FAZ 12.05.2026
15:24 Uhr

Treibstoffpreise: Teurer Sprit treibt Frankfurter in Busse und Bahnen


Seit die Treibstoffpreise im März in die Höhe geschossen sind, nutzen mehr Menschen in Frankfurt Busse und Bahnen. Eine Studie der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq belegt: Der Preisschock an den Zapfstellen wirkt – und der ÖPNV ist der Gewinner.

Treibstoffpreise: Teurer Sprit treibt Frankfurter in Busse und Bahnen

Der Schock an den Ölmärkten Anfang März hat in Frankfurt zu einer spürbaren Verschiebung im Mobilitätsverhalten geführt. Das geht aus einer Marktforschungsstudie der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq hervor, die unmittelbar nach dem Preisanstieg eingeleitet wurde und nun ausgewertet vorliegt. Das Ergebnis: Hohe Kraftstoffpreise bewegen Autofahrer dazu, auf Bus und Bahn umzusteigen – und der Nahverkehr profitiert davon messbar. Im Frankfurter Nahverkehr – also in U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen – wurden im März 2026 insgesamt 20,8 Millionen Fahrgäste gezählt. Das sind rund drei Prozent mehr als im März des vergangenen Jahres. Traffiq hebt hervor, dass dieser Anstieg um externe Störeffekte bereinigt worden sei, die das Ergebnis hätten verfälschen können, darunter Streiktage und Streckensperrungen im Vergleichsmonat des Jahres 2025. Die verbleibende Steigerung führt das Unternehmen klar auf den Zustrom von Autofahrern zurück, die angesichts der gestiegenen Spritkosten auf den ÖPNV ausgewichen seien. Vielfahrer reagieren am stärksten Besonders markant ist der Wandel bei denjenigen, die bisher außergewöhnlich häufig am Steuer saßen. Bei einer Onlinebefragung unter dem Titel „Mobilitätsverhalten unter dem Einfluss gestiegener Kraftstoffpreise“ gaben 175 der 514 Teilnehmer – drei Viertel aus Frankfurt, die anderen aus der Rhein-Main-Region – an, vor dem Preisanstieg täglich oder fast täglich mit dem Auto gefahren zu sein. Nach dem Preisschock trifft das nur noch auf 114 Personen zu – ein Rückgang um 35 Prozent. Insgesamt gaben 83 Prozent aller befragten Pkw-Nutzer an, ihre Autonutzung inzwischen zumindest leicht reduziert zu haben. Das Muster lässt sich erklären: Wer viel Auto fährt, hat in der Regel auch mehr Fahrten, auf die er verzichten oder die er verlagern kann. Gelegenheitsfahrer hingegen – Menschen also, die das Auto ohnehin nur selten nutzen – zeigen kaum Verhaltensänderungen. Ihr Mobilitätsalltag ist bereits stärker auf andere Verkehrsmittel ausgerichtet. ÖPNV als beste Alternative erkannt Dass der Rückzug vom Steuer häufig Richtung Bus- oder Bahnhaltestelle führt, belegen die Antworten auf eine weitere Frage: „Wenn die Kraftstoffpreise weiter steigen – welches Verkehrsmittel würden Sie am ehesten anstelle des Autos nutzen?“ Für 69 Prozent der Befragten lautet die Antwort: den öffentlichen Nahverkehr. Das Fahrrad nannten 17 Prozent, das Zu-Fuß-Gehen zehn Prozent. Nur vier Prozent können sich vorstellen, auf Fahrgemeinschaften zu setzen. Für Traffiq sind die Zahlen eine Bestätigung der eigenen Strategie. „In schwierigen Zeiten mit sehr hohen Kraftstoffpreisen verlassen sich noch mehr Menschen als sonst auf Bahnen und Busse in Frankfurt“, heißt es vom Unternehmen. Die zusätzliche Nachfrage sei problemlos zu bewältigen. Besonders erfreulich sei, dass eine so große Mehrheit der Autofahrer den öffentlichen Personennahverkehr als beste Alternative zum eigenen Wagen betrachte. Das zeige, „wie elementar ein starker Nahverkehr für die Stadt ist“. 30 Prozent mehr für Diesel im März Die jetzt veröffentlichten Zahlen basieren auf einer Schnellauswertung. Die Detailauswertung der Studie läuft laut Traffiq noch. Die Befragung wurde in der zweiten Märzhälfte durchgeführt, also kurz nachdem die Ölpreise an den Märkten stark angezogen hatten. Im März zahlten Verbraucher laut Statistik rund 17 Prozent mehr für Superbenzin und fast 30 Prozent mehr für Diesel als ein Jahr zuvor. Der April war dann laut ADAC sogar der teuerste Tankmonat aller Zeiten. Als Reaktion darauf hat die Bundesregierung einen Tankrabatt beschlossen, der seit dem 1. Mai gilt. Statistiken dazu, ob sich der Kraftstoffabsatz als Folge der hohen Preise reduziert hat, liegen noch nicht vor.