Ein Rasierapparat für 800 Euro? Passt ja bestens zur unlängst angekündigten 500-Euro-Zahnbürste von Dyson. Preise nicht aus dieser Welt, könnte man meinen. Aber wenn man an der amerikanischen Ostküste mittlerweile 13 Dollar für einen Espresso bezahlt und die dort lebende Bekannte von ihrer 4000-Dollar-Gehaltserhöhung erzählt, gemeint ist eine monatliche Erhöhung, dann relativiert sich doch einiges. Schon steht ein neues iPhone für deutlich mehr als 2000 Euro vor der Auslieferung, die Beispiele lassen sich beliebig weiterführen. Die Preise für den Rasierer Nevo beginnen in der Tat bei 800 Euro, mit etwas mehr Zubehör liegt man bei 870 Euro. Irritierend ist nur, dass der zu Procter & Gamble gehörende Hersteller gleich zum Marktstart auf seiner Internetseite einen Rabatt von 300 Euro einräumte. Glaubt man selbst nicht, dass jemand den offiziellen Preis zahlt? Mittlerweile wurde dieses Angebot wieder entfernt. Aber der Nevo ist bei Händlern bereits ab 450 Euro erhältlich, man bemühe eine Preissuchmaschine. Damit ist er zwar noch immer ein sehr teurer Rasierer, aber der Abstand zum Rest des Marktes wird etwas kleiner. Nach unten setzt sich der Nevo vom hauseigenen Series 9 und Series 9 Pro ab und hat mit ihnen und anderen Braun-Rasierern die Idee gemeinsam, dass der Scherkopf nach der Rasur mit einer Reinigungsflüssigkeit gesäubert wird. Damit würden auch 99,9 Prozent aller Keime und Bakterien am Scherkopf beseitigt, sagt Braun. Dazu dient eine recht große Wartungsstation, in die man den Rasierer kopfüber steckt. Die Kartuschen für die Flüssigkeit kosten fünf Euro, wenn man das 8er-Vorratspack kauft. Kein USB C, das tut richtig weh In unserem Paket befand sich zudem ein großes Reise- und Ladeetui, das den Akku mit dem Einlegen wieder füllt. Es wird, wie der Rasierer, mit einem proprietären Kabel ans Ladegerät angeschlossen. Dass Braun hier nicht USB C verwendet, ist ein großes Ärgernis. Wer länger auf Reisen ist, muss entweder das klobige Etui mitnehmen oder das proprietäre Ladegerät. Die Akkulaufzeit des Rasierers beträgt 60 Minuten, hier hat sich gegenüber der älteren Series 9 nichts geändert. Der Rasierer selbst ist wasserdicht, erlaubt auch das Rasieren mit Schaum oder Gel und hat ein aus einem Stück geformtes Edelstahlgehäuse. Das sieht schon schick aus, und in der Hand liegt er gut. Neu ist ferner der Scherkopf mit einer Folie, die für weniger Reibung sorgen soll. 250 diamantscharfe Kanten attackieren die Härchen, und ein smarter Prozessor passe die Leistung an die Bartdichte an, sagt Braun. In der Mitte liegt der Einschalter, rückseitig befindet sich der nach oben ausfahrbare Trimmer. Nach unseren Rasiererfahrungen über einige Wochen ist ein Unterschied zur bisher verwendeten Series 9 Pro sofort zu bemerken. Man kommt mit weniger Aufwand schneller zum Ziel, lautet das Fazit. Mit der Series 9 dauert die Rasur etwas länger, das Ergebnis ist jedoch nahezu identisch. Für die Haut fühlt sich die Rasur mit dem neuen Nevo etwas besser an. Was der neue Scherkopf bringt Auf dem Farbdisplay der Frontseite bekommt man nach der Rasur Hinweise, auf die man gern verzichten kann. Von der Anzeige des Akkustandes mal abgesehen, halten wir das Display für überflüssig. Im Unterschied zur Series 9 muss man den Scherkopf nun abziehen, wenn man ihn getrennt reinigen oder wechseln will. Der Vorgänger hatte dafür noch seitliche Entriegelungsknöpfe, die eine bessere Handhabung boten. Dass ein neuer Scherkopf für den Nevo 100 Euro kostet, während seine Kollegen für die Series 9 bei rund der Hälfte liegen, sei nicht verschwiegen. Alles in allem ein kleiner Fortschritt für einen hohen Preis.
