FAZ 10.09.2026
01:50 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Norwegens Regierungschef: Selenskyjs Flugzeug nur knapp von Drohne verfehlt


Kiew: Risiko für Selenskyj bei Vorfall „übertrieben“ +++ Ukrainische Seedrohnen treffen Sotschi +++ Zwei Tote bei russischem Angriff auf Einkaufszentrum +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Norwegens Regierungschef: Selenskyjs Flugzeug nur knapp von Drohne verfehlt

Selenskyj berichtet von mehreren Angriffen gegen RusslandDie Ukraine hat nach eigenen Angaben abermals mehrere Ziele in Russland angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb in sozialen Medien von Angriffen auf acht Infrastrukturobjekte, die dem Krieg dienten. Getroffen worden sei eine Ölraffinerie im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und ein Handelshafen in der russischen Teilrepublik Dagestan. Angegriffen wurden demnach auch Anlagen in den Regionen Moskau, Woronesch, Astrachan und Brjansk, schrieb Selenskyj, ohne Details zu nennen.Im Gebiet Woronesch wurde nach Angaben von Gouverneur Alexander Gussew eine Frau bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der Stadt Borissoglebsk getötet. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden. Über der Region seien 19 ukrainische Drohnen abgewehrt worden. Dagestans kommissarischer Republikchef, Fjodor Schtschukin, teilte mit, dass herabstürzende Drohnentrümmer Feuer in der Hafeninfrastruktur und einem Theater in Machatschkala ausgelöst hätten. Verletzte gebe es nicht.Unterdessen sind durch russischen Beschuss in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk mindestens 16 Menschen verletzt worden. Viermal sei die frontnahe Stadt beschossen worden, teilte der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mit. Einschläge hat es demnach in einem Wohngebiet und in der Nähe von Schulen gegeben. Filaschkin forderte die verbliebenen Einwohner abermals zur Flucht auf. Die Frontlinie ist nur etwas mehr als zwölf Kilometer von Kramatorsk entfernt. 

Russland: Acht Verletzte nach Angriff mit Marinedrohnen in SotschiBei einem Angriff mit Marinedrohnen auf den russischen Schwarzmeer-Badeort Sotschi sind nach Behördenangaben acht Menschen verletzt worden. Die Strandinfrastruktur ‌sei nach dem Angriff teilweise beschädigt, teilen die Behörden der Region Krasnodar über den Messengerdienst Telegram mit. Ein von der Nachrichtenagentur Reuters ‌verifiziertes Video ‌in den sozialen Medien zeigt Schüsse und eine Explosion an einer Uferpromenade. In Sotschi befindet sich eine offizielle Residenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin. ​Angriffe der Ukraine mit Marinedrohnen ⁠sind im Vergleich zu Attacken aus der Luft eher selten.

Ukraine meldet zwei Tote bei russischem Drohnenangriff auf Einkaufszentrum in SumyBei einem russischen ‌Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der nordukrainischen Stadt Sumy sind nach Angaben des ‌regionalen Gouverneurs ‌zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden. Vier der Verletzten seien ​in einem ernsten Zustand, ⁠teilt Gouverneur Oleh Hryhorow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Unter ​den Verletzten seien auch drei Teenager. ⁠Auf Fotos, die ‌der Gouverneur im Internet veröffentlichte, sind ein schwer beschädigtes Gebäude und verstreute ⁠Trümmer zu sehen. ⁠Laut dem Gouverneur sind die Rettungskräfte ⁠weiter ​im ⁠Einsatz. Die an Russland ​grenzende Region ist immer wieder ‌Ziel schwerer Angriffe. Moskau will dort nach ​eigenen Angaben eine ​Pufferzone einrichten.

Norwegischer Regierungschef: Selenskyjs Flugzeug nur knapp von Drohne verfehlt – Kiew: „Übertrieben“Ein Flugzeug mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Bord ist nach norwegischen Angaben in Moldau beinahe von einer Drohne getroffen worden. Der Vorfall habe sich beim Start der Maschine in Moldau ereignet, sagte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Störe am Mittwochabend dem Rundfunksender NRK. „Das ist die Realität, in der er lebt“, sagte Gahr Störe zu der mutmaßlichen Gefährdung Selenskyjs bei dem Flug. Weitere Angaben machte er nicht.  Angaben aus der Ukraine und aus Moldau relativierten die Darstellung des Norwegers. Aus dem Umfeld des ukrainischen Präsidenten verlautete, es sei „übertrieben“, dass Selenskyj einem Risiko ausgesetzt gewesen wäre. Als eine russische Drohne in den Luftraum von Moldau und Rumänien eingedrungen sei, sei in Moldau ein Alarm ausgelöst worden.Der moldauische Regierungssprecher Dumitru Ciorici erklärte, Moldau habe seinen Luftraum am Dienstagnachmittag kurz nach 16.30 Uhr geschlossen, nachdem eine aus der Ukraine kommende russische Drohne eingedrungen sei. Nach 17.20 Uhr hätten die Behörden bestätigt, dass die Drohne abgestürzt und in etwa 160 Kilometer Entfernung vom internationalen Flughafen Chișinău explodiert sei. Die Flugbeschränkungen seien daraufhin aufgehoben worden, und das Flugzeug des ukrainischen Präsidenten sei später als geplant gestartet.Selenskyj war am Dienstagabend in der norwegischen Hauptstadt Oslo eingetroffen, wo er am Mittwoch an der Beerdigung von König Harald V. teilnahm. Am Vorabend hatte er mit Gahr Störe, Finanzminister Jens Stoltenberg und Außenminister Espen Barth Eide unter anderem über norwegische Militärhilfen für die von Russland angegriffene Ukraine gesprochen. Nach der Beerdigung reiste Selenskyj laut Gahr Störe nach Kanada weiter.

Merz sieht kaum russische Bereitschaft für Verhandlungen mit der UkraineBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht auf russischer Seite derzeit kaum echte Bereitschaft, Verhandlungen mit der Ukraine über eine Friedenslösung aufzunehmen. „Wir haben im Augenblick wenig Anzeichen dafür, dass die russische Regierung, der russische Präsident bereit ist, in ernsthafte Gespräche über ein Ende des Krieges einzutreten“, sagte Merz nach einem Gespräch mit EU-Ratspräsident António Costa in Berlin.Die Bundesregierung sei weiter mit allen Mitteln bemüht, eine diplomatische Lösung herbeizuführen. Aber solange sich die russische Seite verschließe, gebe es derzeit wenig Chancen. 

Peskow: Treffen von Trump, Putin und Xi geplant Am Rande eines Wirtschaftsgipfels in China könnte es im November zu einem Dreiertreffen zwischen US-Präsident Donald Trump, Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staatspräsident Xi Jinping kommen. Trump und Putin hätten bei einem Telefonat am Dienstag über die Möglichkeit eines solchen Dreiergipfels gesprochen, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Mittwoch. „Diese potentielle Möglichkeit ist schon früher erwähnt worden, und es wird eine solche Gelegenheit geben“, fügte er hinzu.Der diesjährige Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) findet am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen statt. Während Russland eine Teilnahme Putins bereits bestätigt hat, hat sich das Weiße Haus zu einer Reise von Trump nach China noch nicht geäußert.Im Ringen um ein Ende des Kriegs in der Ukraine laufen derzeit Gespräche zwischen Washington und Moskau. Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner reisten dazu am vergangenen Wochenende nach Moskau sowie nach Kiew. Ein Durchbruch ist bisher noch nicht in Sicht.

Koalition setzt Grünen-Antrag zu russischer Schattenflotte ab Nachdem die Bundesregierung härtere Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte angekündigt hat, wurde am Mittwoch im Auswärtigen Ausschuss eine Abstimmung zu einem Antrag der Grünen dazu mit der Mehrheit der Koalition abgesetzt. „Es passt nicht zusammen, dass die Bundesregierung einen härteren Kurs gegen Russlands Schattenflotte ankündigt, die Koalition konkrete Maßnahmen dazu aber nicht einmal beraten will“, sagte die außenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Deborah Düring, der F.A.Z. Man habe „einen umfassenden Antrag zur Bekämpfung der russischen Schattenflotte in den Bundestag eingebracht“, sagte sie. Russland finanziere mit der Schattenflotte seinen Krieg gegen die Ukraine, gleichzeitig greife Russland Deutschland mit Sabotage und hybriden Angriffen an. „Die Bedrohung durch Russland ist nicht erst seit Leipzig real“, sagte Düring. Aus der Union wurde darauf verwiesen, dass es sich um einen üblichen Vorgang im Ausschuss handelt. Ähnlich war in der letzten Legislaturperiode auch die Ampelkoalition mit Anträgen der Union verfahren.Anfang vergangener Woche hatte die Bundesregierung die Verantwortung für den Drohnen-Anschlag auf den Leipziger Flughafen Russland zugeschrieben und Konsequenzen angekündigt. Gegen Russland und seine Schattenflotte solle härter vorgegangen werden. Konkrete Maßnahmen dazu wurden allerdings nicht verkündet, zunächst wollte man sich mit den Partnern in der EU dazu absprechen. Die EU hat bislang nur 673 verdächtige Schiffe auf Sanktionslisten gesetzt, die tatsächliche Zahl der Flotte wird deutlich größer geschätzt. Während einzelne Staaten in der EU zunehmend robust vorgehen gegen vereinzelte Schiffe, blieb Deutschland zurückhaltender.Der Antrag der Grünen stammt aus dem April, darin hatten die Grünen auch „erhebliche Defizite bei der Durchsetzung geltenden Rechts und verhängter Sanktionen“ beklagt beim Vorgehen gegen die Schattenflotte. Sie forderten von der Bundesregierung unter anderem, der Bundespolizei, der Marine, dem Zoll und allen anderen beteiligten Sicherheitsbehörden „einen klaren Auftrag zu erteilen, die Kontrolle von verdächtigen Schiffen der russischen Schattenflotte – auch an Bord dieser Schiffe – zu intensivieren“. Verdächtige Schiffen sollten „bei Bedarf“ festgesetzt werden, „ggfs. auch in Kooperation mit unseren NATO-Partnern“.

Abramowitsch scheitert abermals mit Klage gegen EU-SanktionenDer russische Oligarch Roman Abramowitsch ist zum dritten Mal mit einer Klage gegen die EU-Sanktionen gegen ihn gescheitert. Das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg wies die Klage am Mittwoch ab. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 war Abramowitsch wegen seiner Verbindungen zum Kreml mit Sanktionen belegt worden, sein Vermögen in der EU wurde eingefroren.Dagegen ging er gerichtlich vor. Schon in den Jahren 2023 und 2025 wies das EU-Gericht allerdings zwei seiner Klagen ab. Im aktuellen Fall ging es um die Verlängerung der Sanktionen ab 2025. Auch mit dieser Klage hatte Abramowitsch keinen Erfolg.Er argumentierte, dass seine Prominenz ein Grund für die Sanktionen sei. Er habe instrumentalisiert werden sollen. Das sah das Gericht aber anders. Es verwies darauf, dass Abramowitsch Hauptaktionär des russischen Stahl- und Bergbauriesen Ewars und außerdem am Bergbaukonzern Norisk Nickel beteiligt ist. Diese Industrien seien eine wesentliche Einnahmequelle für die russische Regierung.

Polen erhält US-Kredit für RüstungsgüterPolen erhält von den Vereinigten Staaten einen Kredit in Milliardenhöhe für die Anschaffung amerikanischer Rüstungsgüter. „Polen wird noch mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas übernehmen“, sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bei der gemeinsamen Unterzeichnung der Vereinbarung mit dem amerikanischen Staatssekretär Thomas DiNanno. Vorgesehen ist ein Darlehen in Höhe von umgerechnet 3,44 Milliarden Euro im Rahmen des Programms Foreign Military Financing (FMF).Kosiniak-Kamysz sagte, man werde die neue Finanzierungshilfe zur Anschaffung der „besten amerikanischen Rüstungsgüter“ verwenden, die man auch bisher schon gekauft habe, darunter Panzer vom Typ Abrams, Kampfjets vom Typ F-16 und Apache-Hubschrauber. Nach Angaben von DiNanno ist dies bereits der sechste Vertrag mit Polen im Rahmen des Programms FMF. Die Gesamt-Kreditsumme belaufe sich auf umgerechnet 17,2 Milliarden Euro.Das EU- und NATO-Mitglied Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine. Das Land sieht sich auch selbst von Moskau bedroht und rüstet daher massiv auf. 

Selenskyj: Terror durch Drohnen und Raketen darf nicht ungestraft bleibenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine internationale Reaktion auf russische Angriffe auf zivile Objekte gefordert. Er schrieb am Mittwoch in sozialen Medien, Moskau dürfe nicht mit der Gewissheit in den Winter gehen, „dass der Terror durch Raketen und Drohnen einfach so ungestraft bleibt“. Durch einen russischen Angriff auf einen ukrainischen Grenzübergang zur Republik Moldau wurden in der Nacht zu Mittwoch zwei Zivilisten getötet und weitere verletzt. Bei dem Drohneneinschlag wurden wartende Fahrzeuge und Busse beschädigt. Es brach ein Brand aus, die Abfertigung wurde vorübergehend eingestellt. Nach Angaben der Grenzschutzbehörde hat Russland in den vergangenen Wochen bereits vier andere Grenzübergänge gezielt angegriffen. Abermals nahm Russland auch Passagierzüge unter Beschuss. Am Mittwochmorgen wurde ein Zug auf der Strecke Charkiw-Isjum von einer Drohne getroffen, sechs Menschen wurden verletzt. Durch Angriffe mit Drohnen kamen zudem Zivilisten in den frontnahen Gebieten Saporischschja und Cherson ums Leben. In Kiew wurde am Mittwochmorgen ein Wohnhochhaus von einer Drohne getroffen. Dort wurden fünf Zivilisten verletzt, darunter eine schwangere Frau. Im Gebiet Mykolajiw kam eine Frau durch russische Angriffe ums Leben, weitere Zivilisten wurden verletzt. Die ukrainischen Luftstreitkräfte berichteten über die Abwehr von 165 russischen Drohnen in der Nacht zu Mittwoch. Derweil griff die Ukraine den russischen Marinestützpunkt in Noworossijsk abermals an. Nach Angaben von Präsident Selenskyj wurden dort russische Kriegsschiffe getroffen, von denen Kalibr-Marschflugkörper abgefeuert werden können. Auch ein Ölexportterminal sei getroffen worden. 

Wadephul: Ukraine muss mehr Rüstungsgüter bei deutschen Firmen kaufenBundesaußenminister Johann Wadephul fordert von der Ukraine mehr Bestellungen ​bei deutschen Rüstungsfirmen. „Wir sind mittlerweile der stärkste Unterstützer der Ukraine, was finanzielle und militärische Unterstützung angeht. Und es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert“, sagt Wadephul der „Bild“. Das ⁠habe er auch bei seinem letzten Besuch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesagt. Das Mindeste sei, dass die Ukraine bei allen Beschaffungsmaßnahmen auch die deutsche Verteidigungsindustrie beteilige. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir nicht ganz zufrieden mit dem, was es an Bestellungen in Deutschland gibt“, sagt Wadephul. „Und deswegen haben wir jetzt die ukrainische Regierung gebeten, das zu überprüfen und dafür zu sorgen, dass es besser wird.“ 

Switolina: Padelklub in Kiew nach Angriff schwer beschädigtDer Padelklub von Elina Switolina in Kiew ist nach Angaben der ukrainischen Tennis-Weltranglistenneunten durch die Folgen eines russischen Angriffs schwer beschädigt worden. Die 31-Jährige veröffentlichte via Instagram Fotos eines Brands und einer weitgehend eingestürzten Decke, deren Teile auf den Plätzen lagen.„Mit dieser Nachricht möchte ich unsere internationalen Partner und Freunde erreichen, die uns, die ukrainischen Athleten, auf internationaler Bühne unterstützen und anfeuern, und um Unterstützung und konkrete Aktionen bitten, die helfen können, den Aggressor zu stoppen“, schrieb Switolina.

Brüssel erlaubt Ukraine Verwendung des EU-Kredits für Patriot-MunitionDer Ukraine mangelt es an Flugabwehrmunition, um russische Raketen abzufangen. Man habe in der vergangenen Nacht immerhin die meisten Drohnen und 31 von 32 Marschflugkörpern abgewehrt, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara vor einer Sitzung der Ukrainekontaktgruppe am Dienstag. Das Problem seien jedoch die ballistischen Raketen. Daher hoffe er, dass die Unterstützer Kiews weitere Munition für Patriotsysteme liefern werden, die am effektivsten gegen russische Raketen helfen. Derzeit stehen vor allem Griechenland und Spanien unter Druck, Patriotraketen aus eigenen Beständen nach Kiew liefern. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte angesichts des nahenden Winters die Lieferung weiterer Raketen aus Bundeswehrbeständen angekündigt. „Die Ukraine befindet sich in einem Wettlauf ⁠mit der Zeit. Der Winter kommt“, sagte der SPD-Politiker vor dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe. Man müsse damit rechnen, dass die russischen Luftangriffe mit sinkenden Temperaturen wieder zunehmen ‌würden. Deutschland werde daher dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen für das Patriot-System sowie eine größere Stückzahl an AIM-9-Luft-Luft-Raketen liefern. Pistorius appellierte an die Verbündeten, ebenfalls ihre Bestände zu prüfen. „Wenn Sie im Zweifel sind, entscheiden ‌Sie sich für die Ukraine.“ Großbritannien kündigte an, 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen Euro) für die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat die EU am Dienstag zugestimmt, dass die Ukraine einen Teil ihres 90-Milliarden-Darlehens aus Brüssel für den Kauf von in den USA hergestellten Patriotraketen verwenden darf. „Ich begrüße die Einigung der Mitgliedstaaten über die Ausnahmeregelung für die Ukraine, entscheidende Produkte für Patriot-Luftverteidigungssysteme zu erwerben“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag auf der Plattform X. Der Schritt erlaube Kiew, die nächste Kredit-Tranche in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zu nutzen, „um seinen Luftraum besser vor den wahllosen Angriffen Russlands zu schützen“. Das EU-Darlehen für die Ukraine sieht eigentlich vor, dass das Geld in erster Linie für in Europa gebaute Waffen ausgegeben werden soll. 

Ungarn verweist zehn russische Diplomaten des LandesDie ungarische Regierung hat zehn russische Diplomaten des Landes verwiesen. Außenministerin Anita Orbán erklärte am Dienstagvormittag auf Facebook, die betreffenden Personen hätten „in Ungarn Tätigkeiten ausgeübt, die gemäß dem Wiener Übereinkommen für Diplomaten nicht zulässig sind“. Auch wenn die Außenministerin nicht ausführte, was unter den „nicht zulässigen“ Tätigkeiten zu verstehen ist, gehen ungarische Medien davon aus, dass es um geheimdienstliche Tätigkeiten vor der Parlamentswahl im vergangenen April geht. Laut einer damaligen Recherche des regierungskritischen russischen Portals „Agentstwo“ waren mindestens 15 von 47 seinerzeitigen Angestellten der Botschaft mit russischen Geheimdiensten verbunden. Der ungarische Investigativjournalist Szabolcs Panyi berichtete schon vorher, dass der russische Militärgeheimdienst GRU im Januar drei Personen in Budapest platziert habe. Dies sei mit der Absicht geschehen, den Wahlausgang zugunsten des damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu beeinflussen. Außenministerin Orbán betonte am Dienstag, dass die Ausweisung der Diplomaten „keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Russland“ bedeute. Ungarn beabsichtige, „den notwendigen Dialog auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und der Einhaltung der Regeln weiterhin aufrechtzuerhalten“. Russlands Außenamtsprecherin Marija Sacharowa kündigte am Dienstagmittag an, Russlands Reaktion auf den ungarischen Schritt werde „hart und schmerzhaft“ sein.