FAZ 17.08.2026
13:20 Uhr

Schreiben an Verband: FIFA-Komitee soll Infantino nicht zur Wahl zulassen


2027 will sich Infantino als FIFA-Präsident bestätigen lassen. Nun fordert eine NGO das Governance-Komitee der FIFA auf, ihn nicht zur Wahl zuzulassen – unterstützt vom früheren Vorsitzenden.

Schreiben an Verband: FIFA-Komitee soll Infantino nicht zur Wahl zulassen

Das Governance-Komitee des Internationalen Fußball-Verbands FIFA soll Gianni Infantinos abermalige Kandidatur als FIFA-Präsident für unzulässig erklären. Dieser in einem Schreiben an das Komitee formulierten Forderung der Nichtregierungsorganisation Fair Square hat sich Miguel Maduro, der frühere Vorsitzende des FIFA-Governance-Komitees, angeschlossen. Der Jurist aus Portugal war 2016 unter Infantino in die Position gerückt, 2017 aber bereits wieder ausgeschieden. Seither ist er einer der profiliertesten Kritiker des Weltverbandes unter seinem Schweizer Präsidenten. Hintergrund der Eingabe ist Infantinos Begehr, im kommenden Jahr zum dritten Mal im Amt bestätigt zu werden, obwohl die FIFA-Statuten eine Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten auf zwölf Jahre oder drei Amtszeiten vorsehen. 2022 hatte der FIFA-Rat erklärt, Infantinos erste Amtszeit ab 2016 bis 2019 sei im Sinne der FIFA-Statuten nicht mitzuzählen, weil sie von Infantinos Vorgänger Joseph Sepp Blatter begonnen worden sei. Die FIFA beruft sich dabei auf eine Wertung des Governance-, Audit- und Compliancekomitees. Eine solche wurde nie veröffentlicht. „Zeigen, dass es um mehr geht als den Sturz von Herrn Infantino“ Der FIFA-Rat habe keine Befugnis, über die Zulassung von Kandidaten zu entscheiden oder eine bindende Auslegung der Statuten zu beschließen, heißt es im Schreiben vom 13. August an die drei Mitglieder der Beurteilungskommission innerhalb des Governance-Komitees, den Schweizer Bruno Chiomento, den Amerikaner Chris Mihm und die Jamaikanerin Molly Rhone. Die Kommission ist für Zulassungsfragen bei FIFA-Kandidaturen zuständig. „Herr Infantino kann nicht Kandidat für eine vierte Amtszeit sein“, wird Maduro, der an dem Schreiben mitgearbeitet hat, in einer begleitenden Pressemitteilung zitiert. Die Amtszeitbegrenzung sei ein fundamentaler Aspekt der Reformen von 2016 gewesen. Zugleich wendet sich Maduro im Kontext der Rücktrittsforderungen, denen sich Infantino ausgesetzt sieht, seit sein einstweilen abgebrochenes Vorhaben bekannt wurde, Anteile an der Fußball-WM an Investoren zu veräußern („FIFA Forward Enterprise“), an Infantinos Kritiker aus anderen Fußballverbänden: „Diejenigen, die sich gegen Infantino stellen, haben eine Möglichkeit zu zeigen, dass es ihnen um mehr geht als den Sturz von Herrn Infantino, dass sie das Recht und das Prinzip der Amtszeitbegrenzung aufrechterhalten wollen.“ Infantino will sich am 18. März 2027 in Rabat wiederwählen lassen.