Die Europäische Union ist langmütig und leidensfähig, wenn es um ihre Beitrittskandidaten geht. Jeder in Brüssel versteht, dass notwendige Reformen ein heikler Balanceakt zwischen europäischen Verpflichtungen und nationalen Befindlichkeiten sind. Doch wenn eine Regierung sich nicht einmal darum bemüht, diese Balance zu finden, und systematisch gegen europäische Werte verstößt, dann ist auch die Engelsgeduld irgendwann erschöpft. Die Türkei und Georgien haben das schon zu spüren bekommen, ihre Verhandlungen wurden politisch auf Eis gelegt. Serbien ist nun auf demselben Weg. Serbien hofierte Putin Das Begräbnis für den verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladić, mit militärischen Ehren und hohen staatlichen Vertretern, ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat es seit Jahren gefüllt: indem er die Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo unterlief, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Gewaltenteilung im eigenen Land missachtete, Putin hofierte und Sanktionen gegen Russland ignorierte. Der Europäische Rat muss nun Konsequenzen ziehen. Dabei wird er die Tür zur EU sicher nicht vor der Parlamentswahl in Belgrad Ende Oktober schließen. Für die Serben könnte es die letzte Chance auf eine europäische Perspektive sein.
