FAZ 20.03.2026
11:18 Uhr

Liveblog Irankrieg: Bericht: USA intensivieren Kampf um Straße von Hormus


Schröder begrüßt Linie von Merz zum Irankrieg +++ Reiche kritisiert mögliche Lockerung von US-Ölsanktionen gegen Iran +++ Bericht: US-Kampfflugzeug wohl von iranischem Beschuss getroffen +++  alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Bericht: USA intensivieren Kampf um Straße von Hormus

Abu Dhabi: Festnahmen wegen Verbreitung von FehlinformationenIn den Vereinigten Arabischen Emiraten sind nach Polizeiangaben mehr als 100 Menschen wegen Vorwürfen der Verbreitung von Falschinformationen festgenommen worden. Die Polizei in der Hauptstadt Abu Dhabi teilte auf X mit, 109 Menschen seien festgenommen worden, weil sie während „der laufenden Ereignisse Orte und Vorfälle“ gefilmt sowie falsche Informationen über soziale Medien verbreitet hätten. Die Polizei erklärte, solche Aktionen könnten die „öffentliche Meinung aufhetzen“ und Gerüchte in der Gesellschaft verbreiten. Es handle sich um Menschen unterschiedlicher Nationalitäten. Weitere Details wurden nicht genannt. Kritik an der Regierung, den Behörden und ihrer Arbeit stehen in den Emiraten unter Strafe. Es drohen Geldstrafen in Höhe von mehreren Zehntausend Euro und auch mehrere Jahre Haft.

Energieagentur-Chef: Öl- und Gaskrise kann bis zu sechs Monate dauernDer Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat vor der möglicherweise schwersten Energiekrise der Geschichte gewarnt. Es könne bis zu sechs Monate dauern, die Öl- und Gasflüsse aus der Golfregion wiederherzustellen. „Es wird für ​einige Anlagen sechs Monate dauern, bis sie wieder betriebsbereit sind, für andere noch viel länger“, sagte Birol der „Financial Times“. Politiker und Märkte unterschätzten das Ausmaß der Störung. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasversorgung sei in der Golfregion blockiert. 

Hilfsorganisation: Humanitäre Notlage in Iran verschärft sichDer Leiter des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), Jan Egeland, hat vor einer dramatischen Verschlechterung der humanitären Lage in Iran gewarnt. Schätzungen zufolge seien mehr als drei Millionen Menschen im Land auf der Flucht, sagte Egeland dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera.Iran sei riesig und der Bedarf wachse rasant, so der NRC-Generalsekretär. Seine Hilfsorganisation sei „überlastet, überfordert und unterfinanziert“. Schiffs- und Flugverkehr seien unterbrochen, sodass lokale und internationale Gruppen Schwierigkeiten hätten, dringend benötigte Hilfsgüter ins Land zu bringen.„Die Menschen fliehen mit ihren eigenen Autos aus den Großstädten, vor allem aus Teheran, in der Hoffnung, dass kleinere Städte sicher sind, doch viele dieser Orte werden ebenfalls bombardiert“, so Egeland. Je länger der Konflikt andauere, desto stärker würden alle Lebensbereiche beeinträchtigt: öffentliche Dienste brächen zusammen, Versorgungswege würden unterbrochen, Geschäfte schließen oder würden zerstört, und die Hilfsarbeit werde immer schwieriger.

Schweiz genehmigt keine Waffenexporte mehr in USADie Schweiz genehmigt unter Berufung auf ihre Neutralität wegen der Angriffe auf Iran bis auf Weiteres keine Waffenexporte mehr in die Vereinigten Staaten. „Die Ausfuhr von Kriegsmaterial in Länder, die ​in den internationalen bewaffneten Konflikt mit dem Iran verwickelt sind, kann für die Dauer des Konflikts nicht genehmigt werden“, teilte am Freitag die Regierung in Bern mit. „Ausfuhren von Kriegsmaterial in die USA können derzeit nicht genehmigt werden.“

„Auf gar keinen Fall“: Schröder begrüßt Linie von Merz zum IrankriegAltkanzler Gerhard Schröder (SPD) begrüßt die Haltung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), den USA eine militärische Unterstützung im Irankrieg zu verweigern. „Das kann man nicht machen, auf gar keinen Fall“, sagte Schröder der „Süddeutschen Zeitung“ zu der Frage, ob sich Deutschland an einer militärischen Intervention beteiligen solle, um wieder einen Öltransport durch die von Iran blockierte Straße von Hormus zu ermöglichen.„Was die Amerikaner und die Israelis da tun, das finde ich zum Verzweifeln. Das ist im Grunde ein Krieg, der auch aus ideologischen Gründen geführt wird, den man nicht wirklich gewinnen kann, und der mich sehr an den Vietnamkrieg erinnert“, sagte Schröder. Die Festigkeit des Machtapparats im Iran sei unterschätzt worden.Schröder hatte 2003 als sozialdemokratischer Kanzler Nein zu einer deutschen Beteiligung an der US-Invasion im Irak gesagt. Die Amerikaner hatten damals eine „Koalition der Willigen“ gebildet, der sich auch einige europäische Bündnispartner anschlossen, darunter Großbritannien und Spanien. Deutschland und Frankreich lehnten die Militärmission ab.

Teile von Ölraffinerie in Kuwait nach Drohnenangriff abgeschaltetIn Kuwait sind nach Drohnenangriffen Teile einer Ölraffinerie abgeschaltet worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf die Kuwait Petroleum Corporation (KPC) berichtete, wurde die Ölraffinerie Mina al-Ahmadi am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) Ziel mehrerer Drohnenangriffe. Dabei sei in einigen Anlagen der Raffinerie Feuer ausgebrochen.Ersten Informationen zufolge gibt es keine Verletzten oder Tote infolge der Angriffe. KPC erklärte demnach weiter, dass Feuerwehr und Rettungskräfte sofort mit den Löscharbeiten begannen und mehrere Anlagen der Raffinerie abgeschaltet wurden. Die Raffinerie war erst am Donnerstag getroffen worden, dabei kam es nach KPC-Angaben zu einem begrenzten Brand. Die Anlage gehört zu den wichtigsten Ölraffinerien des Landes und auch der Golfregion.

Iran droht Feinden im In- und Ausland mit GeheimdienstDie iranische Führung hat die Mitarbeiter des Geheimdienstes dazu aufgerufen, den „Feinden im In- und Ausland“ die Sicherheit zu entziehen. In einer Mitteilung auf dem X-Profil des neuen obersten Führers, Modschtaba Khamenei, hieß es weiter, nach dem Tod von Geheimdienstchef Ismail Chatib müssten die „übrigen Beamten und Mitarbeiter dieses sensiblen Ministeriums“ diese Lücke ausgleichen. Modschtaba Khamenei ist seit seiner Ernennung zum neuen Religionsführer am 8. März nicht öffentlich in Erscheinung getreten – weder mit einer Audio- noch mit einer Videobotschaft. Laut Aussage der US-Regierung ist er verletzt. Nähere Informationen gibt es bislang nicht. Geheimdienstminister Chatib wurde nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff in der Nacht zum Mittwoch getötet.

Sprecher von Irans Revolutionsgarden getötetIm Iran ist der Sprecher der Revolutionsgarden, Ali Mohammad Naini, bei einem Angriff der Vereinigten Staaten und Israels getötet worden. Das ⁠berichtete am Freitagvormittag das staatliche iranische Fernsehen. 

Wirtschaftsministerin Reiche kritisiert mögliche Lockerung von US-SanktionenBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat Überlegungen von US-Finanzminister Scott Bessent über eine mögliche Lockerung der Sanktionen für iranisches Öl kritisiert. „Jeder Dollar für Öl aus dem Iran stabilisiert ein Regime, das unseren Werten fundamental entgegensteht“, sagte Reiche der „Bild“-Zeitung. Hintergrund sind Äußerungen Bessents, der die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatte, die Handelsbeschränkungen für rund 140 Millionen Barrel iranisches Öl, die sich derzeit auf See befinden, aufzuheben. Bessent sagte am Donnerstag dem Sender Fox News, bereits auf Tankern befindliches Öl könne von den Strafmaßnahmen ausgenommen werden, um den Ölpreisschock abzumildern. Zudem erwägen die USA nach seinen Angaben, weiteres Öl aus ihren strategischen Reserven freizugeben. Zuvor hatte die US-Regierung bereits Sanktionen auf russisches Öl gelockert. Reiche sagte dazu der „Bild“, es könne „nicht in unserem Interesse sein, durch Lockerung von Ölsanktionen Regimes zu stärken, die für Unterdrückung und Terror im Inneren stehen oder einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nach außen führen“. Jeder Dollar für russisches Öl speise „auch die Kriegskasse“, gleiches gelte für die Stabilisierung der Islamischen Republik in Teheran. Als Konsequenz kündigte die Wirtschaftsministerin an, die deutsche Energiepolitik weiter auf Eigenständigkeit auszurichten. „Deshalb halten wir konsequent Kurs: hin zu mehr Unabhängigkeit, mehr Diversifizierung von Energieimporten und einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien“, sagte Reiche.

Bericht: US-Kampfflugzeug wohl von iranischem Beschuss getroffenEin amerikanisches Tarnkappen-Kampfflugzeug vom Typ F-35 ist US-Medienberichten zufolge von mutmaßlich iranischem Beschuss getroffen worden. Das Flugzeug habe an einem US-Luftwaffenstützpunkt im Nahen Osten notlanden müssen, berichteten am Donnerstag mehrere Medien, darunter die Sender ABC und CNN. Der Sprecher für das Nahost-Kommando Centcom, Tim Hawkins, erklärte, das Flugzeug sei sicher gelandet und der Pilot befinde sich in stabilem Zustand. Hawkins bestätigte die Medienberichte nicht. „Dieser Vorfall wird untersucht“, erklärte er.Die amerikanische Armee hat im bisherigen Verlauf des Iran-Krieges bereits mehrere Flugzeuge verloren. Anfang März waren drei Kampfflugzeuge vom Typ F-15E nach Angaben der US-Armee „versehentlich“ von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen worden. Alle sechs Insassen konnten sich aber per Schleudersitz retten. Mitte März stürzte ein Betankungsflugzeug vom Typ KC-135 über dem Westirak ab. Dabei starben sechs Besatzungsmitglieder. Bislang ist jedoch kein Flugzeug bekannt, das von iranischem Beschuss getroffen wurde.

Golfstaaten melden Raketen- und Drohnenangriffe Mehrere Golfstaaten haben abermals Angriffe auf ihre Territorien gemeldet. Das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate meldete am Freitagmorgen eine „Bedrohung durch Raketen“. Die kuwaitische Armee erklärte, ihre Luftabwehr habe auf „feindliche Raketen- und Drohnenbedrohungen“ reagiert. Das saudiarabische Verteidigungsministerium gab bekannt, seine Streitkräfte hätten sechs Drohnen im Osten des Landes und eine weitere im Norden „abgefangen und zerstört“.Bahrains Innenministerium gab bekannt, Splitter einer „iranischen Aggression“ hätten in einer Lagerhalle ein Feuer ausgelöst. Der Brand sei unter Kontrolle gebracht und niemand verletzt worden. Das Ministerium hatte zuvor erklärt, Luftalarmsirenen seien aktiviert worden.

Qatar: Angriffe verringern Exportkapazität für Flüssigerdgas um 17 ProzentDie Angriffe auf qatarische Energieanlagen werden die Exportkapazitäten des Landes für Flüssigerdgas (LNG) nach Angaben des qatarischen Energieministers um 17 Prozent verringern. „Die Reparatur der Schäden an den LNG-Anlagen wird zwischen drei und fünf Jahren dauern\", erklärte Energieminister Saad Scherida al-Kaabi am Donnerstag. Das werde zu geschätzten Verlusten von 20 Milliarden Dollar (17,3 Milliarden Euro) bei den Jahreseinnahmen führen.Von den ausbleibenden Exporten sind dem qatarischen Energieminister zufolge China, Südkorea, Italien und Belgien betroffen. Aufgrund der Schäden werde die qatarische Regierung in einigen LNG-Verträgen „höhere Gewalt\" erklären müssen. Dieser juristische Begriff besagt, dass Ereignisse außerhalb seiner Kontrolle dazu führen können, dass das Land seine Exportziele verfehlt.