FAZ 19.05.2026
08:52 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Russland hält Großmanöver seiner Atomstreitkräfte ab


Auch Belarus hält Atomwaffenübungen ab +++ Merz: Führen mit Nachdruck Gespräche über Friedenslösung +++ Putin: Beziehungen zu China auf „beispiellosem Niveau“ +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Russland hält Großmanöver seiner Atomstreitkräfte ab

Kiew bestreitet Russlands Vorwurf, Angriffe von Lettland aus geplant zu habenDie Ukraine hat ​russische Behauptungen über die Vorbereitung von Drohnenangriffen auf Russland vom lettischen Staatsgebiet aus zurückgewiesen. Das Außenministerium in Kiew wirft Russland vor, damit „die jüngste Reihe von Unwahrheiten“ zu ⁠verbreiten. „Die Ukraine nutzt bei ihren Einsätzen gegen Russland weder das Territorium noch den Luftraum Lettlands und hat dies auch nicht vor“, schrieb Ministeriumssprecher Heorhij Tychyj auf der Plattform X.  

Ukraine greift Raffinerie von Lukoil anDie Ukraine hat nach ​Angaben ihres Generalstabs eine russische Ölraffinerie des Konzerns Lukoil in der Region Nischni Nowgorod angegriffen. Weiteres Ziel sei eine Ölpumpstation in der Region Jaroslawl gewesen. Das Ausmaß der Schäden werde ⁠noch ermittelt, teilt das Militär über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. 

Kampfflugzeuge schießen offenbar ukrainische Drohne über Estland ab NATO-Kampfflugzeuge haben über Estland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Nach Angaben von Verteidigungsminister Hanno Pevkur handelt es sich um den ersten Abschuss dieser Art. Rumänische F 16 hätten die Drohne über dem Võrtsjärv-See im Süden des Landes vom Himmel geholt. Sie stürzte demnach in einem sumpfigen Gebiet ab, die Suche dauere noch an. Die estnische Sicherheitspolizei leite die Ermittlungen.Laut Pevkur soll es sich vermutlich um ein ukrainisches Flugobjekt handeln, das mutmaßlich auf russische Ziele gerichtet war. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Die Ukraine entschuldigte sich für den Vorfall bei Estland. „Russland lenkt ukrainische Drohnen mithilfe elektronischer Kriegsführung weiterhin in Richtung des Baltikums um\", schrieb Außeninisteriumssprecher Heorhij Tychyj auf der Plattform X. „Und Moskau tut dies bewusst, begleitet von verstärkter Propaganda.\"

Ukraine will Eckstein für Europas Energiesicherheit werdenDie Ukraine bietet sich als Eckstein eines künftigen widerstandsfähigen Energiesystems in Europa an. „Die ukrainische Energieerfahrung muss jetzt über die Ukraine hinausgehen“, sagte der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal in Berlin. Es gehe um die Fähigkeit in Europa, Schocks abzufangen und in Krisen entschieden zu handeln. „Das bedeutet, die Ukraine in die Planung des europäischen Energiesystems einzubeziehen als Resilienz-Hub für den Kontinent“, sagte er bei einer Konferenz über Energiesicherheit im Auswärtigen Amt.Als Beispiel für die beginnende grenzüberschreitende Kooperation nannte Schmyhal die Synchronisierung des ukrainischen Stromnetzes mit den EU-Nachbarn. „In diesem Winter, als unsere Stromerzeugung attackiert wurde, haben Stromimporte aus der EU an kritischen Tagen bis zu 20 Prozent des Verbrauchs ausgemacht. Das Gleiche gilt für Gas“, sagte er. Die Ukraine leite kein russisches Gas mehr durch, sondern stelle ihr Pipeline- und Speichersystem den europäischen Partnern zur Verfügung.

Mindestens vier Tote bei russischem Raketenangriff in der Nordukraine  Bei neuen russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. Bei einem Angriff mit ballistischen Raketen auf das Zentrum von Pryluky rund 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew seien zwei Menschen getötet worden, teilten die Behörden der Region Tschernihiw am Dienstag mit. Mindestens 20 weitere Menschen seien verletzt worden, darunter ein Kind. Ein Einkaufszentrum und ein Supermarkt seien beschädigt worden. Im Dorf Hluchiw nahe der Grenze zu Russland seien zwei Männer im Alter von 52 und 58 Jahren durch einen Drohnenangriff getötet worden, gaben die Behörden der nordöstlichen Region Sumy in Onlinediensten bekannt. Vier weitere Menschen seien verletzt worden. Bei dem Angriff sei „zivile Infrastruktur“ getroffen worden. 

Wadephul: Können von der Ukraine lernenAußenminister Johann Wadephul sieht das Krisenmanagement in der Ukraine angesichts russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur als Vorbild. „Erfolglos versucht Russland die Ukraine seit über vier Jahren in den Blackout zu treiben. Das Gegenteil ist seither eingetreten“, sagte der CDU-Politiker vor einer internationalen Konferenz zur Energiesicherheit in Berlin laut gemeinsamer Mitteilung von Auswärtigem Amt und Bundeswirtschaftsministerium.Die Ukraine habe unter Druck eine beeindruckende Anpassungs- und Innovationsfähigkeit unter Beweis gestellt, sagte Wadephul. Deutschland könne vom Know-how und der Resilienz der Ukraine lernen, um die eigene kritische Energieinfrastruktur zu stärken.

Ukraine und Russland melden gegenseitige LuftangriffeRussland hat in der Nacht ​zum Dienstag den größten ukrainischen Donau-Hafen Ismajil angegriffen. Dabei ⁠wurden nach Angaben örtlicher Behörden Hafenanlagen beschädigt. Fast alle Flugkörper seien abgeschossen worden, es gebe keine Opfer. ‌In der nordöstlichen Stadt Charkiw wurden zwei Menschen unter den Trümmern eines durch einen Drohnenangriff zerstörten Gebäudes ‌vermutet. Zwei ‌weitere Menschen seien gerettet worden, teilte Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram mit. Zudem wurden aus den Regionen Dnipropetrowsk, Mykolajiw ​und Saporischschja Angriffe ⁠gemeldet.Auch die Ukraine startete mehrere Angriffe. In der Region Jaroslawl nordöstlich von ​Moskau, wo sich Anlagen zur Erdölverarbeitung befinden, brach Gouverneur ⁠Michail Jewrajew zufolge ‌ein Feuer in einer Industrieanlage aus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf der Plattform X, die russische Raffineriekapazität ⁠sei in ⁠den vergangenen Monaten um zehn Prozent gesunken. Russische Behörden ⁠meldeten ​weitere ⁠Angriffe auf Moskau, die Ukraine ​grenzenden Region Kursk mit einem Todesopfer, Rostow ‌und andere zentralrussische Gebiete.

Russland meldet ukrainische Drohnenangriffe auf mehrere RegionenMehrere ⁠russische Regionen waren in der Nacht nach Angaben der örtlichen Behörden Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. In der nordöstlich von Moskau gelegenen Region Jaroslawl warnte Gouverneur ‌Michail Jewrajew Autofahrer über den Kurznachrichtendienst Telegram davor, in Richtung der Hauptstadt zu fahren. Sie sollten stattdessen alternative Routen nutzen. Auch die Region Rostow ‌am Don wurde ‌dem dortigen Gouverneur zufolge mit Drohnen angegriffen.

Putin: Beziehungen zu China auf „beispiellosem Niveau“Die Beziehungen zwischen Russland und China haben nach den Worten des russischen Präsidenten ‌Wladimir Putin ein „beispielloses Niveau“ an Verständnis und Vertrauen erreicht. Beide Länder seien bereit, sich bei Kerninteressen wie der ‌nationalen Einheit ‌und dem Schutz der Souveränität gegenseitig zu unterstützen, erklärte Putin in einer Videobotschaft vor seiner Reise nach China. Die ​strategische Verbindung zwischen Moskau und ⁠Peking spiele eine stabilisierende Rolle in der Welt. Zudem bauten beide Staaten ihre ​Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Verteidigung aktiv aus. ⁠Die Freundschaft richte ‌sich gegen niemanden, sondern diene dem Frieden und dem Wohlstand, fügte Putin mit Blick auf seine geplanten ⁠Gespräche mit dem chinesischen ⁠Präsidenten Xi Jinping hinzu.

Russland: Drohne auf dem Weg nach Moskau abgefangenRussland hat nach Angaben des ​Moskauer Bürgermeisters ⁠Sergej Sobjanin eine Drohne auf dem ​Weg in ⁠die Hauptstadt abgefangen. Rettungskräfte ‌seien in dem ⁠Gebiet im Einsatz, in ⁠dem das ⁠Fluggerät ​abgestürzt ⁠sei, teilt ​Sobjanin über den Kurznachrichtendienst ‌Telegram mit.

Merz: Führen mit Nachdruck Gespräche über FriedenslösungDie Europäer führen nach den Worten von Bundeskanzler ​Friedrich Merz derzeit Gespräche über eine Friedenslösung für die Ukraine. „Wir ⁠sind mit unseren europäischen Partnern seit langer Zeit in einem intensiven Dialog über unsere gemeinsamen Wege hin zu einer Friedenslösung“, sagte Merz ‌in Berlin nach einem Treffen mit dem neuen bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radew. Diese Gespräche würden auch in diesen Tagen mit Nachdruck geführt, ‌fügte er hinzu. Dafür will Merz nach eigenen Angaben auch US-Präsident Donald Trump gewinnen. Er habe bei seinem Telefonat mit Trump in der vergangenen Woche verabredet, den Austausch spätestens beim ​G7-Treffen in wenigen Wochen im ⁠französischen Evian fortzusetzen, so Merz.Zur Frage nach einem Vermittler, etwa der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, äußerte sich Merz nicht ​direkt. Russland müsse zu Verhandlungen bereit sein, dann könne man einen Vermittler bestimmen. Als ⁠Erstes müssten aber ‌die Kämpfe eingestellt werden, forderte der Bundeskanzler. Bislang habe Russland auf jedes Verhandlungsangebot mit noch heftigeren Angriffen reagiert.

Merkel: Reicht nicht, wenn nur die USA den Kontakt zu Russland haltenIm Konflikt mit Russland hat die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Europa zu mehr diplomatischen Anstrengungen aufgefordert. Sie halte es für richtig, die Ukraine militärisch zu unterstützen und darüber hinaus eine abschreckende Wirkung zu entfalten, sagte sie bei der Digitalkonferenz Republica im Gespräch mit dem WDR. „Was ich bedauere ist, dass Europa sein diplomatisches Potential aus meiner Sicht nicht ausreichend einsetzt.“„Diplomatie war immer die zweite Seite der Medaille, auch im Kalten Krieg“, sagte Merkel. „Militärische Abschreckung plus diplomatische Aktivitäten, das finde ich wichtig.“ Sie halte es für „nicht ausreichend“, wenn nur US-Präsident Donald Trump den Kontakt zu Russland halte. Merkel sprach sich weiter für die Erarbeitung einer gemeinsamen europäischen Haltung aus. „Putin zu unterschätzen, wäre ein Fehler, auch jetzt. Und uns nichts zuzutrauen, wäre genauso ein Fehler.“

Russland warnt vor Eskalation am AKW Saporischschja Die Lage rund um das von Moskau besetzte und kontrollierte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja spitzt sich aus russischer Sicht bedrohlich zu. „Wir nähern uns immer mehr einem Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt“, sagte Alexej Lichatschow, Leiter des Moskauer Atomkonzerns Rosatom. Der Konzern hatte das von russischen Truppen besetzte AKW unmittelbar nach Beginn der Invasion vor über vier Jahren unter seine Kontrolle gebracht. In der vergangenen Zeit häuften sich mutmaßlich ukrainische Artillerie- und Drohnenangriffe auf das Kraftwerksgelände.Lichatschow sagte, dass „dieses Spiel mit dem Feuer“ vor allem für Osteuropa gefährlich werden könne. Daher sollte sich Europa bemühen, die Lage rund um das AKW zu deeskalieren. Lichatschow gab an, dass sich auf dem Gelände des Kraftwerks rund 2600 Tonnen nukleares Brennmaterial befinde. „Und natürlich entstehen im Falle eines gezielten Treffers, insbesondere in Lagern für Kernbrennstoff, Risiken von regionaler Tragweite“, sagte er.Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6000 Megawatt größte Atomkraftwerk Europas steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle.

Litauen: Abgestürzte Drohne war mit Sprengstoff bestücktEine in Nordosten Litauens abgestürzte Drohne war mit Sprengstoff bestückt. Dies teilten die Behörden des baltischen EU- und NATO-Landes mit. Das unbemannte Flugobjekt wurde litauischen Medienberichten zufolge vor Ort von Spezialkräften an der Fundstelle in einem Feld im Bezirk Utena entschärft. Die abgestürzte Drohne war am Sonntag von Anwohnern gemeldet worden. Verletzte oder größere Schäden gab es nicht. Wann und wie der Flugkörper in den litauischen Luftraum eingeflogen ist und abstürzte, ist weiterhin unklar. Auch zu Herkunft und Art des Flugkörpers gab es zunächst keine näheren Angaben. Die Behörden vermuteten, dass es sich um eine ukrainische Drohne handelt. Utena liegt im Nordosten Litauens nahe der Grenze zu Lettland und Russlands Verbündeten Belarus.