Nach dem Wahlerfolg im Senat hat der Vorsitzende des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, an die rechtsbürgerlichen Republikaner (LR) appelliert, sich mit seiner Partei zu verbünden. „Wenn Marine Le Pen demnächst Präsidentin ist, werde ich einer Regierung der Öffnung vorstehen“, sagte Bardella am Wahlabend. Die Republikaner hätten in dieser Regierung ihren Platz. Bei den Teilwahlen zur zweiten Parlamentskammer errang der RN zusammen mit der Partei des abtrünnigen früheren LR-Chefs Éric Ciotti 15 Sitze und kann erstmals eine eigene Fraktion bilden. Damit kann der RN im Senat größere Finanzmittel beanspruchen und Untersuchungsausschüsse einberufen. Letztere haben sich in der Vergangenheit als wichtiges demokratisches Gegengewicht zur Regierungsarbeit erwiesen. Seit 2023 war der RN mit drei Senatoren im Hohen Haus vertreten. Der Sitzezuwachs ist eine direkte Folge der landesweiten Kommunalwahlen im März. Die Senatoren werden nicht direkt gewählt, sondern durch ein Wählerkollegium, in dem lokale Mandatsträger überwiegen. Der Wahlerfolg hat vor allem symbolische Bedeutung Der Senat verfügt im Gesetzgebungsprozess nur über ein aufschiebendes Veto, außer bei Verfassungsänderungen. Der Wahlerfolg des RN hat deshalb überwiegend symbolische Bedeutung, zumal die rechtsbürgerliche Mehrheit in dem 348 Sitze zählenden Oberhaus nicht gefährdet ist. Die Republikaner verfügen über 123 Sitze und die mit ihnen verbündeten Zentristen über 72. RN-Parteivize Sébastien Chenu stellte das Ergebnis am Montag im Radiosender France Info als nächsten Schritt auf dem Weg zur Macht dar. Er bezeichnete es als „demokratische Anomalie“, dass seine Partei im Senat zuvor nicht stärker vertreten war. Der RN verfügt bereits über die stärkste Fraktion in der Nationalversammlung und im EU-Parlament. Le Pen sprach am Wahlabend von einem „historischen Sieg“ und dem Erreichen eines wichtigen Meilensteins. Laut einer jüngsten Umfrage des Instituts Toluna-Harris, die am Montag veröffentlicht wurde, würde Le Pen in der Stichwahl am 2. Mai gegen alle Herausforderer gewinnen. Besonders stark sind die Werte für den Mitte-rechts-Kandidaten Édouard Philippe eingebrochen. Laut der Umfrage würde Philippe gegen Le Pen nur auf 43 Prozent der Stimmen kommen.
