FAZ 17.03.2026
08:02 Uhr

Neue Statistik: Die frohe Botschaft hinter den Kirchenaustritten


Die Zahl der Kirchenaustritte bleibt hoch, im Vergleich zu früheren Jahren.  Aber sie lässt sich auch anders deuten: Es ist bemerkenswert, dass so viele bleiben.

Neue Statistik: Die frohe Botschaft hinter den Kirchenaustritten
Daniel Peters, Fraktionsvorsitzender der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, spricht während der Landtagssitzung. Jens Büttner/dpa

Man stelle sich vor, die Mitglieder einer politischen Partei in Deutschland müssten einen Pflichtbeitrag in Höhe von acht oder neun Prozent der Lohnsteuer und der Kapitalertragsteuer an ihre Partei abführen. Wie viele Mitglieder hätten die Volksparteien Union und SPD heute noch? Vermutlich deutlich weniger. Und auch diese Frage sollte eine Überlegung wert sein: Wie viele Katholiken und Protestanten wären womöglich schon vor vierzig oder fünfzig Jahren ausgetreten, wenn es damals schon so gewesen wäre wie heute. Dass sie sich nicht dafür rechtfertigen müssen, Mutter Kirche den Rücken zu kehren, sondern dafür, dass sie diesem Verein immer noch die Treue halten. Vermutlich deutlich mehr. Keine Entschuldigung für die Kirchen Dieses Gedankenexperiment ändert nichts am Bedeutungsverlust der Kirchen. Und es darf auch keine Entschuldigung für ihre Fehler sein. Aber es kann zu einer realistischen Einschätzung beitragen: die apokalyptischen Szenarien vom unaufhaltsamen Niedergang der Kirchen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn auch diese Deutung lässt sich nicht von der Hand weisen: Offenbar lassen sich bisher immer noch mehr als dreißig Millionen Erwachsene in Deutschland selbst durch Kirchensteuer und wachsenden Rechtfertigungsdruck nicht davon abbringen, einer der beiden Kirchen anzugehören. Wenn das keine frohe Botschaft ist.