Exoskelette, Kontrollzentren und Bewegungssensoren – was im ersten Moment nach der Ausstattung eines Raumschiffs klingt, ist am Universitätsklinikum Frankfurt Teil des mit 18 Millionen Euro vom Land Hessen geförderten Projekts „Digitales ULF 2.0“. Am Mittwochmittag haben Fachärzte und Entwickler beim fünften eHealth-Tag vorgestellt, wie die „digitale Transformation“ gelingen soll. Im Mittelpunkt standen Systeme, die den Klinikalltag für Patienten, Pfleger und Ärzte erleichtern und die Bürokratie abbauen sollen. Zuletzt wurde der gesamte Campus mit einem 5-G-Mobilfunknetz ausgestattet, das nun als Basis für die Neuerungen dient. Auf der sogenannten Innovationsstation sei es möglich, einige der Neuerungen im Patientenbetrieb zu testen, wie Birgit Roelfsema, Pflegedirektorin an der Klinik, sagt. „Hier bietet sich die Möglichkeit, Apps und IT-Programme auszuprobieren, bevor wir sie in die Anwendung bringen.“ Besonders in der Pflege gelte es, sich den Bedürfnissen der Patienten, aber auch der Beschäftigten anzupassen. „Es ist eine körperlich belastende Arbeit“, sagt Roelfsema. Exoskelette sollen vermehrt eingesetzt werden, um die Pflegekräfte beim Heben, Umlagern und Bewegen von Patienten zu unterstützen und dadurch Rücken und Gelenke zu entlasten. Darüber hinaus sollen Bewegungssensoren in Patientenzimmern installiert werden, die im Falle eines Sturzes das Personal alarmieren. Auch könnten bald schon Armbänder zum Einsatz kommen, die den Standort von Demenzpatienten anzeigen. Das „Hospital Command Center“ Fortschritte gibt es auch in der Logistik. Das lasse sich besonders mit dem „Hospital Command Center“ (HCC) verdeutlichen, wie Oya Güngöze, Fachärztin für Innere Medizin, sagt. „Vorher hat jede Station für sich gearbeitet, ohne das gesamte Krankenhaus im Blick zu haben.“ Mithilfe eines neuen Datensystems sei eine bessere Planung möglich. Wie viele Mitarbeiter sind gerade im Dienst? Wo wird bald ein Bett frei? Informationen, die in Echtzeit abgelesen werden können. Auch Daten, die während der Hitzewellen in den vergangenen Monaten gesammelt wurden, sollen helfen, für eine sich wiederholende Lage besser kalkulieren zu können. Das HCC könne eine Prognose abgeben, wie viele Patienten mit welchen typischen Krankheitsmerkmalen bei extremen Temperaturen zu erwarten sind, wie Güngöze sagt. Das sei eine „große Entlastung im stressigen Alltag“. Wie wichtig es ist, auf besonders fordernde Situationen vorbereitet zu sein, habe die Corona-Zeit gezeigt. „Ohne das HCC musste man noch nachts umhertelefonieren und mit Kollegen verhandeln, wann und wo ein freies Bett zur Verfügung steht“, sagt Güngöze. Mit dem System sei man besser auf Engpässe vorbereitet und könne nun das erwartete Arbeitsaufkommen in vergleichbaren Situationen besser vorhersagen. Das Projekt „Digitales UFK 2.0“ wird vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation sowie dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur finanziert. Die Förderung läuft bis Ende 2029.
