Modschtaba Khamenei ist der neue Oberste Führer Irans. Der Sohn des zu Beginn des Krieges durch einen israelisch-amerikanischen Angriff getöteten Ali Khamenei wurde von der Expertenversammlung gewählt. Das berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf das zuständige Wahlgremium. Der 56 Jahre alte Modschtaba Khamenei galt als Kandidat der Hardliner innerhalb der Revolutionsgarde, zu der er seit Jahren enge Verbindungen pflegt. Seine Machtübernahme symbolisiert Kontinuität in einer Phase, in der die Islamische Republik um ihr Überleben kämpft. Seit Jahren soll er im Büro des Obersten Führers eine zentrale Rolle gespielt haben. Es heißt, de facto habe er längst Teile der Aufgaben seines Vaters übernommen. Doch er agierte im Hintergrund und äußerte sich selten in der Öffentlichkeit. Er könnte nun zum Ziel neuer Angriffe werden Durch die Ernennung mitten im Krieg läuft Modschtaba Khamenei große Gefahr, selbst zum Ziel amerikanischer oder israelischer Luftangriffe zu werden. Israel hat bereits mehrfach angekündigt, dass es den neuen Obersten Führer als Ziel ansieht. Verteidigungsminister Israel Katz bekräftigte das am vergangenen Mittwoch: „Jeder Anführer, der vom iranischen Terrorregime ausgewählt wurde, um den Plan zur Zerstörung Israels weiter anzuführen, die USA, die freie Welt und die Länder in der Region zu bedrohen sowie das iranische Volk zu unterdrücken, wird mit Sicherheit zu einem zur Tötung freigegebenen Ziel, egal wie er heißt oder wo er sich versteckt.“ Israel hatte außerdem den Expertenrat, der für die Auswahl des Obersten Führers zuständig ist, ins Visier genommen und damit den Prozess erschwert. In der vergangenen Woche war ein Gebäude des Rats angegriffen worden. Dass das Gremium aus 88 Geistlichen diese Entscheidung nun trotzdem getroffen hat, wird zum einen als Machtdemonstration gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump verstanden, der erklärt hatte, er selbst werde den Obersten Führer auswählen. Zum anderen hinterließ der Tod Ali Khameneis ein Machtvakuum, das in der politischen Elite zuletzt zu Richtungs- und Machtkämpfen führte. Offenbar will man mit der Ernennung Modschtaba Khameneis wieder mehr Kohäsion in der Führung herstellen. Khamenei soll für Gewalt gegen Demonstranten verantwortlich sein In der Bevölkerung wird sein Name mit der blutigen Niederschlagung der Proteste von 2009 assoziiert. Damals hieß es, Modschtaba Khamenei habe die Basidsch-Milizen befehligt, die mit Gewalt gegen Demonstranten vorgingen. Die Opposition warf ihm außerdem vor, die Präsidentenwahl zugunsten des Amtsinhabers Mahmud Ahmadineschad gefälscht zu haben. Prominente Oppositionelle erklärten später, Modschtaba Khamenei treibe ihre juristische Verfolgung persönlich voran. Ein früherer Chef des Staatsfernsehens schrieb in seinen Memoiren, dass Modschtaba Khamenei schon Ende der Neunzigerjahre daran beteiligt war, die Reformen des Präsidenten Mohammad Khatami zu blockieren. Berichte über Luxusimmobilien in Frankfurt Unter Regimeanhängern und im Klerus soll es Bedenken gegen Modschtabas Machtübernahme gegeben haben, weil der Übergang vom Vater zum Sohn die Anmutung einer Dynastie hat. Genau gegen diese Art der Herrschaft, gegen die Königsdynastie der Pahlavis, hatte sich 1979 die Revolution gerichtet. Die Islamische Republik verstand sich als Gegenentwurf dazu. Aus dem Umfeld des getöteten Obersten Führers Ali Khamenei wurde mehrfach verbreitet, dieser habe sich genau aus diesem Grund gegen seinen Sohn ausgesprochen. Gerüchte, wonach Modschtaba Khamenei die Nachfolge seines Vaters antreten könnte, verdichteten sich dennoch seit 2024, als er seine Tätigkeit als islamischer Gelehrter in Qom aufgab. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete im Januar, dass Modschtaba Khamenei über zahlreiche Luxusimmobilien in Frankfurt, London und Dubai verfüge. Sie seien nicht unter seinem Namen registriert. Vielmehr diene ihm der Geschäftsmann Ali Ansari als Strohmann. Ansari hat das bestritten. Der Zeitpunkt der Enthüllung lässt darauf schließen, dass es Kräfte gab, die Modschtaba Khamenei als Nachfolger seines Vaters verhindern wollten. Über ihn als Person und seine politischen Pläne ist wenig bekannt. Es gibt kein einziges Interview mit ihm und nur wenige Fotos. Bei dem Luftangriff auf seinen Vater am vergangenen Samstag wurden auch Modschtabas Mutter und seine Frau getötet, die Tochter eines früheren Parlamentssprechers. Man kann also annehmen, dass ihm derzeit der Sinn nach Vergeltung steht.
