FAZ 10.05.2026
19:18 Uhr

Papst Leos Brüder: „Zuerst denkt man: ‚Oh, da ist der Papst.‘ Und dann: ‚Das ist ja mein Bruder!‘“


Papst Leo XIV. hat zwei Brüder – mit denen er fast täglich telefoniert, wie einer der beiden nun berichtet. Politik sparen sie in ihren Gesprächen aber aus: Der älteste der drei ist überzeugter MAGA-Anhänger.

Papst Leos Brüder: „Zuerst denkt man: ‚Oh, da ist der Papst.‘ Und dann: ‚Das ist ja mein Bruder!‘“

Viel Kluges wurde jüngst geschrieben über das Pontifikat von Leo XIV., dessen Papstwahl sich am 8. Mai jährte. Über den Brückenbauer zwischen Liberalen und Konservativen in der katholischen Kirche. Über den „stillen Amerikaner“ auf dem Stuhle Petri, der zuerst zuhöre, dann nachdenke, eher er eine Entscheidung treffe. Auch über den Streit mit Donald Trump, den der US-Präsident dem ersten Papst aus den USA mit Lügen und Tiraden jüngst aufzwang und dem sich Leo entschlossen gestellt hatte, ohne zu eskalieren. John Prevost ist Jahrgang 1953, pensionierter Schulleiter und lebt in Chicago, der Heimatstadt der Familie. Er ist der mittlere der drei Brüder Louis, John und Robert, die im Abstand von jeweils zwei Jahren geboren wurden. In einem Interview mit CNN berichtete John Prevost, dass er mit seinem älteren Bruder Louis (in Florida) und seinem jüngeren Bruder Robert (im Vatikan) fast täglich telefoniere, mitunter sprächen sie zu dritt. Auch nach einem Jahr habe er sich noch nicht daran gewöhnt, dass sein kleiner Bruder das Oberhaupt von gut 1,4 Milliarden Katholiken weltweit sei: „Zuerst denkt man: ‚Oh, da ist der Papst.‘ Und dann: ‚Moment mal, das ist ja mein Bruder!‘“ Weiter sagte John Prevost der CNN-Reporterin Erin Burnett über seinen jüngeren Bruder: „Wir vermissen uns. Ich glaube, er vermisst seine Familie sehr.“ Bei den Telefonaten versuchten die Brüder, möglichst nur über Familie und Alltag zu sprechen. Politisch sind sich die Brüder uneins Denn Louis Prevost ist seit Jahr und Tag glühender Anhänger von Trumps MAGA-Bewegung. Vom Präsidenten wurde er deshalb im Mai 2025 ins Weiße Haus eingeladen. Als Trump im vergangenen April Papst Leo XIV. im Streit um den Irankrieg wegen dessen „schrecklicher“ Außen- und Sicherheitspolitik schalt, sagte er über die Brüder aus Chicago: „Ich mag Papst Leos Bruder Louis viel lieber als ihn selbst, weil Louis voll und ganz MAGA ist. Er begreift es, und Leo nicht!“ Kurz darauf gab es eine Bombendrohung gegen das Chicagoer Haus von John Prevost, obschon der mittlere der drei Brüder in den von Trump konstruierten „Bruderkrieg“ zwischen dem ältesten und dem jüngsten gar nicht involviert war. Über die regelmäßigen Telefonate mit seinem älteren Bruder Louis sagte John Prevost nun: „Wir halten Politik bewusst im Rahmen. Gelegentlich kommt das Thema auf. Aber nichts, was er sagt, wird meine Meinung ändern. Und nichts, was ich sage, wird seine ändern. Warum also darüber diskutieren?“ Stattdessen sprächen die Brüder über ihren Alltag: „Was es Neues in unserem Leben gibt. Wohin es als Nächstes für uns geht. Dann ist da diese brüderliche Verbundenheit. Und mal ehrlich, welche Brüder streiten sich nicht? Familien streiten, aber Familie ist für immer.“ Als Robert Prevost am 8. Mai 2025 nach seiner Wahl zum Papst auf die Mittelloggia des Petersdoms trat und sich an die Menge zu seinen Füßen wandte, sagte er auf Italienisch, der Lingua franca der Weltkirche, die Worte: „La pace sia con tutti voi.“ (Der Friede sei mit euch allen.) Dieser erste Gruß des auferstandenen Christus ist zum Leitwort des Pontifikats von Leo XIV. geworden. Und ein Jahr später hat dessen älterer Bruder John Prevost einen Satz auf Englisch gesagt, in der Lingua franca der westlichen Welt, der als Leitwort nicht nur für die Prevosts, sondern für alle Familien gelten kann: „Familien streiten sich, aber Familie ist für immer.“