FAZ 05.06.2026
20:40 Uhr

Streit in der Autobranche: Pariser Privilegien


Frankreichs Autobranche will eine Sonderbehandlung für ihre Kleinwagen. Inbegriffen ist wohl auch das Ziel einer automatischen Verschlechterung der Chancen für die ungeliebte deutsche Konkurrenz.

Streit in der Autobranche: Pariser Privilegien

Für die deutsche Autoindustrie werden gerade in Brüssel verschiedene Fallstricke ausgelegt. Derzeit scheint es auch so, als wäre die EU-Kommission bereit, den Wünschen des französischen Industriekommissars und Sachwalters französischer Interessen, Stéphane Séjourné, Folge zu leisten. Während Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron keine Gelegenheit auslässt, europäische Einigkeit zu beschwören, werden in Brüsseler Hinterzimmern schamlos Regeländerungen zugunsten französischer Autohersteller und gerne auch zulasten der deutschen Konkurrenten gefordert und durchgesetzt. Weil Renault, aber auch Stellantis-Marken wie Peugeot und Citroën Schwierigkeiten haben, den EU-Regeln entsprechend genügend Elektroautos zu verkaufen, und ansonsten in den Segmenten für kompakte oder noch deutlich größere Autos ziemlich chancenlos sind, sollen nun die Regeln geändert werden, mit zwei Stoßrichtungen: Erstens wird gewünscht, dass bei den Emissionsregeln kleine Autos bevorzugt werden. Damit können dann französische Hersteller von Kleinwagen die Auflagen für weniger CO2-Emissionen leichter erfüllen. Die Deutschen sollten dagegen im Regen stehen und eventuell auch Strafen für das Nichterfüllen der Vorschriften bezahlen. Zweitens geht es darum, eine neue rechtliche Kategorie von Kleinwagen einzuführen, die dann auf vielerlei Weise zu Begünstigungen für kleine französische Autos und zu einem Malus für deutsche Produkte führen kann, von Parkgebühren über Einfahrtmöglichkeiten in die Innenstädte bis zu Sondersteuern. Leider verstellt allzu leicht eine nationalistische Sichtweise den Blick auf gemeinsame europäische Interessen. So ist das auch in der Autobranche: Statt neuer juristischer Kleinstaaterei mit Kleinwagen und größeren Autos geht es darum, gemeinsam in Brüssel dafür zu kämpfen, dass dirigistische und weltfremde Vorgaben für die Einführung von Elektroautos an die Realitäten von Markt und Infrastruktur angepasst werden. Eine schnelle Reduzierung der Verkehrsemissionen braucht dann noch andere Wege wie E-Fuels. Doch statt die EU insgesamt wettbewerbsfähig gegenüber USA und China zu machen, muss man sich über Pariser Wünsche nach Privilegien streiten.