Die Darmstädter Grünen reagieren mit Vorwürfen gegen Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) auf dessen Entscheidung, die bisherigen Pläne für ein Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe nicht weiterzuverfolgen. Die zentralen Fragen, die Benz als Begründung angegeben habe, seien seit Jahren bekannt und der Rathauschef sei Antworten schuldig geblieben, heißt es in einer Mitteilung der Grünen-Parteisprecherin Hildegard Förster-Heldmann. Der Oberbürgermeister und Kulturdezernent hatte am Montag zusammen mit dem Dezernenten für Stadtplanung, Paul Georg Wandrey (CDU), einen Baustopp für die Arbeiten am Osthang der Mathildenhöhe verkündet. Benz hatte als Grund genannt, es fehle ein Konzept für die Vermittlung der Besonderheiten des Ensembles aus der Jugendstilzeit. Erst müsse festgelegt werden, wie Schülern und Kulturtouristen die Welterbestätte erklärt werden solle, welche Inhalte digital dargestellt werden könnten und wofür man eine Anlaufstelle an Ort und Stelle benötige. Davon hänge ab, ob ein Besucherzentrum gebraucht werde und wie groß es werden müsse. Dem halten die Grünen entgegen: „Seit drei Jahren ist Hanno Benz Oberbürgermeister und Kulturdezernent. In dieser Zeit hat er es nicht geschafft, ein tragfähiges Nutzungskonzept für das Besucherzentrum vorzulegen. Stattdessen hat er noch kurz vor der Kommunalwahl für das Projekt geworben.“ Darüber hinaus kritisieren die Grünen, Benz hätte seine Entscheidung zuerst im Kulturausschuss vorstellen müssen, der in der vergangenen Woche getagt habe. Initiative „Osthang bleibt“ fordert den Osthang zurück Dagegen reagierte die Initiative „Osthang bleibt“, die sich gegen den geplanten Neubau auf dem Osthang der Mathildenhöhe einsetzt, mit Zustimmung. Die Entscheidung, die Bauarbeiten einzustellen und die Vermittlung der Welterbestätte neu zu überdenken, sei „eine gute Nachricht für die Mathildenhöhe, für den Osthang und für die Kulturlandschaft Darmstadts“. Allerdings komme der „ehrliche Blick“ auf die Pläne spät. Noch im Februar, als die Stadt den von Gegnern des Vorhabens besetzten Osthang durch mehrere hundert Polizisten habe räumen lassen, habe die Stadtspitze den Bau des Besucherzentrums nach den bisherigen Plänen „als alternativlos dargestellt“. Für die weitere Planung stellt die Gruppe „Osthang bleibt“ Forderungen auf. So solle für die Vermittlung ein dezentrales Konzept ohne einen Neubau geprüft werden, etwa unter Nutzung des Großen Hauses Glückert, einer der Jugendstilvillen, und des Ateliergebäudes. Die Überlegungen müssten sich an realistischen Besucherzahlen orientieren, nicht an überzogenen Erwartungen. Der Osthang müsse der durch die Räumung verdrängten freien Kulturszene zurückgegeben werden. Nach der Räumung im Februar war die Main Hall, ein provisorischer Holzbau auf dem Osthang, abgebaut worden. Dort waren zehn Jahre lang Darbietungen der Alternativkultur ausgerichtet worden. Die Fraktion von Linke und Tierschutzpartei schloss sich dieser Forderung an. Die Main Hall müsse auf dem Osthang wiederaufgebaut werden. Die Stadtverordnete Tamara Hanstein (Die Linke) verlangte: „Das Welterbezentrum darf jetzt nicht in einem jahrelangen untoten Moratoriumszustand verharren, sondern muss komplett abgeplant werden. Es darf keine langjährige Baubrache entstehen.“ Zu einem solchen Ansinnen hatte sich Benz allerdings schon am Montag ablehnend geäußert. Die Veranstaltungen in der Main Hall seien von Anfang an nur eine Zwischennutzung gewesen. Je nachdem, wie die Stadt über das Vermittlungskonzept entscheiden werde, könne der Osthang als Bauplatz für ein Informationszentrum dienen, wenn auch für ein weniger dominantes Gebäude als bisher geplant.
