Hitze lässt auch Tiere nicht kalt. Bei Zebrafinken haben Forscher nun einen besonderen Anpassungsmechanismus entdeckt, der viel mit ihrem Gesang zu tun hat. Bekannt ist, dass Zebrafinken an Tagen mit Temperaturen von mehr als 26 Grad besondere Rufe in ihren Gesang einbauen. Bereits vor zehn Jahren hatte Mylene Mariette von der australischen Universität Waurn Ponds herausgefunden, dass Finkenküken, wenn sie vorm Schlüpfen aus dem Ei diese Rufe durch die Eierschale hören, besser an warme Temperaturen angepasst sind. Die jungen Vögel wachsen langsamer, und sie bauen ihre eigenen Nester sogar eher in wärmeren Umgebungen. Um herauszufinden, wie das Tschilpen der Eltern so weitreichende Veränderungen bei den Küken im Ei in Gang setzt, führte Mariette gemeinsam mit der Neurowissenschaftlerin Julia George von der Clemson-Universität Versuche durch, berichten die beiden im „Journal of Experimental Biology“. Sie legten die Eier dazu bei gleicher Temperatur in einen Brutkasten, die eine Hälfte wurde dann mit Hitzerufen beschallt, die andere mit normalem Gezwitscher. Gesang und die Entwicklung des Vogelhirns Die Wissenschaftlerinnen hatten erwartet, dass sich durch die Rufe der Hormonhaushalt im Gehirn der Vögel verändern würde. Doch die Untersuchung der geschlüpften Küken zeigte, dass die Hitzerufe offenbar in ihrem Hypothalamus Gene an- beziehungsweise ausgeschaltet hatten, die das Wachstum von Blutgefäßen im Gehirn steuern. Dass sich Hitzerufe auf die Entwicklung des Blutgefäßsystems auswirken, überrascht die Forscherinnen. Wahrscheinlich sei der veränderte Blutfluss aber genau das, was die Vögel toleranter für Hitze mache, schreiben sie. Er könne dazu beitragen, das Gehirn auch bei hohen Temperaturen kühler zu halten. Hirnforscherin George sagte, die Hitzerufe könne man sich „wie eine Art Wettervorhersage“ vorstellen, die es den heranwachsenden Küken ermögliche, ihr Gehirn bereits im Ei anzupassen. Dadurch seien sie direkt nach dem Schlüpfen an die Umgebung angepasst. Es gibt auch andere Beispiele, wie der Gesang der Vogeleltern die Entwicklung des Kükens bereits durch die Eierschale hindurch beeinflusst. Bei australischen Prachtstaffelschwänzen etwa, einer kleinen Vogelart, deren Männchen ein strahlend blaues Gefieder haben, singen die Eltern ihren Kindern durch die Schale spezielle Sequenzen vor. Sie dienen als eine Art Erkennungszeichen. Die geschlüpften Küken bauen diese Tonfolge in ihren Ruf ein, wenn sie um Futter betteln. Küken, die den Ruf nicht kennen – etwa weil sie Kuckuckskinder sind und ihre Eier erst spät ins Nest gelegt wurden, kennen den Ruf nicht. Sie werden dann nicht gefüttert.
