Drei Jahre hat es gedauert, jetzt hat das Landgericht Mannheim eine Anklage gegen den Sänger Xavier Naidoo wegen Volksverhetzung zugelassen. Allerdings nur wegen des Verdachts der Volksverhetzung in einem Fall in Tateinheit mit Beleidigung und nicht in vier Fällen von Volksverhetzung, wie zunächst in Medien berichtet wurde. Eine Sprecherin des Gerichts sagte der F.A.Z., dass hinsichtlich der übrigen drei Tatvorwürfe die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt worden sei, da kein hinreichender Tatverdacht bestehe. Eine hiergegen gerichtete Beschwerde der Staatsanwaltschaft werde derzeit beim Oberlandesgericht Karlsruhe geprüft. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest, es gelte die Unschuldsvermutung. Zugelassen wurde laut der Gerichtssprecherin nur der Vorwurf, dass der 54 Jahre alte Sänger ein Mitglied der Amadeu Antonio Stiftung, die über Verschwörungserzählungen aufklärt, beleidigt und in diesem Zusammenhang Texte mit antisemitischem Inhalt veröffentlicht haben soll. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage 2023 hingegen weitere Vorwürfe erhoben: Naidoo habe zwischen Dezember 2020 und April 2021 über einen Telegram-Kanal antisemitische und den Holocaust leugnende Inhalte veröffentlicht – in Form von Texten, einer eigenen Audiobotschaft sowie durch Verlinkung einer fremden Audiobotschaft und eines Videos. „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue“ Eine zweite Anklage gegen Naidoo wegen Volksverhetzung aus dem Juni 2024 wurde dem Gericht zufolge mangels hinreichenden Tatverdachts auch nicht zugelassen. Auch dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingereicht, die derzeit beim Oberlandesgericht Karlsruhe geprüft werde. Naidoos Anwälte hatten zuletzt betont, die Vorwürfe seien falsch und würden ausdrücklich bestritten. Naidoo lehne jegliches antisemitische oder rassistische Gedankengut ab. Der Sänger hatte 2022 ein Entschuldigungsvideo veröffentlicht und eingeräumt, sich jahrelang in Verschwörungserzählungen verrannt zu haben: „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.“ In diesem Frühjahr hatte er allerdings nach Enthüllungen rund um Jeffrey Epstein wieder mit wirren Aussagen auf einer Demonstration vor dem Kanzleramt in Berlin für Aufsehen gesorgt. Während der Corona-Pandemie hatte Naidoo auf Telegram den Zentralrat der Juden „Zentralrat der Lügen“ und „Lügenbande“ genannt und ein Video verbreitet, in dem behauptet wurde, dass sich mit Zyklon B keine Menschen vergasen ließen und der Holocaust deswegen eine „gelungene historische Fiktion“ sei. Naidoo hatte auch die antisemitische Schrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ verbreitet und behauptet, dass Juden sich die Welt untertan gemacht hätten. Außerdem teilte er Beiträge, in denen behauptet wurde, Juden würden Nichtjuden mit Giftspritzen ermorden.
