FAZ 08.03.2026
19:18 Uhr

So isst Politik: Auf ein Kölsch in „Ossis Bar“


In „Ossis Bar“ können Bundestagsabgeordnete normales Leben atmen. Die dort angebotenen Snacks hat unsere Kolumnistin natürlich auch probiert.

So isst Politik: Auf ein Kölsch in „Ossis Bar“

Zu den Nachteilen des Lebens als Bundestagsabgeordneter zählt, dass man nicht mehr in Ruhe in die Kneipe gehen kann. Fast überall erkennt einen jemand. Im besten Fall setzt derjenige sich einfach dazu – häufig im Wahlkreis –, im schlechtesten filmt er mit dem Handy, wie der Politiker Bier trinkt, und postet das mit einem gehässigen Spruch à la „Die Welt brennt, und unsere Volksvertreter picheln“. Das ist vor allem in Berlin zu befürchten, wo sich besonders viele Politiker aufhalten und besonders viele Leute sie beobachten. Nur in einer einzigen Kneipe haben sie garantiert ihre Ruhe. Das ist „Ossis Bar“, die Kneipe in der Parlamentarischen Gesellschaft. Dort kommen nur Bundestagsabgeordnete und ihre Gäste rein. Können die ihre Gespräche nicht oben im Restaurant führen oder direkt im Büro? Das tun sie die meiste Zeit. Aber manchen ist gelegentlich nach einem Ort, der normales Leben atmet. Ein Tresen, einfache Holztische, Bänke, Bier. Auf den Tischen stehen Aschenbecher, fast so wie früher, als die Deutschen noch rauchten und Bonn noch Hauptstadt war. Schon dort gab es „Ossis Bar“. Inklusive Osvaldo, des legendären früheren Barmanns, dem die Kneipe ihren inoffiziellen Namen verdankt. Offiziell heißt sie „Kommunikationszentrum“. Auch nicht falsch. Denn in der Kneipe redet man freier als am Konferenztisch. Klar, auch hier schauen alle immer mal aufs Handy, beantworten Nachrichten, die keinen Aufschub dulden, gehen vor die Tür, um dringende Telefonate zu führen. Aber dazwischen sitzen und stehen sie zusammen wie ganz normale Leute in der Kneipe. An einem Tisch AfD-Leute, am nächsten Sozialdemokraten. Oder eben ein Abgeordneter mit Nicht-Abgeordneten. So wie an diesem Dienstag. Da sitzen der CDU-Abgeordnete Jan Metzler, eine seiner Mitarbeiterinnen, außerdem Knut Bergmann, Leiter des Hauptstadtbüros des Instituts der Deutschen Wirtschaft, und die F.A.S. zusammen. Metzler, übrigens ausgebildeter Winzer, bestellt eine Runde Kölsch. Das Gespräch gerät fachübergreifend; vom Krieg im Nahen Osten über die Frage, wie viel Regulierung gut ist, bis zur Fastnachtskultur. Dazu bietet die kleine Karte Snacks von sauren Gurken, einzeln bestellbar, bis zum Kotelett, das hier als Klassiker gilt. Knusprig paniert, brutzelnd heiß, ausgesprochen zart – warum bieten Wirtshäuser heute eigentlich so selten Kotelett an? Auch schon beinahe ausgestorben sind Soleier. Auf der Theke steht ein großes Glas voll. Daneben hat sich eine kleine Gruppe anderer CDU-Abgeordneter versammelt. Würden sie nicht Hemd und Krawatte tragen, könnte man sie für ganz normale Leute beim Feierabendbier halten. So sind es eben ganz normale Abgeordnete beim Feierabendbier. Die Barfrau spielt „Ace of Base“. Aber nicht mehr lange. Zahlen, bitte! Um Mitternacht ist Schluss. Und morgen wieder Bundestag.