Mehrere Tausend ugandische Soldaten sind bereits in verschiedenen Konfliktregionen in Afrika im Einsatz. Jetzt will sich das Militär des ostafrikanischen Landes erstmals auch außerhalb des Kontinents engagieren. Mit einer deutlichen Mehrheit stimmte das Parlament in Kampala Anfang August einer Beteiligung an einer internationalen Stabilisierungstruppe im Gazastreifen zu. Der amerikanische Präsident habe seinen ugandischen Amtskollegen Yoweri Museveni angerufen und um die Teilnahme gebeten, sagte Ugandas Verteidigungsminister. Die Stabilisierungstruppe gehört zu dem von Donald Trump vorgelegten Friedensplan. Sie soll nach einem Friedensschluss der Konfliktparteien für Ordnung sorgen und eine Übergangsverwaltung unterstützen. Eine Umsetzung dieses Plans liegt derzeit noch in weiter Ferne. In Kampala aber werden schon Weichen gestellt. Die ugandische Regierung und vor allem der Präsidentensohn und Armeechef Muhoozi Kainerugaba wittern die Chance, auf einer größeren internationalen Bühne präsent zu sein. Außerdem versucht Uganda, die während der Präsidentschaft Joe Bidens zerrütteten Beziehungen mit den USA zu kitten. Lobbyunternehmen wurden schon zu dem Zweck beauftragt. Präsidentensohn buhlt um Trumps Gunst Kainerugaba buhlt besonders auffallend um die Gunst des US-Präsidenten. Unlängst nannte er Trump in einem Post auf der Plattform X einen „Helden“ und forderte ihn auf, „NIE einen Rohstoff-Deal in Ostafrika ohne Uganda und Ruanda“ zu schließen. Vor knapp einem Jahr hatte er sich bereits um eine Einladung nach Washington bemüht. Damals kokettierte er, Trump könne dann einen „schwarzen Mann“ treffen, der „besser aussieht, größer und charismatischer“ sei als er selbst. Zum Verständnis muss man wissen, dass Kainerugaba, der als möglicher Nachfolger seines Vaters gilt, regelmäßig merkwürdige, oft auch höchst kontroverse und hetzerische Tweets verfasst. Meist entstehen sie zu nächtlicher Stunde. Da finden sich Drohungen, den mittlerweile ins Ausland geflüchteten Oppositionspolitiker Bobi Wine zu köpfen, neben Heiratsanträgen an die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und die Musikerin Beyoncé. Vor einigen Jahren verärgerte Kainerugaba die kenianische Regierung, indem er sich damit brüstete, Ugandas Truppen könnten in kürzester Zeit Nairobi einnehmen. Es zeichnet sich schon länger ab, dass es Kainerugaba danach drängt, im Nahen Osten eine Rolle zu spielen, wenn auch bisher nicht als Teil einer Stabilisierungstruppe, sondern als Unterstützer Israels. „Ich bin bereit, 100.000 ugandische Soldaten in Israel einzusetzen“, schrieb er in einem Tweet, „unter meinem Kommando. Um das Heilige Land zu schützen. Das Land Jesu Christi, unseres Gottes.“ In einem späteren Post, der vielfach zitiert und später gelöscht wurde, schrieb er, er habe „500.000 kriegshungrige junge Männer“. Sie würden „dieses Teheran im Handumdrehen einnehmen“. Enge Beziehungen zu Israel Abseits solchen Getöses gehört Uganda mittlerweile tatsächlich zu den wenigen afrikanischen Ländern, die enge Beziehungen mit Israel pflegen. Sie zeigen sich in einer militärischen und technischen Zusammenarbeit. Israel trainiert zudem ugandische Soldaten, und israelische Organisationen Unternehmen engagieren sich in Ugandas Agrarsektor. Das war nicht immer so. Vor 50 Jahren, nach dem Geiseldrama am Entebbe-Flughafen, waren beide Staaten tief verfeindet. Palästinensische und deutsche Terroristen hatten damals ein Air-France-Flugzeug auf dem Weg von Tel Aviv nach Frankreich entführt und waren in Uganda gelandet. In der Nacht zum 4. Juli 1976 befreiten israelische Spezialkräfte die letzten 106 Geiseln. Ugandas Diktator Idi Amin hatte schon vier Jahre vorher die Beziehungen zu Israel abgebrochen. Über die Demütigung durch die israelische Kommandoaktion auf eigenem Staatsgebiet war er dann so erbost, dass er die letzte Geisel, die sich in einem Krankenhaus befand, ermorden ließ. Geiseldrama von Entebbe entzweite die Staaten Es folgte eine diplomatische Eiszeit, bis sein Nachfolger Museveni und der israelische Botschafter in Kenia im Juli 1994 ein Abkommen unterzeichneten, um die Beziehungen nach 22 Jahren wiederherzustellen. Danach dienten auch die Jahrestage der Entebbe-Operation der weiteren Annäherung. Zum 40. Jahrestag reiste der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Uganda. Und in diesem Jahr enthüllte Kainerugaba vor dem alten Flughafen-Terminal eine Bronzestatue von Jonathan Netanjahu, dem älteren Bruder des heutigen israelischen Ministerpräsidenten. Er hatte die Operation geführt und war von einem ugandischen Scharfschützen getötet worden. Die Statue symbolisiere „Mut, Versöhnung und Freundschaft“, sagte Kainerugaba. Ob Uganda ein verlässlicher Partner für die Sicherung eines Friedens in Gaza sein kann, ist derweil umstritten. Das ugandische Militär gehört zu den am besten ausgestatteten und trainierten Armeen auf dem Kontinent. Der General jedoch hat schon mehrfach diplomatische Beziehungen strapaziert. Nach der Präsidentschaftswahl Anfang dieses Jahres etwa suspendierte er kurzzeitig die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Botschaft in Kampala, die er beschuldigte, dem ugandischen Musiker und Oppositionspolitiker Bobi Wine zu helfen, sich zu verstecken. Später entschuldigte er sich und löschte den Post. Auch Deutschland machte solche Erfahrungen. In diesem Fall war der Grund eine kritische Bemerkung des deutschen Botschafters in einem kleinen Kreis. Kainerugaba verkündete daraufhin in einer Mitteilung der Streitkräfte, die „militärischen Beziehungen“ mit Deutschland zu beenden. In Berlin wunderte man sich über die markigen Worte, denn militärische Beziehungen mit Uganda gibt es gar nicht.
