FAZ 30.09.2026
05:54 Uhr

Klub streitet ab: Manchester City im Finanzskandal schuldig gesprochen


Die Premier League hat Manchester City wegen Verstößen gegen die Finanzregeln für schuldig befunden. Dem Klub drohen harte Strafen, sogar ein Ligaausschluss ist möglich. Noch kann er Berufung einlegen.

Klub streitet ab: Manchester City im Finanzskandal schuldig gesprochen

Der englische Fußball-Topklub Manchester City ist von einer unabhängigen Kommission in allen Anklagepunkten wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League zwischen den Spielzeiten 2009/10 und 2017/18 für schuldig befunden worden. Das hat die Liga nun offiziell bestätigt. Der Verein hat bis Freitag Zeit, Berufung einzulegen. Es ist einer der größten Skandale in der Geschichte des englischen Fußballs. Der ehemalige Verein von Trainer Pep Guardiola muss nun mit schweren Sanktionen rechnen, zu denen ein massiver Punktabzug oder sogar der Ausschluss aus der Premier League gehören könnten. Richard Masters, Chef der Premier League, bezeichnete das Verfahren und die Entscheidung als „den bedeutendsten Fall in der Geschichte der Premier League“. Mögliche Strafe steht noch aus Nachdem die Vorwürfe nun als erwiesen gelten, soll über die Strafen gegen den mehrmaligen englischen Meister in einer weiteren Anhörung vor der unabhängigen Kommission gesondert entschieden werden, wie die Premier League mitteilte. Manchester City reagierte enttäuscht auf die veröffentlichte Stellungnahme der Premier-League-Kommission und beteuerte seine Unschuld. Der Verein kündigte in einem Statement an, dass man Berufung einlegen werde. Die Entscheidung enthalte „eindeutige wesentliche Fehler in rechtlicher Hinsicht sowie bei Grundsätzen und Tatsachen“ und sei daher nicht tragfähig. Zwangsabstieg gefordert Der frühere Vereinsvorsitzende von Manchester City, David Bernstein, hat für den Fall eines endgültigen Schuldspruches den Zwangsabstieg der Himmelblauen gefordert. „Die Sanktionen dürfen nicht nur finanzieller Natur sein, sie müssen weit darüber hinausgehen. Wenn die Berufung des Klubs scheitert, kann City nicht in der Liga bleiben“, sagte Bernstein der britischen BBC. Für die Einordnung der Vorgänge beim früheren Champions-League-Gewinner fand Bernstein, Citizens-Boss von 1998 bis 2003 und später zwei Jahre lang an der Spitze des englischen Verbands FA, nur drastische Worte. „Es ist sehr, sehr ernst. Ich finde es schrecklich. Es geht um einen Fußballverein, der Teil einer Liga ist, und die gesamte Glaubwürdigkeit der Liga steht auf dem Spiel“, meinte der 83-Jährige: „Es handelt sich um eine tief verwurzelte Form von Betrug, und wenn es so ist, ist dies etwas so Ernstes, dass es über die Fußballbehörden hinausgeht.“ Verfahren dauerte mehr als drei Jahre Die Premier League hatte Man City im Februar 2023 nach mehrjährigen Ermittlungen angeklagt, die durch die Enthüllungen der „Football Leaks“ im „Spiegel“ ausgelöst worden waren. Die Vorwürfe beziehen sich im Kern auf die Jahre 2009 bis 2018, in denen der Klub dreimal englischer Meister wurde. Sie reichen von falschen Angaben zu Finanzen und Sponsoringeinnahmen bis zu unvollständigen Informationen über Trainer- und Spielergehälter. Obendrein soll City bei der Aufklärung nicht ausreichend mit der Liga kooperiert haben. Der Verein, der seit 2008 Scheich Mansour aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi gehört, wies die Vorwürfe immer wieder zurück. Ende September hatte zuerst das Portal „The Athletic“ über den Schuldspruch berichtet. Klubchef Khaldoon Al Mubarak schrieb daraufhin an die Fans, die Zuversicht, die Unschuld des Klubs zu beweisen, sei ungebrochen. Er sieht City im Visier von Gegnern: Es gebe „noch immer viele, die den Aufschwung unseres Clubs untergraben wollen“. Es ist nicht das erste Mal, dass Manchester City bestraft wird. Schon 2020 hatte die UEFA City wegen Verstößen gegen das „Financial Fairplay“ für zwei Jahre von den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob die Sperre auf und senkte die Geldstrafe von 30 auf 10 Millionen Euro.