel Arbeit machen.“Die große Hitze ist nach der Wochenmitte dann erst mal überstanden: Am Donnerstag werden noch bis zu 30 Grad erwartet, am Freitag bis zu 28 Grad. „Wirklich kühl wird es aber auch in den Folgetagen nicht“, so der DWD.

Hitzewarnung für weite Teile DeutschlandsDer Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für weite Teile Deutschlands eine amtliche Hitzewarnung herausgegeben. Betroffen sind laut der Warnkarte vor allem Regionen in der Mitte und im Süden – von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz über Hessen und Thüringen bis nach Baden-Württemberg, Bayern und Teile Sachsens. Für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und den Norden Deutschlands gibt es demnach keine Warnungen. Die Warnung gilt nach Angaben des DWD von 11.00 bis 19.00 Uhr. Eine Warnung vor extremer Hitze wurde nicht ausgegeben. Nach Angaben des Wetterdienstes werden Hitzewarnungen herausgegeben, wenn eine starke Wärmebelastung erwartet wird und sich Wohnräume nachts nicht ausreichend abkühlen können. Grundlage ist die „Gefühlte Temperatur“, die am frühen Nachmittag etwa 32 Grad überschreiten muss. Ab 38 Grad warnt der DWD vor einer „extremen Wärmebelastung“.

Feuer bei Athen nicht unter KontrolleDie Wald- und Buschbrände westlich der griechischen Hauptstadt Athen sind noch nicht unter Kontrolle. Die Feuerwehr konzentriere sich auf zwei Fronten, berichteten griechische Medien. Die eine liegt im Gebiet der Ortschaft Agios Nektario im Kithairon-Gebirge, die andere nordwestlich der Stadt Megara mit gut 36.000 Einwohnern. Es windet zwar nicht mehr so stark wie am Wochenende, doch die Einsätze sind weiterhin gefährlich und die Waldbrandgefahr laut Zivilschutz sehr hoch.Am Sonntag waren bei der Kollision zweier Löschhubschrauber ein Pilot und ein Copilot ums Leben gekommen. Damit stieg die Zahl der Toten auf fünf - bereits vergangene Woche waren drei Feuerwehrleute gestorben. Die Behörden haben die Ermittlungen zu dem Hubschrauber-Unglück aufgenommen, berichtet unser Korrespondent Michael Martens:

Taskforce gefordertAngesichts des Niedrigwassers am Rhein soll eine nationale Taskforce nach dem Willen von Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) rasch konkrete Maßnahmen abstimmen. Dazu zählten zusätzliche Lagerkapazitäten in Häfen für Gefahrgüter, zusätzliche Bahnkapazitäten und die Frage, „wie priorisiert werden kann, was transportiert werden soll“, sagte Krischer im ZDF-„Morgenmagazin“. Ein solches Vorgehen habe sich schon 2018 bewährt. „Das wird nicht das Problem völlig aus der Welt verschwinden lassen. Es kann aber an vielen Stellen die Situation verbessern helfen.“Zusammenkommen sollten aus seiner Sicht Fachleute aus der Logistikbranche, den Kommunen sowie den Landesregierungen und der Bundesregierung. Anders als 2018 komme das Niedrigwasser in diesem Jahr sehr früh: „2018 hatten wir es erst im Spätsommer, im Herbst, jetzt schon im Hochsommer. Wir müssen mehrere Wochen und Monate wahrscheinlich mit der Situation umgehen“, sagte Krischer.Mittelfristig dringt Krischer auf den Ausbau der Rhein-Fahrrinne. „Das ist völlig richtig und notwendig“, sagte er im „Morgenmagazin“. Konkrete Planungen gebe es seit vielen Jahren, ein Abschnitt sei fertig geplant: „Da könnte quasi morgen mit dem Bau begonnen werden. Da fehlt nur leider das Geld des Bundes.“ Zuständig sei der Bund, da es sich um eine Bundeswasserstraße handele. 2025 seien die Mittel aus „unerfindlichen Gründen“ gestrichen worden. Die Maßnahmen zur Optimierung der Fahrrinne würden in einer Niedrigwassersituation sehr helfen und müssten nun „mit Nachdruck umgesetzt werden“.

Einsatz von deutschen Feuerwehrleuten in Spanien beendet Nach nur eineinhalb Tagen ist der Löscheinsatz von Feuerwehrleuten aus Nordrhein-Westfalen im Nordwesten Spaniens schon wieder beendet. Die Entscheidung sei am Sonntagabend getroffen worden, sagte Frank Frenser von der Feuerwehr Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Die spanischen Behörden seien zu der Erkenntnis gekommen, dass die Lage sich entspannt habe, es werde daher keine externe Hilfe mehr benötigt. Die NRW-Spezialeinheit werde sich am späteren Vormittag auf den Rückweg nach Deutschland machen. Zuerst hatte der WDR berichtet. 

Fledermäuse könnten beim Lüften ins Haus kommen Wer bei den tropischen Temperaturen zurzeit am Abend oder in der Nacht lüftet, könnte ungebetenen Besuch bekommen. Im Sommer beginnen junge Fledermäuse, ihre Umgebung zu erkunden und nach Quartieren zu suchen, wie Alexander Gnatz vom Naturschutzverband LBV in Hilpoltstein erläutert. Dabei könnten diese durch gekippte oder weit geöffnete Fenster irrtümlicherweise in Wohnungen oder Büros fliegen. Dann gilt erst einmal: „Ruhe bewahren“, sagt er.Auch Klimaanlagen könnten junge Fledermäuse anziehen, erläutert der Fachmann. Der kalte Luftstrom aus dem Fenster könne auf diese wie ein Höhleneingang wirken. Je nach Art fliegen die unerfahrenen Fledermäuse ihm zufolge von Juli bis September aus. Im August kommt es jedoch am häufigsten vor, dass sich die Tiere dabei in ein Gebäude verirren. Gekippte Fenster können zur Todesfalle werden„Meist handelt es sich um einzelne Tiere oder kleine Gruppen, in seltenen Fällen können jedoch auch größere Schwärme mit über 100 Fledermäusen einfliegen“, heißt es von der Stadt Würzburg. Diese bittet alle Bürgerinnen und Bürger, die Fenster geschlossen zu halten, wenn diese etwa über die Ferien längere Zeit abwesend sind. Gekippte Fenster könnten sonst zur Todesfalle für Fledermäuse werden, die nicht mehr alleine nach draußen finden. Auch Bürofenster sollten nach Feierabend deshalb nicht gekippt bleiben. 

Pilzsuche lohnt sich derzeit kaum Zu heiß, zu trocken: Die Sommerpilz-Saison verläuft nach Angaben des Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen (BLP e.V.) nicht gut. Normalerweise könnte man jetzt etwa Pfifferlinge finden, sagt Wolfgang Bivour, Vorsitzender des Landesverbands, aber „die Saison ist schlecht“. Das sei vor allem witterungsbedingt.Pilze mögen es feucht und nicht zu heiß. Selbst wenn es regne, sei „die Feuchtigkeit bei 30 Grad auch wieder schnell raus“, sagt Bivour. „35 oder 40 Grad, das tut keinem Pilz gut.“ Pfifferlinge gebe es in der Regel von Ende Mai bis in den November hinein, sie sind relativ tolerant, was die Temperaturen angeht und können lange auf Feuchtigkeit warten. Aber „was zu wenig ist, ist zu wenig“, sagt der Pilzsachverständige Bivour. Jetzt sei „tote Hose“. 

Deutsche Feuerwehrleute in Spanien eingetroffenFeuerwehrleute aus Nordrhein-Westfalen sind zur Unterstützung im Kampf gegen die Waldbrände in Spanien angekommen. „Unser erstes Team wird gleich unmittelbar ausrücken zu den Bränden“, sagte Frank Frenser von der Feuerwehr Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Die spezialisierte Waldbrandeinheit hatte sich am Donnerstag auf den Weg in die nordwestliche Provinz Zamora gemacht. Zu dem Konvoi gehören 56 Einsatzkräfte und 21 Fahrzeuge. Die spanischen Behörden hatten das sogenannte Waldbrandmodul im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens angefordert. Es sei eine ländliche, bergige Gegend. Der Wind frische immer auf und fache das Feuer neu an. „Es ist großer Bedarf da, dass wir sofort in die Brandbekämpfung einsteigen.“ Erste Aufgabe sei es, den Boden und die Bäume auf Glutnester zu kontrollieren, um das Gelände sicher zu machen.

Neue Feuerfronten bedrohen Porto GermenoGerade schien es am Mittag ein wenig ruhiger zu werden um die Ortschaft Porto Germeno am Golf von Korinth, rund 60 Kilometer westlich von Athen entfernt. Doch dann zeigten Fernsehbilder eine Feuerwalze, die der Wind über Hügel und Berge trieb. Die Flammen schlugen doppelt so hoch wie die gut 20 Meter hohen, ausgewachsenen Aleppo-Kiefern des Waldes, wie der Nachrichtensender ERTnews zeigte. Aus der Luft konnte wegen der starken Winde weiterhin nicht gelöscht werden – alle Aktivitäten der Feuerwehr konzentrieren sich auf den Boden, und selbst dort ist es teils unmöglich, sich dem Waldbrand zu nähern. Hunderte Kräfte sind im Einsatz.

Sächsische Schweiz: Betreten von Waldflächen verbotenDas Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat das Betreten bestimmter Waldflächen nach dem schweren Unwetter offiziell verboten. Wer dagegen verstoße, könne mit Bußgeldern von 2500 bis 10.000 Euro belangt werden. Das Verbot gelte bis zum 3. August, 24.00 Uhr. In den betroffenen Gebieten drohten erhebliche Gefahren durch entwurzelte Bäume, angebrochene Stämme und herabhängende Baumkronen.

Klimakrise bringt zirpende Grillen nach DeutschlandWas man früher von lauen Urlaubsabenden am Mittelmeer kannte, gibt es nun häufiger in Deutschland zu hören: das markante Zirpen von Schrecken und Grillen. Letztlich führe die Klimakrise zu einem Artenwechsel, sagt Bernd Petri, Experte des Naturschutzbundes Hessen. „Organismen, die kühleres und feuchteres Wetter lieben, werden verschwinden. Zugleich werden hitze- und trockenheitsresistentere Arten hier Einzug erhalten.“„Seit einigen Jahren hören wir im Hochsommer die Weinhähnchen, die gab's vor 20 Jahren auch nur im Mittelmeerraum.“ Auch die Ödlandschrecke mit ihren blauen Flügen und die Südliche Grille breitet sich laut Nabu aus. Auch Vogelarten sind aus dem Mittelmeerraum eingewandert: Der Zistensänger brüte jetzt im zweiten Jahr hintereinander in den Bruchwiesen bei Büttelborn (Kreis Groß-Gerau), einem großen Schutzgebiet. Die zweite Art sei der Seidensänger, der sich ebenfalls in den Bruchwiesen aufhalte. Beide Vogelarten werden sich nach Einschätzung von Petri weiter verbreiten. 

Rhein-Pegel auf niedrigstem Stand seit AufzeichnungsbeginnAm Rhein-Pegel Köln wurden am Samstagmittag 67 Zentimeter gemessen – das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, wie aus den Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht. Der bisherige Rekord-Tiefstand in Köln hatte am 23. Oktober 2018 bei 69 Zentimetern gelegen. Im weiteren Tagesverlauf und am Sonntag soll das Wasser laut Prognose wieder leicht steigen. 

Unwetter hat auch Imbiss von TV-Köchin zerstörtDer Imbiss der TV- und Eventköchin Verena Leister am Amselsee in der Sächsischen Schweiz ist von umstürzenden Bäumen getroffen worden, von den knapp 30 dazugehörigen Ruderbooten ist vor lauter Stämmen kaum noch was zu sehen. „Das ist die Hölle“, sagt die Dresdner Köchin, die unter anderem in der Sat.1-Kochshow „The Taste“ dabei war.Leister hat ihren Urlaub abgebrochen. „Wir waren tatsächlich gerade das allererste Mal seit neun Jahren in unserem Sommerurlaub mit den Kindern. Und dann kam der Anruf und dann war für uns klar, es ist sofort Sachen packen und wir müssen nach Hause“, sagt sie. Die Familie sei über Nacht aus Kroatien durchgefahren.„Der Imbiss ist komplett bedeckt mit den ganzen Bäumen“, berichtet Leister. „Also von oben kam ein Riesenbaum drauf. Das Dach ist eingestürzt, ist undicht. Von innen kam die Decke runter. Die Wände sind verzogen und auch die Böden sind beschädigt.“ Der Betrieb werde dieses Jahr nicht mehr öffnen können.

Niedrigwasser: Magdeburger Fähre muss Betrieb einstellenTrockenheit und Niedrigwasser belasten auch die Fahrgastschifffahrt auf der Elbe. Das anhaltende Niedrigwasser von lediglich 46 Zentimeter am Pegel Strombrücke zwang die Magdeburger Verkehrsbetriebe am Freitag zur Einstellung des Fährbetriebs in Magdeburg-Westerhüsen, sagte der Geschäftsführer der Weißen Flotte, Hardy Puls, am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Gierfähre im Süden der Stadt sei extra für Niedrigwasserbetrieb ausgelegt, doch die Anlegestellen könnten beim aktuellen Wasserstand nicht mehr erreicht werden, hieß es.