Am Samstagabend stand es fest: Schalke 04 steigt wieder in die erste Klasse des deutschen Fußballs auf. Die Mannschaft konnte sich durch ihre sportlichen Leistungen für die höchste Liga qualifizieren. Das ist für den hoch verschuldeten Verein eine gute Nachricht. Allein die Fernsehgelder, die Schalke erhält, werden sich von 14 Millionen Euro auf etwa 31 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Der Etat soll sich für den Kader von 22 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro erhöhen. Doch auch die Fans können vom Erfolg profitieren – zumindest jene, welche die Schalke-Anleihe halten. Diese ist eigentlich mit 6,5 Prozent verzinst und hat eine Laufzeit bis zum Jahr 2030. Denn für den Fall des Aufstiegs, der nun eingetreten ist, erhalten alle Anleger eine Bonuszahlung in Höhe von 1,5 Prozent. Das lässt sich der Verein rund 1,3 Millionen Euro kosten. Symptom eines hochverschuldeten Vereins Zur Erinnerung: Im Vorjahr legte der Verein eine neue Anleihe über 90 Millionen Euro auf. Mehr als die Hälfte benötigt er, um alte Anleihen abzulösen. Ursprünglich waren nur 50 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen geplant, wie Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers im Gespräch mit der F.A.Z. erläuterte: „Das Interesse war unerwartet groß – größer, als wir es im Sommer erwarten konnten“, sagt sie. Das Ziel der Anleihe sei klar gewesen: „Die kurzfristige Anleihe abzulösen und für die längerfristige ein Umtauschangebot zu machen, um die Endfälligkeit zu verkleinern“. Auch teurer soll es trotz der stattlichen Verzinsung nicht geworden sein: „Die Verzinsung unserer verbürgten Bankdarlehen liegt in einem ähnlichen Bereich wie die Anleihe – deshalb verteuert sich unsere Finanzierung nicht.“ Doch so schön der Erfolg der Anleihe ist – es ist auch ein Symptom eines hochverschuldeten Fußballvereins. Noch immer plagen den Verein hohe Verbindlichkeiten: „Unsere Gesamtverbindlichkeiten liegen bei 148 Millionen, davon 111 Millionen Nettofinanzverbindlichkeiten“, erklärt Finanzchefin Rühl-Hamers und versprach im Gespräch mit der F.A.Z. im Vorjahr: „Wir werden sie nach und nach weiter reduzieren.“ Tatsächlich scheint das zu gelingen. Die Gesamtverbindlichkeiten betrugen vor vier Jahren noch 238 Millionen Euro; die Nettofinanzverbindlichkeiten 148 Millionen Euro. Aber allein das negative Eigenkapital beträgt immer noch 99,1 Millionen Euro. Der Verein musste im vergangenen Geschäftsjahr 7,5 Millionen Euro zahlen. Von diesem Schuldenberg will Schalke seit einiger Zeit herunterkommen. Schon zur Ausgabe der ersten Anleihe im Jahr 2012 versprach der Verein, in zehn bis zwölf Jahren schuldenfrei zu sein. Dabei war der damalige Abstieg aus der Bundesliga allerdings nicht eingeplant. Hertha BSC hat mit Altlasten zu kämpfen Auch Hertha BSC hat mit seiner Anleihe noch zu kämpfen. Der Fußballklub aus Berlin kaufte Ende vergangenen Jahres im Rahmen eines freiwilligen Teilrückkaufs für seine Nordic-Bond-Anleihen im Wert von insgesamt 21,2 Millionen Euro von den Anlegern zurück. Der Verein bot dafür 100 Prozent des Nominalbetrags als Rückkaufbetrag an. Von der ursprünglich 2018 begebenen Anleihe über 40 Millionen Euro sind derzeit noch rund 18,8 Millionen Euro offen. Dieser Betrag ist nun nur noch mit 6,5 Prozent im Jahr verzinst und nicht mehr wie zuvor mit 10,5 Prozent. Das hatte der Hauptstadtklub bereits im Oktober beschlossen. Finanzchef Ralf Huschen erklärte dazu nach der Mitgliederversammlung des Klubs Mitte November: „Ich wollte ein bisschen Wasser unter dem Kiel haben für Risikosituationen. Deswegen haben wir uns erst mal für einen Teilrückkauf entschieden. Nichtsdestotrotz bleibt der Kurs ganz klar: Wir wollen die Anleihe so schnell wie möglich vollständig zurückführen.“ Ziel des Klubs ist es nun, in fünf Jahren schuldenfrei zu sein. Nach dem Bundesligaabstieg 2023 schrammte man knapp an der Insolvenz vorbei. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag beträgt 38 Millionen Euro. Schuldenfreier Hamburger SV Wer die Schuldenfreiheit bereits erreicht hat, das ist der Hamburger SV. Im Frühjahr zahlte er die letzten knapp fünf Millionen Euro einer Fananleihe zurück, die einst ein 17,5 Millionen Euro großes Volumen hatte. Finanzvorstand Eric Huwer ist nicht zu Unrecht stolz darauf, dass der Verein über mehr liquide Mittel verfügt als ausstehende verzinsliche Finanzverbindlichkeiten. Damit hat der Klub in den vergangenen acht Jahren Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von 75 Millionen Euro abgebaut und das Stadiondarlehen vorzeitig zurückgezahlt. Huwer ließ sich in einer Mitteilung des Vereins zitieren, dass Schuldenfreiheit kein Selbstzweck sei und man nun neue strategische Möglichkeiten habe: „Das heißt nicht, dass wir künftig keine Finanzierungen mehr nutzen werden. Aber wir entscheiden wieder selbst – aus einer Position der Stärke, nicht der Abhängigkeit.“ Das solle nun für weitreichende Investitionen genutzt werden, die sowohl in die Infrastruktur als auch in die Bundesliga-Mannschaft fließen. „Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit“, sagt Huwer. Damit bleibt noch Werder Bremen übrig. Der Bundesligist legte als bislang letzter Verein eine neue Fananleihe im Sommer 2025 auf. Wegen des großen Interesses betrug das Volumen 25 Millionen Euro zu einer Verzinsung von 5,75 Prozent. Kritisch ist, dass die neue Anleihe teilweise zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten dient – ein Muster, das Finanzexperten als strukturelles Risiko einordnen, sofern ausbleibender Erfolg die Einnahmen mindert. Der Verein möchte damit seine Einnahmenseite stärken, um dann langfristig die Verbindlichkeiten zu reduzieren. Allerdings kann dieses Vorgehen bei ausbleibenden sportlichen Erfolgen auch schnell zu Schwierigkeiten führen. Ein möglicher Abstieg hätte erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge. Laut Wertpapierprospekt kalkuliert der Verein für diesen Fall mit einem Rückgang der Umsatzerlöse von 34 Prozent. Für diese Saison ist man erst einmal so gut wie gerettet, doch die finanzielle Lage bleibt kompliziert. Im zweiten Halbjahr 2025 machte man einen Verlust von 4,8 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr kalkuliert der Verein aber immer noch mit einem positiven Ergebnis. Für Werder spricht aktuell, dass der Verein von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Lizenz für die Saison 2026/27 ohne Auflagen erhalten hat.
