Genau 373 Kinder und Jugendliche haben 2023 in Offenbach Leistungen zur „Teilhabe an Bildung“ erhalten, 2025 waren es 546, und schon im ersten Halbjahr dieses Jahres floss die Unterstützung in 424 Fällen – ein Anstieg um mehr als ein Drittel im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Das hat Konsequenzen für den Haushalt der Stadt: Das eingeplante Geld wird nicht genügen. Nach Angaben der Stadtverwaltung muss „in Millionenhöhe“ umgeschichtet werden, im September sollen die Stadtverordneten über überplanmäßige Ausgaben entscheiden. Nach Angaben der Stadt liegt der Haushaltsansatz 2026 für die Eingliederungshilfe bei 33,5 Millionen Euro. Das Jugendamt rechne derzeit mit einem Finanzbedarf von mehr als 40 Millionen Euro bis zum Jahresende, heißt es in der Antwort auf die Anfrage der F.A.Z. Wie stark sich die Mehrbelastung am Jahresende im Offenbacher Haushalt auswirke, hänge von weiteren Faktoren ab, zum Beispiel der Entwicklung der Gewerbesteuer und des Gesamthaushalts. Mehr Fälle psychischer Erkrankungen In der städtischen Mitteilung wird darauf verwiesen, dass Offenbach die Leistungen finanzieren muss, die zugrundeliegenden Regelungen aber vom Land und vom Bund beschlossen worden sind. Die sogenannte Eingliederungshilfe steht Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu. Die Unterstützung reicht laut städtischen Angaben von der Frühförderung über heilpädagogische Angebote in Kindergärten zur Teilhabeassistenz in den Schulen. Gerade dort sind in den vergangenen Jahren nach Angaben der Stadt die Fallzahlen in deutschen Kommunen deutlich gestiegen. Wesentlicher Grund ist nach städtischer Darstellung ein Anstieg von Diagnosen „psychischer Erkrankungen und Autismus-Spektrum-Störungen“. Ein Teil des Anstiegs begründe sich auch mit einem höheren Unterstützungsbedarf als Folge der Corona-Pandemie, aber : „Anders als erwartet haben sich die Fallzahlen seither allerdings nicht stabilisiert“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Zugenommen habe die Zahl besonders komplexer Einzelfälle. Die sei zwar vergleichsweise gering, habe aber erhebliche Auswirkungen. Bund beschließt, Stadt bezahlt In der Sache stehe die Stadt „ausdrücklich“ hinter dem Ziel der Inklusion und werde die Leistungen für Kinder und Jugendliche erbringen, wird die neue Sozialdezernentin Helena Wolf (SPD) zitiert. Aber es sei eben auch ein Beispiel dafür, dass Gesetze im Bund und im Land beschlossen würden, deren finanzielle Auswirkungen die Kommunen tragen müssten. Die „auskömmliche Finanzierung“ für neue oder erweiterte Leistungen müsse von Bund und Land sichergestellt werden, heißt es auch vom Offenbacher Kämmerer Martin Wilhelm (SPD). Laut Stadt ist die Eingliederungshilfe aktuell der am stärksten wachsende Ausgabenblock. Sie verweist auf Daten des Statistischen Bundesamts: Die kommunalen Sozialausgaben seien von 2024 auf 2025 um rund zwölf Prozent gestiegen, bei der Eingliederungshilfe betrage das Plus 13,6 Prozent. Auch Großstädte wie Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden berichteten von einem deutlich gestiegenem Bedarf an Schul- und Teilhabeassistenz. Um dem Rechnung zu tragen, will die Stadt Offenbach unter anderem prüfen, ob zum Beispiel Unterstützungsangebote möglich sind, die mehreren Kindern gleichzeitig zugutekommen. Solche Ansätze wolle man in Pilotprojekten erproben, dann Wirkung und Wirtschaftlichkeit bewerten.
