FAZ 24.09.2026
09:17 Uhr

Musikschule zieht um: Neuer Klang für einen alten Musikort


Die Musikschule zieht 2027 in die Stiftstraße. In den Räumen des früheren „Sinkkasten“ soll Platz für mehr Angebote und Kurse sein.

Musikschule zieht um: Neuer Klang für einen alten Musikort

Viel Lärm ist schon jetzt im Gebäude an der Stiftstraße zu hören. In den künftigen Räumen der Musikschule sind es noch keine Violinen oder Trompeten, die spielen, sondern es wird gehämmert und geklopft. Das stört Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) bei der Pressekonferenz auf der Baustelle nicht: „Die musikalische Bildung gehört in die Mitte unserer Stadt“, sagt sie. „Mit dem neuen Standort schreiben wir Frankfurter Musikgeschichte fort“, sagt Weber. In dem Gebäude an einer Nebenstraße der Zeil befand sich in den Fünfzigerjahren der Jazzklub „Storyville“, in dem unter anderen Louis Armstrong und Nina Simone spielten. „Jazz gehört zu Frankfurt wie der Ebbelwoi“, sagt die Dezernentin. Auf Jazzmusik folgte in den Siebzigerjahren der Musikclub „Zoom“, 1979 dann das Rockmusiklokal „Sinkkasten“. Nach dessen Insolvenz eröffnete 2012 ein neuer Musikclub, wieder unter dem Namen „Zoom“, bevor das Gebäude in der Pandemie verkauft wurde. In den früheren Räumen der Diskothek soll der Veranstaltungssaal der Musikschule entstehen. Dem neuen Haus ging ein mühsamer Weg voraus. Im Sommer 2025 musste die Musikschule ihren Standort in der Schirn verlassen, weil dort saniert werden musste. Seitdem findet der Unterricht in einem Interimsquartier in den Kornmarktarkaden statt. Die Übergangslösung war notwendig, nicht nur, weil die bisherigen Räume zu klein waren. Es fehlten auch Aufenthaltsmöglichkeiten für die Schüler und Eltern, geeignete Orte für die mehr als 200 Aufführungen der Musikschulen sowie für kreative Projekte und digitale Musikproduktionen. „Wir haben den Auftrag, dieses Haus für die Stadt zu erschließen“ Für Mathias Metzner endet mit dem neuen Standort eine lange Suche. Seit seinem Amtsantritt vor rund drei Jahren habe sie seine Arbeit stark geprägt, sagt der Direktor der Musikschule. Mehr als 40 Liegenschaften habe er sich in Frankfurt angesehen. Eine Musikschule hat besondere Anforderungen an Räume, Schallschutz und Umgebung. Die neue Adresse ermögliche der Musikschule nun, ihre Angebote auszubauen und sich stärker für die Stadt zu öffnen. Neben der musikalischen Früherziehung, dem Einzel- und Gruppenunterricht sowie der Arbeit in Ensembles, Bands und Chören sollen hier künftig auch Veranstaltungen und Programme stattfinden, die bisher an andere Orte ausgelagert werden mussten. Metzner nennt Fortbildungen für Kita-Fachkräfte, das Programm „Jazz und Musik in den Schulen“, Schüler-Jam-Sessions sowie offene Formate wie einen offenen Chor und eine offene Trommelgruppe. Auch mit Einrichtungen und Geschäften in der Nachbarschaft wolle die Musikschule, die von einem stadtnahen Verein getragen wird, zusammenarbeiten. Geplant seien weitere Angebote, bei denen interessierte Bürgererinnen und Bürger mitmachen können. „Wir haben den Auftrag, dieses Haus für die Stadt zu erschließen“, sagt Metzner. Die Zahl der derzeit rund 6500 Schüler könne wachsen. Neben der Musikschule finden Büros und Läden Platz an der Stiftstraße Der Immobilieninvestor CLL Real Estate Partners hatte vor der Pressekonferenz mitgeteilt, dass der Mietvertrag mit der Musikschule unterzeichnet worden sei. Er läuft über 20 Jahre, mit der Option, ihn zweimal um jeweils fünf Jahre zu verlängern. Die Miete beträgt für die Musikschule 105.000 Euro im Monat. Zusätzlich zahlt die Stadt einen Baukostenzuschuss von 8,3 Millionen Euro. Dafür falle die Miete niedriger aus, erläutert Weber. Die Musikschule wird rund 3500 Quadratmeter des insgesamt etwa 5400 Quadratmeter großen Gebäudeensembles mit den Adressen Stiftstraße 8 bis 10 und Brönnerstraße 5 nutzen. Auf der übrigen Fläche sollen Büros und Einzelhandel Platz finden. Der Umbau für die Musikschule soll im Frühjahr 2027 fertig sein. Noch hängen Kabel aus den Wänden, Leitern lehnen an den Mauern, und Holzbretter überbrücken offene Stellen im Boden: Derzeit sieht es in den fünf Stockwerken noch wie auf einer gewöhnlichen Baustelle aus. In etwa einem halben Jahr soll dann statt Baulärm Musik aus dem Gebäude dringen.