FAZ 15.03.2026
12:00 Uhr

Lawinengefahr: Ein erstes Resümee des Winters


Höhere Lawinengefahr, mehr Übernachtungen, weniger Tagesgäste: In einer ersten Bilanz zeichnen die alpinen Wintersportorte ein gemischtes Bild der noch laufenden Saison.

Lawinengefahr: Ein erstes Resümee des Winters

Die erste Zwischenbilanz der Touristiker zur Wintersaison fällt gemischt aus. In den höheren Lagen der Alpen gab es zwar schon früh im Winter Niederschläge und eine solide Schneeauflage. Destinationen in tiefer gelegenen Regionen profitierten davon aber nicht. Österreichs Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zeigt sich dennoch zufrieden: „Die starke Winterhalbzeit unterstreicht Österreichs Attraktivität als Winterdestination“, erklärte sie Ende Februar in einer ersten Einschätzung. Hier sei ein Plus von 6,7 Prozent bei den Übernachtungen von Gästen zu verzeichnen gewesen. In Südtirol, dem Land des selbst auferlegten Bettenstopps, vermeldeten die Beherbergungsbetriebe im Januar ein Plus bei den Gästen um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch aus Frankreich kommen positive Nachrichten: Im Januar habe die Auslastung um 3,1 Prozent über dem Niveau des Vorwinters gelegen. Insgesamt soll es in diesem Winter in den französischen Alpen ein leichtes Plus geben. Wo Schnee fällt, kommen Tagestouristen Wie schwierig es gerade im Wintertourismus ist, ein einheitliches Bild zu zeichnen, zeigt die Schweiz. Laut Schweizer Bergbahnen sei der zunächst milde Winter insbesondere für kleinere, tiefer gelegene Skigebiete herausfordernd gewesen. Während die Bergbahnen im Wallis mit einem Plus von zwei Prozent zwischen dem Saisonstart und Ende Februar einen leicht günstigeren Verlauf als im Vorjahr vorweisen und Graubünden auf hohem Vorjahresniveau stagniert, verzeichnen die Bahnen in den übrigen Regionen Rückgänge. Mit minus elf Prozent ist der in der Ostschweiz sogar überaus deutlich. Zwei Gründe nennt Berno Stoffel, der Direktor des Seilbahnverbands: Die Ostschweiz weise im Vergleich zu anderen Regionen eine tiefere durchschnittliche Höhenlage auf. Zudem sei das Vorjahr wegen des hohen Anteils an Tagesgästen aus Zürich außerordentlich stark gewesen. Diese Gäste würden viel schneller auf das Wetter und die Verhältnisse reagieren. Man fährt kurzfristig dorthin, wo es genug Schnee gibt. Der Kälteeinbruch und die Schneefälle im Februar hätten nach einem schwierigen Saisonstart in tiefer gelegenen Gebieten für eine spürbare Entlastung gesorgt, heißt es in der Schweiz. Die Schneefälle brachten aber auch eine zusätzliche Herausforderung. Mitte Februar war die Lawinengefahr gerade in der Schweiz und im Westen Österreichs „groß“. Am 20. Februar starben bei einem Lawinenereignis am Arlberg drei Variantenfahrer. Um insbesondere die Gäste, die mit dem Lawinenlagebericht nicht erreicht werden, für die Gefahr zu sensibilisieren, setzte das Land Tirol an den neuralgischen Tagen einen AT-Alert ab, der eine Million Mobiltelefone erreichte. Ungünstig wirkte sich dabei aus, dass der erste Schnee bei sehr kalten Temperaturen fiel. Die Folge: eine ungünstige Unterlage und ein perfekter Gleithorizont für Lawinen. Anfang Januar warnten die Experten des schweizerischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF): „Neu- und Triebschnee sind vielerorts sehr schlecht mit der alten Oberfläche verbunden.“ Die Gefahr blieb bestehen und verschärfte sich mit den starken Schneefällen Mitte Februar. Trotz der wärmeren Temperaturen war sie auch Anfang März nicht gebannt. Insbesondere für Graubünden und das Engadin, aber auch für das Wallis warnte das SLF noch immer vor Lawinen, die „in tief liegenden, langlebigen Schwachschichten ausgelöst“ werden. Und nachdem am Sonntag ein Schneeschuhtourengeher im Stubai durch eine Lawine starb, erklärte der Lawinenwarndienst Tirol: „Die für den Abgang der Schneebrettlawine relevante Schwachschicht war einmal mehr im bodennahen Altschnee begründet.“ Auch wenn die Temperaturen wärmer werden, in niedrigeren Lagen schon längst Krokusse und Schneeglöckchen blühen, ist die Skisaison auf den Pisten noch nicht vorbei. Der Vorteil des Frühjahrsskilaufs: Es ist angenehm warm, und die Pisten sind weniger frequentiert. Der Deutsche Skiverband nennt einen weiteren Vorteil: Weil die Temperaturen nachts noch immer bis unter den Gefrierpunkt sinken, sind die Pisten am Morgen griffig. Die Sonne bringt den Schnee dann zum Schmelzen. „Der stetige Kreislauf von Tauen und Gefrieren bildet eine sehr kompakte Piste, ehe die Sonne Skifahrern dann spaßige Firnabfahrten beschert.“ Möglichkeiten dafür gibt es noch genug. In Deutschland wollen die Bahnen am Brauneck bei Lenggries, in Bad Hindelang, am Fellhorn/Kanzelwand und am Feldberg je nach Schneelage bis Ostern fahren. Auf der Zugspitze und am Nebelhorn werden die Pisten sogar bis Ende April präpariert. Am Arlberg ist Skilauf bis 19. April möglich. Bevor die Bahnen am 3. Mai im österreichischen Ischgl den Betrieb einstellen, steigt am ­2. Mai die Abschlussparty – in diesem Jahr mit Christina Aguilera. Die Bahnen am Titlis im schweizerischen Engelberg wollen bis zum 3. Mai in Betrieb bleiben. Die 4 Vallées fahren wie Andermatt und Saas-Fee bis 19. April. In Frankreich sind die Skigebiete Les 3 Vallées und Les 2 Alpes bei Grenoble bis 3. Mai in Betrieb. Auf dem Kronplatz in Südtirol endet der Winter am 19. April 2026. Dagegen ist die Sellaronda (Gröden, Alta Badia, Arabba, Fassatal) in dieser Saison am 7. April zum letzten Mal befahrbar.