Emma Aicher wirkte gefasst, zeitweise lächelte sie sogar. Die kleine Weltcupkugel war weg, der Weg zur großen ist sehr weit geworden – doch für die zweimalige Olympia-Zweite war dies kein Grund, betrübt zu sein. „Ich bin sehr zufrieden“, betonte sie nach der letzten Abfahrt dieses für sie bereits so erfolgreichen Winters, „ich habe schon vor dem Wochenende gesagt: Alles, was noch passiert, ist ein Bonus. Vor dieser Saison war ich ja nirgends.“ Beim Weltcup-Finale belegte Aicher im letzten Rennen der alpinen Königsdisziplin im norwegischen Kvitfjell den fünften Rang und verpasste damit den Sieg in der Disziplinwertung deutlich um 83 Punkte. Laura Pirovano aus Italien fuhr zum dritten Abfahrtssieg nacheinander und sicherte sich die kleine Kristallkugel am Ende souverän vor der Deutschen. „Die Lolli“, sagte Aicher im ZDF, habe die kleine Kugel angesichts der drei Siege in Serie „verdient, das passt schon“. Weidle-Winkelmann wird Dritte und fällt doch zurück Die 28 Jahre alte Pirovano, die bis vor zwei Wochen noch nicht mal auf dem Podest bei einem Weltcup-Rennen gestanden hatte, gewann mit 0,15 Sekunden Vorsprung vor Weltmeisterin und Olympiasiegerin Breezy Johnson (USA). Dritte wurde Kira Weidle-Winkelmann (+0,25 Sekunden), die am Ende ihrer besten Saison zum dritten Mal aufs Treppchen fuhr – im Abfahrtsweltcup aber hinter Johnson auf Rang vier zurückfiel. Aicher vergaß ihre erste Enttäuschung im Ziel schnell – und gratulierte Pirovano. Im Kampf um den Gesamtweltcup hat Aicher den Rückstand auf Mikaela Shiffrin (USA) von 140 auf 95 Punkte verkürzt – die Chancen auf die große Kristallkugel aber sind bei jetzt noch drei ausstehenden Rennen gesunken. Aicher müsste schon den Super-G am Sonntag gewinnen, um zunächst an Shiffrin vorbeizuziehen. Allerdings hat auch die Amerikanerin, im Riesenslalom und Slalom grundsätzlich besser als die Deutsche, ebenfalls einen Start im Super-G im Auge. Dass sich Aicher und Weidle-Winkelmann zum Auftakt des Weltcup-Finales mehr erhofft hatten, war nicht zu übersehen und zu überhören. „Es ist schon ziemlich bitter, dass die Emma die Kugel verloren und die Breezy mich noch vom Podest geschoben hat. Wenn man so knapp dran ist, will man natürlich auch ganz oben stehen“, sagte Weidle-Winkelmann, die gemeinsam mit Aicher Silber in der Team-Kombination bei den Olympischen Spielen gewonnen hatte, mit trauriger Miene im ZDF. Zugleich betonte die 30 Jahre alte WM-Zweite von 2021 aber die Erfolge des kleinen deutschen Abfahrtsteams in dieser Saison. Aicher gewann ein Rennen und wurde einmal Zweite, Weidle-Winkelmann wurde zweimal Zweite und einmal Dritte. „Wir können trotzdem stolz auf uns sein, was wir in dieser Saison gezeigt haben. Wir nehmen das Positive mit“, sagte Weidle-Winkelmann – und räumte dennoch nochmals ein: „Grad ist es schon ein bisschen hart.“
