FAZ 28.09.2026
08:31 Uhr

Nations League: Die kleineren Gegner sind für die Nationalelf groß genug


Was die Niederlage gegen Griechenland über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aussagt? Sie hat einen Trainer, der doch nicht alles machen kann. Und Spieler, die mehr machen müssen, als sie sollten.

Nations League: Die kleineren Gegner sind für die Nationalelf groß genug

Es war spannend zu hören, wie Jürgen Klopp dieses Spiel gesehen hat. Man musste dem neuen Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Frage danach am späten Sonntagabend in Augsburg gar nicht stellen, weil er die Antwort selbst gegeben hat. „Ein herausragendes Spiel“, sagte Klopp, sei das gewesen, „eines der besten“, das er seit Langem gesehen habe. Das Endergebnis: Spanien 3, England 2. Wer in der Nations League ein wirklich herausragendes Spiel sehen wollte, musste am Wochenende nach London schauen. Dort hat Spanien, der Welt- und Europameister, am Samstag im großen Wembley Stadium gegen den nächsten großen Gegner gewonnen. Und als Klopp am Sonntag in der eher kleinen WWK Arena in Augsburg zu erklären versuchte, warum Deutschland nun auch unter ihm gegen einen eher kleinen Gegner verloren hat, nämlich gegen Griechenland, kam er von sich aus auf die Spanier zu sprechen. „Ist Spanien das Maß aller Dinge? Ja, klar! Aber es geht in so einem Spiel darum, die eigene Fähigkeit auf den Platz zu bringen und da müssen wir hinkommen.“ Doch in den 90 Minuten davor konnte Klopp sehen, wie weit seine Mannschaft davon weg ist. Was fehlt den deutschen Spielern? Klopp sagt: Überzeugung Spätestens nach dieser 0:1-Niederlage sollten auch die Klopp-Jünger gesehen haben, was dieser selbst schon vor den Nations-League-Spielen gesagt hat: dass er kein Heiland ist, der der Nationalmannschaft durch Handauflegen das geben kann, was ihr fehlt. Was wäre das denn? Am Sonntagabend sagte Klopp: Überzeugung. Er selbst ist überzeugt. Von sich, von seiner Zwei-Kader-Strategie (die er nun als „alternativlos“ bezeichnete, was selten ein überzeugendes Argument ist), aber auch von seinem Spielsystem, von dem ballorientierten Verteidigen, das dem Einzelnen mehr Sicherheit geben soll. Doch ohne diese Sicherheit, die nach zwei Spielen noch nicht da sein kann, dürfte Klopp auf einen Grund gestoßen sein, warum diese Mannschaft ihre Fähigkeiten nicht auf den Platz bringt: Sie hat zu viele Spieler, die dort mehr machen müssen, als sie sollten. In der Nationalelf ist Karim Adeyemi Kevin Schades Lamine Yamal Am Beispiel des Außenstürmers Karim Adeyemi konnte man das am Sonntag beobachten. Er hat gegen Griechenland viel versucht, aber gelungen ist ihm gemessen daran wenig. Anders als beim FC Barcelona, wo er seit dieser Saison spielt und in acht Spielen schon drei Tore und drei Torvorlagen gesammelt hat. Dort profitiert er von dem Platz, den seine Mitspieler alleine mit ihrer Präsenz für ihn schaffen. Man kann das auch so sagen: In Barcelona hat Karim Adeyemi Lamine Yamal, aber in der Nationalmannschaft muss er wiederum Kevin Schades Lamine Yamal sein. So ist das nicht nur mit Adeyemi. Es gibt gerade viele deutsche Spieler, die, wenn sie Boxer wären, zwischen zwei Gewichtsklassen schwanken würden. In ihren Klubmannschaften dürfen sie in der niedrigeren antreten, in der Nationalmannschaft müssen sie dann in der höheren. Das ist eine Erklärung, warum diese bei der Weltmeisterschaft k. o. gegangen ist. Und warum sie nun auch in der Nations League k. o. gehen könnte. Wenn die Deutschen (1 Punkt) in ihrer Gruppe mit Griechenland (6 Punkte), den Niederlanden (4 Punkte) und Serbien (0 Punkte) nach Hin- und Rückspielen nicht Erster oder Zweiter werden, dürfen sie nicht ins Viertelfinale vorrücken. Und damit im nächsten Jahr nicht gegen Spanien und die anderen großen Gegner spielen. Wer das Spiel in London mit dem Spiel in Augsburg vergleicht, könnte aber zu dem Schluss kommen: Vielleicht ist das sogar besser so.