Wer Stuttgart mit der Bahn besucht, sieht die Misere der Baupolitik. Statt in einem modernen Hauptbahnhof kommen Reisende und Pendler immer noch in einer Baustelle an. Farbige Linien auf dem Boden weisen den Fußweg zu Bus und Bahn. Einheimische sprechen von einem „Fernwanderweg“, so lange dauert die Strecke zu den Haltestellen des Nahverkehrs. Haben sich doch die Gegner von „Stuttgart 21“ durchgesetzt? Statt der einst geplanten Neueröffnung im Jahr 2019 liegen Schätzungen nun bei einem Start zum Jahresende 2031. Ähnlich langfristig verlaufen auch andere Großprojekte in Deutschland: der Flughafen in Berlin, die Elbphilharmonie in Hamburg, eine Opernsanierung in Köln, der Fehmarnbelt-Tunnel nach Dänemark. Viele öffentliche Bauvorhaben dauern länger und kosten mehr als angekündigt. Positive Beispiele sind schwerer zu finden. Lernen lässt sich vom Frankfurter Flughafen, der das Terminal 3 fristgerecht eröffnet hat. Es helfen gutes Projektmanagement, vorausschauende Planung, einzelne Vergabeprozesse und ein Stopp nachträglicher Anpassungen. Allein an der Größe kann es nicht liegen: Auch Schulsanierungen und Neubauten der Kommunen kommen selten schnell genug voran. Selbst die Verlängerung einer U-Bahn-Strecke zieht sich in Frankfurt wohl bis ins Jahr 2029 hin, deren Inbetriebnahme zuvor verspätet für das Jahr 2024 angekündigt war. Die Verzögerungen der kleineren und größeren Bauprojekte zeigen, wie sehr bürokratische Vorgaben ein Land lähmen können.
