Nichts lässt sich so gut teilen wie ein Buch. Das wissen alle, die sich regelmäßig für kleines Geld Titel in städtischen Büchereien ausleihen, sich gratis an öffentlichen Bücherschränken bedienen oder Freunde nach Empfehlungen fragen und die Bücher dazu gleich mitnehmen. Oder Bücher gebraucht im Internet kaufen. Es herrscht umgekehrt also auch für Käufer kein Mangel an Gelegenheiten, Bücher loszuwerden und den Bestand zu Hause schlank zu halten. Anders als früher, als Bücherregale der Stolz jedes Wohnungsbesitzers waren, die Lektüre-Wand gar nicht breit und hoch genug sein konnte, um bei Besuchern Eindruck zu machen, stellen sich viele heute allenfalls noch die Best-of-Titel ins Regal mit dem Vorhaben, sie irgendwann vielleicht ein zweites Mal zu lesen. Die anderen werden verschenkt, gespendet – oder verkauft, vorausgesetzt, sie befinden sich noch in einem guten Zustand, das heißt, der Umschlag ist sauber, nicht eingerissen, die Seiten sind nicht verknittert und vergilbt. Weshalb sich für Buchkäufer mit Weiterverkaufsabsicht empfiehlt, den Umschlag schon vor dem Lesen der ersten Seite zu entfernen und sicher aufzubewahren. Eine Kaffeetasse sollte besser nicht auf dem Buchdeckel absetzen und das Buch auch nicht mit in die Badewanne nehmen. Verkaufs-Apps bieten Komfort und Zeitersparnis Zu den bekanntesten Online-Ankaufsdiensten gehören Momox oder Rebuy. Sie kaufen Bücher zu einem festen Preis an und verkaufen sie über eigene Shops auf einer Website oder App weiter. Der von Momox heißt Medimops. Für ihre Arbeit und die Lagerhaltung kalkulieren die Anbieter eine Marge ein. Mit dem Verkauf über Kleinanzeigen oder Ebay an Privatverkäufer kann man eventuell bessere Preise erzielen. Doch der Komfort der Ankaufportale ist unschlagbar, und man spart viel Zeit. So geht es. Einfach die App herunterladen, über den Barcode per Scanner den Titel erfassen, in Sekundenschnelle erscheint der angebotene Preis. Akzeptiert man diesen, wandert das Buch in den Warenkorb. Es empfiehlt sich, mehrere Bücher auf einmal zu verkaufen, denn von einem Mindestverkaufswert von zehn Euro an ist der Versand gratis. Bei beiden Anbietern kann der Verkäufer die Bücher auch zu Hause abholen lassen. Egal, welchen Weg der Kunde wählt, ob er die Bücher abholen lässt, zum Paketshop oder zur Packstation bringt – sie sollten kompakt und sicher verpackt sein. Das Versandlabel dafür verschicken die Anbieter zum Ausdrucken. Nach Ankunft laufen die Bücher durch die Qualitätskontrolle. Ist der Zustand wie angegeben, wird das Geld abschließend überwiesen. Andernfalls wird der Verkauf abgelehnt. In der Regel kann sich der Verkäufer dann entscheiden, ob er die Bücher spendet, recyceln oder gegen eine Gebühr von vier Euro zurückschicken lässt. Gelesene Bücher unverpackt in die Filiale bringen Was viele nicht wissen und vermutlich verwundert: Gelesene Bücher nehmen inzwischen auch Buchhandelsketten wie Thalia und Hugendubel in Zahlung. Anders als bei den Ankaufplattformen erhalten die Verkäufer in diesem Fall statt Geld einen Gutschein, den sie – das ist die Idee hinter dem Gebrauchtgeschäft – für neuen Lesestoff einsetzen können. Die Buchhandlung Thalia verkauft die Gebrauchtbücher über ihren eigenen Onlineshop weiter. Beim Buchhändler Hugendubel organisiert der Recommerce-Partner Zeercle, der in Köln ein Lager betreibt, den Weiterverkauf über Amazon und Ebay. Der Test dieser Zeitung zeigt, dass der Verkauf über die Apps der Buchhandlungen ebenso bequem und einfach ist wie bei den Ankaufplattformen. Bei Thalia sind die Verstandkosten bei einem Mindestbestellwert von fünf Euro grundsätzlich frei. Hugendubel-Kunden können die Bücher, nach vorheriger Onlineregistrierung, auch unverpackt in die Filiale bringen, maximal 20 je Vorgang sind erlaubt. Der Postversand ist bei einem Mindestankaufswert von zehn Euro möglich, der Versand wie bei Thalia gratis. Lohnt sich die Mühe? Kommt drauf an. Grundsätzlich gilt: Hardcover bringt in der Regel mehr als Taschenbuch. Und: je aktueller und jünger das Buch, desto besser der Preis, wie der Check dieser Zeitung für acht teils ältere, teils aktuelle Hardcover-Titel zeigt (siehe Tabelle). Für den Roman „Die Lücken“ von Shida Bazyar, der, im September erschienen, auf der Shortlist für den diesjährigen Deutschen Buchpreis steht und in einigen Frankfurter Buchhandlungen zwischenzeitlich vergriffen war, hätte Rebuy am vergangenen Mittwoch mit 10,85 Euro den besten Preis gezahlt. Neu kostet der Roman 26 Euro. Das zweitbeste Angebot hatte Hugendubel mit 9,13 Euro, wobei der Händler aktuell einen Aktionsrabatt von 20 Prozent spendiert. Für den bereits im Frühjahr erschienenen und von der Kritik gefeierten Roman „Sanditz“ von Lukas Rietzschel (26 Euro) hätte es dagegen im besten Fall (Rebuy) noch 7,02 Euro gegeben. Zeit ist beim Bücherverkauf also Geld. Wohingegen sich der Gebrauchtkäufer Zeit lassen kann. Nach einer gebrauchten Version von „Die Lücken“ muss man suchen. Für 25 Euro, also einen Euro weniger als zum Neupreis, gab es das Buch Ende vergangener Woche bei Amazon. „Wir kaufen diesen Titel aktuell nicht“ Grundsätzlich nutzen Anbieter Algorithmen, die den Ankauf steuern. Liegt ein Buch bereits massenhaft in den Lagern der Plattformen, wird der Verkauf automatisch gestoppt. Das gilt auch, wenn ein Titel kaum nachgefragt wird und sich der Ankauf für die Plattformen nicht lohnt. Nicht losgeworden wäre der Verkäufer beim Anbietercheck zum Beispiel den bereits 2018 erschienenen Hardcover-Krimi „Müll“ von Wolf Haas, den es längst als Taschenbuch gibt. „Kein Angebot“ heißt es dann oder „Wir kaufen diesen Artikel aktuell nicht an“. Dass sich das Geschäft für die Plattformen lohnt, zeigt der Vergleich von Ankauf- und Verkaufspreis für den jüngsten Roman von Heinz Strunks „Memories of Heidelberg“ – 23 Euro für schmale 170 Seiten. Zum Preis von 4,30 Euro hätte Rebuy das Buch am vergangene Woche angekauft. Im Verkauf verlangte die Plattform 18,14 Euro.
