FAZ 30.09.2026
15:00 Uhr

VW Mission Efficiency: Ein Rekord ist nicht genug


Genügsamkeit ist eine Tugend, erst recht im Automobilbau. Mit dem Mission Efficiency demonstriert VW, wie sparsam ein Elektroauto mit Aerodynamik und Verzicht sein kann.

VW Mission Efficiency: Ein Rekord ist nicht genug

Ferdinand Piëch war ein Meister knapper Worte. 2011 etwa antwortete er auf die Frage, wann Volkswagen endlich das Einliter-Auto auf den Markt bringe, lakonisch: „In 13.“ Was alles bedeuten konnte. Die Bühne war der Qatar Science and Technology Park, im Beisein des Emirs und zu einer Zeit, in der Qatar zum bedeutenden VW-Anteilseigner aufstieg. Gemeint war wohl das Jahr, denn Ende 2013 war es tatsächlich so weit. Der XL 1, angetrieben von einem Zweizylinder-Turbodiesel samt Elektromotor, sollte Piëch als visionären Enkel Ferdinand Porsches erscheinen lassen, es war ein Herzensprojekt. Aus einer Großserie wurde dennoch nichts. Zu teuer waren Materialien und Technik, zu eigenwillig der flache Zweisitzer. Es entstanden gerade einmal 200 Exemplare für jeweils schnappatmige 111.000 Euro. Heute stehen die meisten wohl blank poliert in Sammlergaragen. Dabei könnte ein Auto, das mit einem Liter Treibstoff 100 Kilometer weit kommt, kaum zeitgemäßer sein. Nur wird Effizienz eher inzwischen in Kilowattstunden gemessen. Womöglich hat Volkswagen nun deshalb ein neues Versuchslabor auf Rädern gebaut. Das elektrische Konzeptfahrzeug Mission Efficiency kommt auf einen cW-Wert von 0,158 und soll damit das aerodynamisch günstigste straßenzugelassene Auto sein. Rekord Nummer eins. Auf einer Idealrunde genügten 6,48 kWh auf 100 Kilometer, heißt es. Rekord Nummer zwei mit konstant 68 km/h, auf ebener Strecke und ohne Klimaanlage. Auf 1278 Kilometern von Wolfsburg nach Wien maßen die Ingenieure inklusive Ladeverlusten 7,51 kWh/100 km, sodass die 54,9 kWh große Batterie nur einmal geladen werden musste. Rekord Nummer drei als sparsamstes seriennahes Elektroauto seiner Klasse. Anders als der XL 1 ist der Neuling technisch näher an der Serie. Er nutzt den 135-PS-Antrieb des gerade auf den Markt gekommenen ID Polo, verpackt in eine konsequent auf geringen Luftwiderstand getrimmte Hülle. Mit 140 km/h benötige er ungefähr so viel Energie wie der Polo mit 100 km/h. Dazu kommen geringer Rollwiderstand, spezielle Felgendeflektoren, optimierte Radläufe und ein gemeinsam mit Continental entwickelter Reifen. Solarzellen in Dach und Heckklappe können sonnigstenfalls bis zu 30 Kilometer Reichweite täglich beisteuern. Seriennah? Pustekuchen. Kunden werden vom 4,78 Meter langen, nur 1,39 Meter hohen 2+2-Sitzer nichts haben. Auf Nachfrage heißt es, VW hege derzeit keine Pläne für eine Serienproduktion. Piëch wäre sicherlich trotzdem stolz.